P1140491 (2)Brillen. Sie können wunderschön aussehen und trotzdem nicht passen – genau wie unreflektierte, aber doch vehement verteidigte Werte, Traditionen und Leitsätze. Die Herausforderung besteht darin, zu sich selbst ehrlich zu sein und sich zu hinterfragen. Welche Brillen trage ich – und noch viel wichtiger: passen sie?
Das Prinzip dürfte klar sein, daher mache ich es kurz: Geh zum Optiker deines Vertrauens, lass einen Sehtest machen und finde heraus, wo es möglicherweise an der Zeit ist, sich nach einer neuen und vor allem besseren Brille umzusehen!

Challenge:
Mit welcher Brille willst du ins neue Jahr starten? Welche willst du behalten, umtauschen, ablegen? Wenn du dir diese Fragen stellst und Konsequenzen ziehst, können spannende Dinge geschehen. Bist du bereit?

PS: Ich unterstütze dich gerne bei deinem Sehtest. Eine kurze Info an kontakt@vorwaertsleben.de genügt!

Ich oute mich hiermit öffentlich aus jemand, der sich gerne mal einen Film auf DVD anschaut. Was das mit Werten und Traditionen zu tun hat? Ganz einfach: Einige meiner liebsten Filme handeln von genau diesem Thema. Spontan fallen mir drei Titel ein:

1. Whale Rider
Die Bewohner eines kleinen Küstenortes in Neuseeland führen ihre Herkunft auf den Walreiter Paikea zurück. Als der zukünftige Anführer stirbt, will dessen Schwester Pai an seiner Statt diese Aufgabe übernehmen. Um ihrem Ziel bzw. ihrer Berufung näherzukommen, muss sie sich gegen ihren geliebten Großvater sowie eine tausendjährige Tradition auflehnen.

2. The Great Debaters
Texas in den 1930er Jahren: Das Wiley College ist eine der wenigen Bildungsstätten im Süden der USA, an denen Afroamerikaner eine Chance haben. Dort arbeitet der engagierte Professor Tolson, der seine Schüler in die hohe Kunst des politischen Debattierens einführt. Sein Traum ist es, seine besten Schüler bis zur Teilnahme am Debattier-Wettbewerb an der Harvard University zu führen. Doch der Weg ist steinig, denn nicht jeder kann oder will über die Hautfarbe der Wiley-Kandidaten hinwegsehen.

3. The Help
Jackson, Mississippi im Jahr 1962: Skeeter will Journalistin werden. Ihr erster Job: Kolumnen mit Hausfrauentipps für das Lokalblatt schreiben. Nur leider hat sie von solchen Dingen keine Ahnung. Also befragt sie das afroamerikanische Dienstmädchen ihrer besten Freundin. Skeeter bekommt mit, wie herablassend das Dienstmädchen behandelt wird – und mit einem Mal erkennt sie, dass grundsätzlich Dinge schieflaufen. So beschließt sie, diese Missstände publik zu machen. Sie sammelt persönliche Erlebnisse verschiedener Dienstmädchen. Der Wunsch, etwas zu verändern, ist so stark, dass Skeeter mit den Traditionen und Werten ihrer Zeit bricht.

P1140512Die Filme handeln von drei verschiedenen Brillenträger-Typen:
> von denen, deren Brille perfekt sitzt,
> von denen, die dringend mal wieder einen Sehtest machen sollten, um ihre Brillenstärke anpassen zu lassen,
> vor allem aber von denen, die sich nicht mal dessen bewusst sind, dass sie überhaupt eine Brille tragen.

Mach den Test:
Achte diese Woche darauf, welche Brillen du trägst: Was sind die Werte und Traditionen, die dein Denken und Handeln beeinflussen?

Vor ein paar Monaten fing es an: Ich hatte permanent leichte Kopfschmerzen. Dann der Aha-Effekt: Die Brille war schuld. Sie hatte jahrelang gute Dienste geleistet, aber nun passte sie nicht mehr, meine Werte hatten sich verändert. So wurde ich daran erinnert: Eine Brille ist etwas Wunderbares, aber eben nur, wenn sie richtig sitzt und die Glasstärke stimmt.
P1140503Während gut sitzende Brillen, genauso wie Werte und Traditionen, das Leben erleichtern, verhält es sich mit Billigware anders. Denn sie sorgt allzu oft dafür, dass man nicht mehr durchblickt. Ich denke da an Werte und Traditionen, die man unreflektiert übernimmt: Sie müssen nicht schlecht sein, aber wenn man sie übernimmt, ohne vorher zu überprüfen, ob sie auch stimmig sind, kann das nach hinten losgehen. Sie können passen, müssen aber nicht. Und ehe man sichs versieht, ertappt man sich dabei, dass man diese Werte und Traditionen vehement verteidigt, jedoch nicht mal weiß, warum eigentlich. Das fällt nicht auf, solange man sich mit Menschen umgibt, die die gleiche Brille tragen. Aber wenn man beispielsweise mit Kindern zu tun hat, deren Augen gut sind und die daher keine Brille tragen, wird es spannend. Denn sie stellen Fragen – und geben sich nicht mit einem „Das ist halt so!“ zufrieden. Zum Glück!

Frage zum Weiterdenken:
Hast du schon mal festgestellt, dass du Dinge tust, ohne zu wissen, warum eigentlich? Dass du vehement Dinge vertrittst, ohne wirklich dahinterzustehen? Und ganz wichtig: Hast du daraus Konsequenzen gezogen?

P1140500Ich bin Brillenträgerin – und das aus Überzeugung, denn meine Brille ist mir eine unverzichtbare Hilfe im Alltag. Ohne sie könnte ich Menschen erst erkennen, wenn sie direkt vor mir stehen. Das richtige Gewürz aus dem Schrank zu nehmen, würde deutlich länger dauern: Ohne Brille müsste ich eins nach dem anderen herausholen, um zu gucken, ob es sich dabei um Oregano, Paprika edelsüß, weißen Pfeffer oder aber Kräutersalz handelt. Das wäre unglaublich zeitintensiv und nervtötend!
Aber nicht nur meine Brille vom Optiker ist mir eine Hilfe im Alltag. Auch meine Traditions- und Wertebrille möchte ich nicht missen. Durch sie betrachte ich das Leben. Sie sitzt wie eine zweite Haut, sodass ich oft vergesse, dass ich sie trage. Sie gibt meinem Leben Orientierung und Struktur.
Meine Wertebrille beispielsweise sorgt dafür, dass ich Vereinbarungen ernst nehme, sei es der Abgabetermin für Projekte oder aber das pünktliche Erscheinen bei Verabredungen. Sie sorgt dafür, dass sich meine Auftraggeber auf mich verlassen können. Und sollte doch mal etwas dazwischen kommen, dann sorgt sie dafür, dass ein anderer Wert zum Zug kommt: klare Kommunikation.
Meine Traditionsbrille sorgt für die Wochenstruktur. So setze ich viel daran, dass das Wochenende frei ist von Büroarbeit. Am Samstag und Sonntag soll Zeit für größere Projekte in Haus und Garten sein, für Freunde und Familie, Erholung, leckeres Essen etc. Feiertage sind Dank meiner Traditionsbrille Grund zum Innehalten und Nachdenken über das, was gefeiert wird: Am 3. Oktober freue ich mich über ein wiedervereinigtes Deutschland, am 24. Dezember danke ich Gott, dass er sich klein gemacht hat und als Mensch auf diese Erde gekommen ist.
Jeder von uns trägt Brille. Nicht immer eine vom Optiker, aber dafür eine, die die Sicht auf das Leben beeinflusst. Werte und Traditionen haben einen eher schlechten Ruf, gelten als altbacken. Wenn die Brille aber „passt“, ist sie eine wahre Bereicherung!

Überleg mal:
Wie helfen dir deine Traditionen und Werte im Alltag?