Der Alltag wird Alltag, wenn im Alltag nur Alltag gesehen wird.
– Thomas Holtbernd

Einen Monat lang gab es Ideen, wie man Dinge im Alltag anders machen kann als sonst. Nun seid ihr dran – wenn ihr wollt. Nehmt die Gedanken mit in den neuen Monat. Sorgt dafür, dass Alltag nicht gleichbedeutend mit öder Routine ist. Seid kreativ, brecht immer mal wieder aus, wagt Neues. Und dann gilt: Alles aber prüfet und das Gute behaltet!

Wer die Perspektive ändert, sieht die Dinge in einem ganz anderen Licht.
– Engelbert Schinkel

Das, was so mancher am häufigsten ins Visier nimmt, ist das eigene Ego: „Alle sind gemein zu MIR.“ „ICH scheine der Fußabtreter der Nation zu sein.“ „MEINE Gefühle sind wohl allen egal.“ „Mit MIR kann man es ja machen.“ Mag sein, dass es so ist – mag aber ebenso sein, dass es zumindest ab und an auch ganz anders ist.
Diese Woche geht es darum, sich in andere Menschen hinein zu versetzen – und zwar möglichst ohne Vorurteile. Wie geht es wohl …
* dem Kassierer an der Kasse, bei dem sieben Leute mit vollen Einkaufswagen in der Schlange stehen und sich halblaut beschweren?
* der Person, mit der du dich gerade verbal fetzt?
* dem Autofahrer, der hinter dir auf der Autobahn drängelt und kräftig auf die Lichthupe drückt?
* dem Nachbarn, der immer so freundlich grüßt?
* der stets besorgten Mutter, die ihr Kind auf dem Spielplatz nicht für eine Sekunde aus den Augen lässt?
* dem Kind, das ohne jegliches Zeitgefühl in die Welt seiner Bücherhelden versunken ist?
* der Person, die du als letztes gesehen hast?

Stress ist ein Radiergummi für meine Kreativität.
– Marina Zuber

Wenn wir im Stress sind, spulen wir das Standard-Programm ab: Wir kochen die gleichen Gerichte (falls wir überhaupt noch den Nerv haben, selbst zu kochen), gehen im immer im selben Laden einkaufen, laufen quasi im Auto-Pilot. In solchen Phasen ist meist wenig Platz für Neues. Auch nicht für einen Ausbruch aus dem Hamsterrad, beispielsweise in Form einer kleinen kreativen Auszeit, um Neues zu denken und so womöglich zu guten (neuen) Lösungsansätzen zu gelangen.
Dinge mal anders denken als normal – das wäre doch was. Hier ein paar Fragen zur Inspiration:
* Du steckst gedanklich fest? Bitte mindestens zwei weitere Personen, ihr ihre Perspektive auf die Situation zu erzählen.
* Genervt von einer Situation? Dann versuch mal, die gute Absicht hinter dem missglückten Ergebnis zu entdecken.
* Du ziehst dich gerade selbst mit abwertenden Kommentaren à la „Ich bin doof, hässlich …“ runter? Dann nimm dir 10 Minuten Zeit, um eine Liste der Dinge zu erstellen, auf die andere Menschen bei dir neidisch sein könnten.
* Alles hat sowieso keinen Zweck? Dann ist es Zeit für 5 Minuten unzensiert positive Zukunftsträumerei! Was siehst und fühlst du?
*Es ist nun mal so, wie es ist … Mag sein, aber stell dir doch mal vor, es wäre anders. Wie wäre es dann?
* Das Leben ist schwer? Spür mal in dich rein, wie es sich anfühlt, das Leben als Weg zu betrachten, bei dem es verschiedene Abschnitte gibt …
* Alle Welt ist gemein zu dir? Versuch mal, die Situation von einer Metaebene zu betrachten. Stimmt die Aussage in dieser Absolutheit? Und wie sieht es mit diesem „Aktion bewirkt Reaktion“-Mechanismus aus? Was kam womöglich vor der Gemeinheit – und was folgt auf sie?

Routine tötet Kreativität.
– Andreas Tenzer

„Das haben wir schon immer so gemacht.“ „Das hat sich bewährt.“ Natürlich muss man das Rad nicht ständig neu erfinden. Trotzdem glaube ich, dass es gut tut, Dinge ab und an anders zu machen. Warum? Einfach weil es gut tut, gelegentlich aus dem Alltagstrott, der Routine auszubrechen. Weil es etwas mit einem macht: Man fühlt sich anders, macht neue Erfahrungen. Und ja, es soll wirklich schon vorgekommen sein, dass man einen neuen, besseren Weg gefunden hat, Dinge zu tun – oder einfach eine gleichwertige Alternative.
Vielleicht hast du ja diese Lust auf ein paar kleine Routine-Brecher-Experimente:
* kombiniere Kleidungsstücke anders, z. B. neue Farbkombinationen, Stilmix
* nimm einen anderen Weg zum Einkaufen oder für die Gassi-Runde als sonst
* koch ohne Gewürze – oder aber mit ganz anderen als normal
* gestalte eine Ecke in deinem Zuhause merkbar um
* lies in der Bücherei oder im Buchladen in ein Buch rein, das du normalerweise links liegen lassen würdest , z. B. Familiensaga statt Thriller, Fachbuch statt Kurzgeschichten
*mach jemand Unbekanntem ein ernst gemeintes Kompliment machen, z. B. für Freundlichkeit, Aussehen, bestimmtes Talent
* probiere ein Lebensmittel, das du noch nicht kennst

Gefühl ist die Wahrnehmung des Augenblicks.
– Erhard Blank

Jeder kennt sie, die Standard-Begrüßungsfrage „Wie geht es dir?“, meist gefolgt von der Standard-Antwort „Gut – und dir?“ Manchmal kommt es mir so vor, als wären wir im Hinblick auf unsere Gefühle sprachlos. Wie sonst kann es sein, dass es für viele auf diese Frage nur drei mögliche Antworten zu geben scheint: „gut“, „nicht so gut“ und „schlecht“?
Ich bin mir sicher, dass es noch viele Zwischenstufen gibt – und unglaublich viele Wege, sie zu beschreiben. Dazu muss man sich allerdings erst mal auf die Suche nach den eigenen Gefühlen machen. Manchmal ist es sogar die Suche nach den Gefühlen hinter den Gefühlen: Hinter Wut steckt oft Traurigkeit, hinter Hass enttäuschte Liebe etc.
Meine Einladung an dich: Mach dich auf die Suche nach deinen Gefühlen. Vielleicht hilft es dir, hier etwas um die Ecke zu denken. Was wäre dein Gefühl, wenn es … wäre:
* eine Farbe
* ein Tier
* ein Essen
* eine Pflanze
* ein Spiel
* ein Kleidungsstück
* ein Getränk