„The biggest loser“, auf Deutsch: der größte Verlierer – was für ein Wortspiel! Gemeint ist die angestrebte 180°-Transformation vom stark übergewichtigen Außenseiter zum idealgewichtigen attraktiven Idol aller Abnehmwilligen.
Beim Bügeln schaue ich den Kandidaten gerne ein wenig zu. Es motiviert mich, Menschen zu sehen, die deutlich mehr auf den Hüften haben als ich, die es aber dennoch schaffen, durch konsequente Ernährung und viel Bewegung abzunehmen. Das beeindruckt mich und ich denke mir: Was die schaffen, das schaffe ich auch!
Nur leider kann man schlecht Äpfel mit Birnen vergleichen: Die Kandidaten von „The biggest loser“ leben ein Inseldasein: Sie haben Personal Trainer an ihrer Seite, die sie herausfordern und anfeuern. Ihr ganzer Alltag ist auf Sport und gesunde Ernährung ausgelegt. Versuchungen in Form von Chips, Schokolade und übervollen Tellern sind fern – oder zumindest deutlich ferner, als sie es daheim wären. Sie sind umgeben von Gleichgesinnten – und einem Fernsehteam, das sie auf Schritt und Tritt filmt. Diese idealen Rahmenbedingungen hat im echten Leben wohl niemand. Denn mal unter uns: Am fehlenden Wissen um die Bedeutung gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung mangelt es wohl den wenigsten Abnehmwilligen.
So sehr ich auch motiviert bin, mir am nächsten Tag die Laufschuhe zu schnappen und eine Runde joggen zu gehen, so merke ich auch: Das, was da gezeigt wird, ist nur die halbe Wahrheit. Sport und Ernährung regeln nicht alles; vieles hat mit inneren Prozessen zu tun. Viele der Snacks, die den Weg in unseren Mund finden, sollen nicht den Magen füllen, sondern die Seele. Sie sind Belohnung für kleine und größere Alltagserfolge und Schokolade der Weg zum ersehnten Glücksgefühl. Dieser Gedanke wurde noch verstärkt, als eine Bekannte mir das Bild einer TBL-Finalistin aus den USA schickte. Meine Bekannte schwärmte davon, wie toll die Frau jetzt aussah. Ich aber sah eine Frau, die tendenziell untergewichtig war, definitiv zu viel in zu kurzer Zeit abgenommen hatte … und, so meine Befürchtung, von einem ins andere Extrem gegangen war: vom Essen gegen Kummer zum Hungern für Beachtung.

Fühl mal:
Kennst du das auch: Essen als Mittel gegen Traurigkeit?

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