„Die Gewohnheit, alle Dinge von der Lichtseite zu betrachten, ist mehr wert als materieller Wohlstand.“ – David Hume

Ich glaube, dass es hierbei nicht um positives Denken geht, sondern vielmehr darum, sich bewusst dafür zu entscheiden, den Blick auf das Gute zu lenken statt auf Defizite. Ist das einfach? Ganz sicher nicht, denn es ist nicht normal. Wir sind darauf getrimmt, immer besser zu werden – und das geht nur, wenn man seine Schwachstellen kennt. Die Nachrichten sind voll von dem, was alles nicht gut läuft in der Welt – Berichte über das, was rund oder sogar richtig gut, vielleicht gar vorbildlich läuft, finden sich eher wenig. Und so braucht es den Entschluss, es anders zu versuchen. Das Gute zu suchen. Denn wer sucht, der findet!

„Der erste Schritt zum Glück ist der Entschluss, glücklich sein zu wollen.“ – Ralph Waldo Trine

Dankbarkeits-Frage der Woche:

So etwas wie ein perfektes Leben gibt es nicht. Leider, mögen manche sagen. Ich finde es wichtig, aufzuhören, nach dem Perfekten zu streben. Was ist der genaue Maßstab für „perfekt“? Wie oft werde ich ihn im Leben erreichen können? Vermutlich nicht sehr häufig – wenn überhaupt. Vielmehr möchte ich danke sagen für das Gute. Den Blick auf das richten, was da ist, und wegkommen vom Starren auf das, was fehlt.

Wo tappst du vielleicht in eine ähnliche Falle – und wie könnte ein Perspektivwechsel wie der oben beschriebene deine Sicht aufs Leben bzw. die Situation verändern?

Kennt ihr das auch? Alles läuft gut, ihr seid entspannt – bis mit einem Mal ein „Störer“ euren Tag durcheinander bringt. Das kann der Drucker sein, der sich plötzlich weigert, seine Arbeit zu tun, und damit eure Arbeit sabotiert. Es kann aber auch der Anruf von der Schule sein, dass ihr euer Kind abholen sollt, weil es ihm nicht gutgeht. Oder ein Satz, der euch trifft und aus der Bahn wirft. Oft sind es Kleinigkeiten, die das Potenzial haben, den Verlauf eines Tages zu verändern. Plötzlich entsteht Zeitdruck, innere Unruhe, Panik.
Gerade letzte Woche habe ich wieder erleben dürfen, wie Kleinigkeiten einen Tag aber auch zum Guten verändern können. Da war die Entscheidung, einen Termin abzusagen, was für viel Entspannung sorgte, Druck rausnahm und mir die Möglichkeit gab, mich in Ruhe auszukurieren. Oder die WhatsApp, in der mir jemand zur Aufmunterung einen „virtuellen Kaffee“ schickte in Form eines Kaffeetassen-Stickers. (Den ich dann in einen echten Kaffee umwandelte und ein Foto davon zurückschickte, verbunden mit einem Dank für den köstlichen Koffeeinkick.)
Kleinigkeiten können den Lauf des Tages ändern. Die „negativen Störer“ können wir nicht immer verhindern, aber wir können entscheiden, wie wir darauf reagieren: reinsteigern, in den Panik-Modus umschalten oder erst mal tief durchatmen und nach Handlungsoptionen Ausschau halten? Vor allem können wir uns aber selbst kleine Geschenke machen, indem wir uns Gutes tun – und anderen erlauben, uns zu beschenken.

Hat jemand am Sonntag den Film „Der Marsianer“ im Fernsehen geschaut? Mich hat der Film bewegt. Am meisten eine Aussage ganz am Ende. Und zwar sagt der Astronaut, der versehentlich von seinen Kollegen auf dem Mars zurückgelassen wurde und der es geschafft hat, dort weit über ein Jahr zu überleben, sinngemäß: „Klar dachte ich, das sei mein Ende. Aber dann habe ich angefangen, ein Problem anzugehen und zu lösen. Und dann das nächste. Und dann noch eins. Immer so weiter. Und am Ende habe ich mein Ziel erreicht.“
Zwar wurde ich noch nie versehentlich auf dem Mars zurückgelassen – ich war noch nicht mal in der Nähe! -, aber ich kenne dieses Gefühl scheinbar unüberwindbarer Problemberge. Dieses Gefühl, dass etwas einfach nicht zu schaffen ist. Es sind diese Momente, wo man einfach aufgeben will. Es hat ja doch keinen Zweck, warum sich also die Mühe machen, es überhaupt zu versuchen.
2010_angstherausforderungTrotzdem anfangen, einen Schritt nach dem anderen gehen, auch wenn diese Schritte unbedeutend klein zu sein scheinen. Nicht aufgeben, sobald der erste Rückschlag kommt. Durchhalten. Hoffen. Vertrauen. Das klingt so leicht und ist doch manchmal echt schwer.
Meine Frage an dich: Was ist dein ganz persönlicher „Berg“, der dir gerade viel zu hoch erscheint, als dass du ihn erklimmen könntest? Was wäre, wenn du es doch könntest? Was wäre dein erster Schritt auf dem Weg zur Bergkuppe? Und wer hat vielleicht einen ganz ähnlichen Berg schon mal erklommen oder hat anderweitige Erfahrungen, auf die du zurückgreifen könntest?

Wir alle wissen, was uns gut tut: gesunde Ernährung, Bewegung, Erholungspausen … die Liste ist lang. Wir alle wissen es, tun es aber trotzdem oft nicht. Da mache ich keine Ausnahme, Beruf hin oder her.
Jede Woche habe ich mit Menschen zu tun, die zeitweise oder dauerhaft nicht gut für sich sorgen. Jede Woche rede ich mit Menschen darüber, warum es so wichtig ist, wie gute Selbstsorge aussehen könnte und was einen davon abhält, sie zu leben. Ich sage diese Dinge, weil ich weiß, wie extrem wichtig es ist, gut für sich zu sorgen. Vor allem aber, weil ich weiß, was für Folgen mangelnde Selbstsorge hat.
Am Wochenende sollte ich eigentlich vier Tage ganz für mich allein haben. Vier Tage, auf die ich mich sehr gefreut habe. Vier Tage, auf die ich hingelebt habe, an denen ich ganz bewusst und intensiv auftanken wollte. Doch dann kam alles anders; die Zeit allein musste ausfallen. Ich war fix und alle. Es wäre so schön gewesen. Und so einfach! Vier Tage ist einiges. Zeit allein zu haben, bedeutet viel Freiraum. Nach einem Abend des Selbstmitleids musste ich mich entscheiden: Will ich mich als Opfer einer Planänderung sehen oder schauen, wie ich die veränderten Rahmenbedingungen so gestalten kann, dass ich Handelnde, Gestaltende bin?
mohnblumenOpfer der Umstände zu sein ist der leichtere Weg. Aber man fühlt sich besch***. Und das wollte ich nicht. Das konnte ich gerade nicht gebrauchen. Also wurde ich aktiv, kommunizierte meine Bedürfnisse, nahm Hilfsangebote an und gab mir selbst die Erlaubnis, mir Auszeiten zu nehmen und auf mich zu hören, selbst wenn der Rest der Familie um mich rum „produktiv“ ist.
Das Wochenende liegt hinter mir. Es war ein bunter Mix aus Familien-, Paar und Alleinzeit, aus faulem Nichtstun und Dinge anpacken und Selbstwirksamkeit erleben. Tage, in denen ich immer wieder bewusst entscheiden musste, ob ich bereit bin, nicht nur über die Wichtigkeit von Selbstsorge zu reden, sondern sie wirklich zu leben. Auch unter nicht optimalen Bedingugnen. Wobei dir rückblickend gar nicht so sehr von außen kamen, sondern von meinen eigenen „Quatschis“, die mir einreden wollten, dass ich die Tage doch lieber produktiv sein sollte, dass sich ausklinken egoistisch sei etc. Es war nicht immer einfach, aber es hat so gut getan.
Manchmal braucht man einen wohlwollenden Tritt in den Allerwertesten, um die Theorie in die Praxis umzusetzen. Da bilde ich keine Ausnahme. Ich bin genauso auf dem Weg wie meine Klienten. Und das ist gut so!

Gut für sich sorgen – darüber rede ich ziemlich regelmäßig mit meinen Klienten. Warum? Weil es so super wichtig und absolut nicht egoistisch ist, gut für sich zu sorgen. Und zwar nicht nur, wenn man kurz davor ist auszubrennen, sondern täglich. Selbstsorge als „Lebensmittel“, als lebenswichtige Tätigkeit – so sehe ich das. Und so versuche ich es auch zu leben – mal klappt es besser, mal schlechter, aber ich habe es im Blick und bin „dran“ am Thema. Heute in der Intensiv-Variante, nachdem mich jetzt doch noch eine dicke Erkältung erwischt hat … dabei dachte ich, ich wäre ihr entkommen. Nun ja, also Sofa, Wolldecke und warmer Tee. Und Ruhe. Und ihr so?!

VORWÄRTSLEBEN startet ins dritte Lebensjahr – und ich bin mittendrin im Pläne schmieden und umsetzen. Hätte man mir vor zwei Jahren gesagt, dass ich heute noch immer in einem „Findungsprozess“ stecke, ich hätte gelacht. Aber es ist so und ich glaube, das ist auch gut. In den ersten beiden Jahren kamen einige Angebote dazu, andere fielen weg. Das lag an ganz unterschiedlichen Dingen: Manches fühlte sich für mich nach einer Weile nicht mehr stimmig an, manche Angebote wurden nicht gut angenommen etc.

2014-12-22_lebenAuch in diesem dritten Jahr wird es Anpassungen geben. Weil ich mich weiter entwickle, sich Rahmenbedingungen verändern, ich mehr und mehr sehe, wo Bedarf besteht und wie ich ihn bedienen kann. So werde ich den Fokus in Zukunft deutlich mehr auf das psychotherapeutische Coaching legen und auch die Online-Angebote mehr als bisher bewerben. Letzteres ganz einfach, weil ich sie liebe: ihre Flexibilität und was sie bewirken. Außerdem sollen dieses Jahr auch Online-Kurse dazu kommen. Ideen schwirren mir schon zuhauf durch den Kopf, die nun endlich realisiert werden wollen.

Es wird ein spannendes Jahr. Ich freu mich drauf – und du dich hoffentlich auch! 🙂

„You don’t know if the plan doesn’t work if you’re not working the plan.“ Über diesen Satz bin ich kürzlich in einem Buch gestolpert. Die Autoren von „The 12 week year“ führen aus, dass es wichtig ist zu unterscheiden, ob etwas keinen Erfolg hat, weil das Projekt falsch angegangen wurde, es also Fehler im Plan gab, oder aber weil der Plan nicht richtig und vor allem bis zum Ende umgesetzt wurde. Denn je nachdem, was der Grund war, muss unterschiedlich darauf reagiert werden.

Beim Lesen fühlte ich mich ertappt: Ich habe schon oft erklärt, dass „das“ einfach nicht funktioniert. Vielleicht für andere, aber nicht für mich. Wenn ich ehrlich bin, habe ich bei der Umsetzung aber auch geschludert, hab Fünfe gerade sein lassen, hab vorher abgebrochen, „weil ja schon jetzt klar ist, dass das nichts wird“. Ich nehme mir vor, in Zukunft ehrlicher zu sein: Die Schuld am Mißerfolg nicht sofort dem Plan zuzuschieben, sondern mich zu fragen, ob ich meinen Teil zum Gelingen beigetragen habe. Oder auch zu sagen, dass mir manche Dinge, wenn ich ganz ehrlich bin, doch nicht wichtig genug sind, als dass ich dafür so viele Opfer bringen möchte.

alltagsMUTKlar stört es mich, wenn mir beim Arzt gesagt wird, dass ich leider zu klein für mein Gewicht bin. Das fühlt sich doof an. Ich mache regelmäßig Sport, ernähre mich vernünftig – der Weg raus wäre vermutlich über noch mehr Sport (wo mir dann aber vermutlich der Spaß bei verloren ginge) und dem Streichen von solchen Dingen wir einem Glas Wein am Abend etc. Und da habe ich gerade keine Lust drauf. Heißt: Nicht den schwarzen Peter anderen zuschieben, sondern dazu stehen, dass mir Wein und Spaß am Sport wichtiger sind als ein BMI im Normbereich.

Meine Entscheidung. Und die kann ich jederzeit ändern, wenn ich möchte. Die Entscheidung (und Verantwortung) liegt ganz bei mir!

Es gibt ein provokatives Statement von Jens Corssen, den ich sehr regelmäßig zitiere: „Wo ich bin, will ich sein.“ Gut, ich würde das nicht absolut setzen – und doch steckt da viel mehr Wahrheit drin als man auf den ersten Blick vielleicht meint. Im Kern geht es Corssen darum, dass wir (fast) immer eine Wahl haben. „Ich würde ja so gerne …, aber das geht ja nicht.“
Hinter solche Aussagen mache ich gerne erst mal ein gedankliches Fragezeichen, sowohl bei bei meinen Mitmenschen als auch bei mir selber (so ich mich denn dabei ertappe … das geht ja bei anderen oft leichter). Denn oft stimmt die Aussage nicht. Richtiger wäre es zu sagen: „Ich würde ja so gerne …, aber es gibt Dinge, die mir gerade wichtiger sind.“ Ich glaube, es ist Corssen, der in seinem Buch von einem Mann erzählt, der gerne auswandern würde. „… aber das geht ja nicht …“ Nach dem Warum gefragt, antwortet der Mann, dass er sich um seine alten Eltern kümmern muss, dass er die Sprache des Landes nicht kann, das Gesundheitssystem dort auch nicht so berauschend sei und außerdem sei die Frage, ob er dort überhaupt eine Arbeit findet.
P1160897Natürlich sind das Argumente – gute Argumente sogar. Nur wäre es nicht sinnvoll zu sagen, dass der Mann mehr Gründe gefunden hat, nicht auszuwandern als auszuwandern? Dass das alte Leben zwar nicht so aufregend, aber dennoch attraktiver ist, da sicherer, bequemer etc.? Denn das sorgt dafür, dass man aus dieser Ohnmachtshaltung („Es geht ja nicht!“) raus kommt und rein in die Eigenmacht, handlungsfähig wird, weil man selbst es ist, der entscheidet.
Vielleicht ja mal eine Idee fürs bevorstehende Wochenende: sich fragen, ob etwas wirklich nicht geht oder es einfach Dinge gibt, die wichtiger/stärker/attraktiver sind. Und von da aus zu gucken, ob man Frieden damit hat, dass es so ist, wie es ist, oder ob man daran etwas ändern möchte.
 
PS: Falls du dir Unterstützung wünschst, melde dich. Dank Internet und Telefon sind Dinge wie räumliche Entfernung ja zum Glück kein Hindernis! 🙂