Ich liebe es, neue Dinge auszuprobieren und in dem Zuge meine Komfortzone auch immer ein wenig zu erweitern. Diese Woche mache ich ein kleines Experiment: Jeden Morgen nehme ich mir ein paar Minuten Zeit, um meine Augen und Gedanken schweifen zu lassen – allerdings nicht (wie sonst oft) zu den Bergen unerledigter ToDos, meinen Befürchtungen oder anderen Dingen, die die morgendliche Frische direkt erschlagen. Nein, stattdessen suche ich nach Dingen, die meine Neugier wecken.

Gestern war es das Gelb der Sonnenblume auf dem Wohnzimmertisch. Ich habe mich gefragt, wie viele Gelbtöne es eigentlich gibt und welche Wirkung Farbe (und natürlich vor allem gelb) auf Menschen hat. So habe ich ein wenig gegoogled und das ein oder andere Interessante dazu gelernt. Heute früh habe ich ein paar Nachforschungen zu einer Autorin anstellen, deren Name in letzter Zeit des Öfteren meinen Weg gekreuzt hat – auch das war spannend. Heute Nachmittag will ich noch versuchen rauszufinden, was für ein Baum das eigentlich ist, den ich täglich vom Schlafzimmerfenster aus sehe.

Wird sich mein Leben durch dieses Experiment dramatisch verändern? Wahrscheinlich nicht. Aber es tut mir gut, mich mal ganz bewusst mit Dingen zu beschäftigen, die mich neugierig machen. Und bei denen ich normalerweise nicht nachhake, weil ja auch so viele andere, scheinbar wichtigere Dinge zu erledigen sind.

Wie wäre es: Willst du beim Neugier-Experiment mitmachen? Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen!

Letzten Monat schoss er mir durch den Kopf, der Satz „doubt the doubt“. „Doubt the doubt“ bedeutet so viel wie am Zweifel zweifeln. Boom, das hatte gesessen! Den Zweifel in Frage stellen, ihn kritisch hinterfragen, ihn auf seinen Wahrheitsgehalt bzw. die Wahrscheinlichkeit prüfen, das war ein Gedanke, der mir in der Form noch nicht gekommen ist. Und er war so passend, denn gerade war ich dabei, Neuland zu entdecken. Wie bei der Planung einer Expedition in unbekannte Welten üblich, wurden kritische Stimmen laut – in meinem Fall die „Quatschis“ in meinem Kopf. „Das wird nichts, lass es lieber bleiben! Das Risiko ist zu groß! Du wirst dich blamieren!“ Sie quatschten mir das Ohr ab, vor allem aber den Mut.

alltagsMUT2Doubt the doubt, am Zweifel zweifeln – genau das habe ich getan. Erst in Gedanken, später mit Stift und Papier bewaffnet. Ich habe etliche Seiten vollgeschrieben und am Ende hat der Zweifel am Zweifel gewonnen. Auf den ersten Schritt in neues Land folgte ein zweiter, dann ein dritter und viele weitere mehr. Haben die Quatschis seit meinem Schreibmarathon brav den Mund gehalten? Nein. Haben sie meinen Zweifel am Zweifel immer wieder hinterfragt und mich durch ihren Zweifel zweifeln lassen von meinem Zweifel? Ja. Denn hey, es ist Neuland, es gibt gewisse Risiken, es ist nicht immer easy. Von daher stecke ich mir keine Oropax rein und schalte auf Durchzug. Diese Gedanken, die durch unseren Kopf wabern, beinhalten ja oft auch einen Funken Wahrheit. Darum höre ich hin, gebe mir aber die Erlaubnis, selbst zu entscheiden, ob ich ihnen glaube – und wenn ja, ob alles oder nur Teile dessen, was sie mir zuflüstern.

In diesem Sinne die Frage an dich: Hast du heute schon gezweifeln?

Weihnachtszeit ist Familienzeit – und eine potentiell herausfordernde Zeit für Singles. Aus diesem Grund habe ich Tina Tschage, Autorin des Buches „Einzelstück – Solo leben. Und zwar glücklich“ ein paar Fragen zum Thema gestellt.

VORWÄRTSLEBEN: Tina, was sind Zeiten oder Situationen, in denen Singles sich besonders häufig allein fühlen?
QcC_1sqUErZS11O1Iqu5SWO-PRH7viHIuw3vKy16kKQTina Tschage: Die kommen in der Regel immer dann, wenn andere mit ihren Liebsten sind: abends, am Wochenende, an den großen Feiertagen. Dann, wenn andere ihr Sozialleben ganz automatisch haben, weil der Partner und die Familie ja immer da sind und für die Freizeitgestaltung zur Verfügung stehen. Singles haben da einen viel höheren Aufwand: Sie kommen nach Hause und sind allein. Sie müssen ihre Freizeit und das Zusammensein mit anderen also regelrecht organisieren, wenn sie nicht allein bleiben möchten. Und an Feiertagen wie Weihnachten ist es eben besonders schwierig, weil das für viele fast schon heilige Familienmomente sind, wo kein anderer stören darf.

VL: Was sind deine ganz persönlichen Strategien gegen den Einsamkeits-Blues zu Weihnachten, aber auch ganz allgemein?
bD6x2OwY4okpQMq436EcBIgfPOtKSR7CbJHCRhMOsXYTT: Meine persönliche Strategie zu Weihnachten ist: Ich lade andere an meinen Tisch ein. Ich lebe schon in einer Gemeinschaft, das macht es einfacher. Aber ab dem 25.12. sind hier in diesem Jahr auch alle unterwegs. Das war für mich das Signal: Dann lade ich meine Eltern zu mir ein. Und sie kommen! Das ist tatsächlich auch sonst meine Strategie: Ich gehe viel auf andere zu, meine Persönlichkeit macht mir das leicht. Aber auch, wenn du eher introvertiert bist, geht das. Du kannst vieles im Leben lernen! Und in diesem Fall lohnt es sich. Bevor du immer wartest und erwartest, dass Leute auf dich zukommen, kannst du dich ja selbst auf den Weg machen. Und dieser Weg führt immer zum Ziel – nämlich zu anderen! Von Absagen und Rückschlägen solltest du dich da einfach nicht irritieren lassen. Manchmal reagieren Leute seltsam, wenn ich sie frage: „Darf ich an diesem Tag mit euch sein?“ – aber nach der ersten Überraschung freuen sich die meisten sehr. Wir kennen das halt nicht mehr, leider. Weil wir in unseren Kleinfamilienhaushalten eine regelrecht artfremde Haltung pflegen. Dafür sind wir aber nicht geschaffen.

VL: Wenn du allen Nicht-Singles einen Impuls in Bezug auf den Umgang mit Singles mit auf den Weg geben könntest, welcher wäre das?
hbWyWnrpc2IWFj53dGWU3O2lxSUyjY1okF4pc36JtFcTT: Geht aufeinander zu. Stellt ehrliche Fragen und verkraftet die ehrlichen Antworten. Zeigt Empathie und nehmt einander wahr, ohne einander komplett verstehen zu müssen. Lasst euch stehen mit dem, was ihr denkt und fühlt. Ihr Paare und Familien: Eure Wohnungen und Häuser und auch eure Tische sind in der Regel größer als die eines Singles. Also ladet uns fröhlich zu euch ein – denn andersherum ist das in der Regel schwieriger.

Herzlichen Dank, liebe Tina, für deine Impulse rund ums Thema Gemeinschaft!

 

Einzelstück – Solo leben. Und zwar glücklich
Tina Tschage
ISBN 978-3-7751-5678-3

Mehr Infos findet ihr hier: www.solo-leben.de

 

 

 

Wer die Perspektive ändert, sieht die Dinge in einem ganz anderen Licht.
– Engelbert Schinkel

Das, was so mancher am häufigsten ins Visier nimmt, ist das eigene Ego: „Alle sind gemein zu MIR.“ „ICH scheine der Fußabtreter der Nation zu sein.“ „MEINE Gefühle sind wohl allen egal.“ „Mit MIR kann man es ja machen.“ Mag sein, dass es so ist – mag aber ebenso sein, dass es zumindest ab und an auch ganz anders ist.
Diese Woche geht es darum, sich in andere Menschen hinein zu versetzen – und zwar möglichst ohne Vorurteile. Wie geht es wohl …
* dem Kassierer an der Kasse, bei dem sieben Leute mit vollen Einkaufswagen in der Schlange stehen und sich halblaut beschweren?
* der Person, mit der du dich gerade verbal fetzt?
* dem Autofahrer, der hinter dir auf der Autobahn drängelt und kräftig auf die Lichthupe drückt?
* dem Nachbarn, der immer so freundlich grüßt?
* der stets besorgten Mutter, die ihr Kind auf dem Spielplatz nicht für eine Sekunde aus den Augen lässt?
* dem Kind, das ohne jegliches Zeitgefühl in die Welt seiner Bücherhelden versunken ist?
* der Person, die du als letztes gesehen hast?

Routine tötet Kreativität.
– Andreas Tenzer

„Das haben wir schon immer so gemacht.“ „Das hat sich bewährt.“ Natürlich muss man das Rad nicht ständig neu erfinden. Trotzdem glaube ich, dass es gut tut, Dinge ab und an anders zu machen. Warum? Einfach weil es gut tut, gelegentlich aus dem Alltagstrott, der Routine auszubrechen. Weil es etwas mit einem macht: Man fühlt sich anders, macht neue Erfahrungen. Und ja, es soll wirklich schon vorgekommen sein, dass man einen neuen, besseren Weg gefunden hat, Dinge zu tun – oder einfach eine gleichwertige Alternative.
Vielleicht hast du ja diese Lust auf ein paar kleine Routine-Brecher-Experimente:
* kombiniere Kleidungsstücke anders, z. B. neue Farbkombinationen, Stilmix
* nimm einen anderen Weg zum Einkaufen oder für die Gassi-Runde als sonst
* koch ohne Gewürze – oder aber mit ganz anderen als normal
* gestalte eine Ecke in deinem Zuhause merkbar um
* lies in der Bücherei oder im Buchladen in ein Buch rein, das du normalerweise links liegen lassen würdest , z. B. Familiensaga statt Thriller, Fachbuch statt Kurzgeschichten
*mach jemand Unbekanntem ein ernst gemeintes Kompliment machen, z. B. für Freundlichkeit, Aussehen, bestimmtes Talent
* probiere ein Lebensmittel, das du noch nicht kennst

Schon seit Monaten hatte ich mich auf den 04. Juli gefreut. Ich hatte mich vorbereitet und war gewillt, Regen, Wind und Kälte zu trotzen. Kurzum: Ich war bereit für den Women’s Run in Hamburg!
Aber dann kam sie – und mit ihr hatte ich nicht gerechnet: die Hitze. 36 Grad im Schatten sollte es werden, der Lauf war für 15 Uhr angesetzt und kurz vorher sagte dann auch noch meine Laufpartnerin ab.
In mir tobte ein Kampf: ein Kampf zwischen Ehrgeiz und Vernunft. Ich hatte mich gefreut, trainiert, konnte es schaffen und ja, ich wollte es mir beweise, wollte nicht kneifen. Auf der anderen Seite wusste ich, dass 36 Grad kein Pappenstiel und 15 Uhr eine denkbar ungünstige Startzeit ist. Zudem würde ohne Laufpartnerin an meiner Seite mein Ehrgeiz ziemlich sicher die Oberhand gewinnen. Heißt konkret: Ich würde mein normales Tempo laufen, nicht runter drosseln – oder erst, wenn ich kurz vorm Kollabieren bin. Die Argumente flogen in meinem Kopf wie Tischtennisbälle hin und her. Ich wusste nicht, was ich tun soll.
Am Ende kam mir das mit dem „das eigene Spiel gewinnen“ in den Sinn. Und so erklärte ich genau das zu meinem vornehmlichen Ziel. Das Ende vom Lied war eine maßgeschneiderte Lösung, bei der ich meinem obersten Ziel („Ich werde gut für mich sorgen!“) treu geblieben bin und so mein Spiel gewonnen habe. Und das ohne meinen Ehrgeiz abzutöten! Ich lief gleich morgens früh, als es noch vergleichsweise kühl war, meine Runde. Dann fuhr ich nach Hamburg, um mir meine Belohnung abzuholen: das pinke Motto-Shirt, auf das ich es abgesehen hatte.
Am Ende des Tages war ich glücklich: Ich war mir selbst treu geblieben, bin nicht gestartet – und habe doch gesiegt.

Die folgende Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit. Sie handelt von Emma. Emma liebt es, im Wasser zu toben. Als sie alt genug ist, fängt sie einen Schwimmkurs an. Woche für Woche wird Emma sicherer im Wasser. Kurz vor Ende des Kurses fährt Emma mit ihren Eltern in den Urlaub. Jeden Tag will die Kleine ins Schwimmbad. Und mit jedem Tag bewegt sie sich freier im Wasser. Am zweiten Tag schafft sie eine kurze Strecke ohne Schwimmgürtel, ab dem vierten Tag wird die Schwimmhilfe erst gar nicht mehr mitgenommen. Emma springt begeistert von den Schultern ihres Vaters ins Wasser, die 25 Meter am Stück schafft sie problemlos – und tauchen tut sie sowieso für ihr Leben gern! Daher beschließt die Familie, dass Emma am letzten Urlaubstag ihre Seepferdchen-Prüfung angehen soll. Der Bademeister lässt Emma eine Bahn schwimmen – kein Problem. Dann der Sprung vom Beckenrand ins Wasser – ein Leichtes. Zum Schluss noch schnell den Ring aus schultertiefem Wasser hochgeholt. Emma guckt den Bademeister freudestrahlend an, aber der schüttelt nur bedauernd den Kopf. Es hätte keine deutlich erkennbare Eintauchbewegung gegeben. Tränen und noch mehr Tränen. Emma ist traurig und wütend zugleich, denn im Schwimmkurs hatten sie es anders gemacht. Emmas Mama setzt sich mit ihr an den Beckenrand. Als das Mädchen sich beruhigt hat, guckt sie zu, wie ihre Mama das Eintauchen vormacht. Emma versucht es – erst noch etwas steif, dann immer besser. Der Bademeister steht noch immer am Beckenrand und beobachtet das Geschehen. Emma soll es doch bitte noch einmal versuchen – erst in etwas flacherem Wasser, am Ende in schultertiefem. Und siehe da: Es klappt! Emma ist müde, hört zwar das „gut gemacht“ des Bademeisters, aber dennoch kullern erneut Tränen. „Ich habe es einfach nicht richtig hingekriegt. Ich konnte es nicht.“ Emmas Mutter aber sagte: „Du hast es anders gelernt. Beim ersten Versuch hat es nicht geklappt – das konnte es auch gar nicht. Aber nach ein paar Minuten hattest du den Dreh raus. Und zwar so gut, dass dir der Bademeister gleich das Seepferdchen-Abzeichen verleiht. Du hast es dir verdient! Jetzt muss du entscheiden: Welche Version der Geschichte willst du heute Abend Oma und Opa erzählen – deine oder meine?“

Diese Woche geht es um die vier Wände, die du dein Zuhause nennst: dein Zimmer, deine Wohnung oder dein Haus, gemietet oder gekauft. Es geht ums Ausmisten, Einrichten, Wohlfühlen. Diese drei Dinge gehören zusammen: loslassen, einladen, genießen. Und das nicht nur in punkto Haushalt, sondern auch ganz allgemein. Wir sind immer wieder herausgefordert, unnötigen Ballast loszulassen. Das fällt manchmal nicht leicht, ist aber befreiend und verschafft ganz neue Möglichkeiten. Erst danach sind wir in der Lage, ganz neu zu entscheiden, was wir (neu) in unser Leben einladen wollen: Menschen, Verhaltensweisen, Rituale, Strukturen, Besitz. Loslassen und einladen. Und dann genießen in dem Wissen, sein Leben aktiv zu gestalten. Einfach schön!
Wie immer gilt: Lesen ist gut, umsetzen aber noch viel besser! In diesem Sinne: Dir einen tollen Frühjahrsputz!