Weihnachtszeit ist Familienzeit – und eine potentiell herausfordernde Zeit für Singles. Aus diesem Grund habe ich Tina Tschage, Autorin des Buches „Einzelstück – Solo leben. Und zwar glücklich“ ein paar Fragen zum Thema gestellt.

VORWÄRTSLEBEN: Tina, was sind Zeiten oder Situationen, in denen Singles sich besonders häufig allein fühlen?
QcC_1sqUErZS11O1Iqu5SWO-PRH7viHIuw3vKy16kKQTina Tschage: Die kommen in der Regel immer dann, wenn andere mit ihren Liebsten sind: abends, am Wochenende, an den großen Feiertagen. Dann, wenn andere ihr Sozialleben ganz automatisch haben, weil der Partner und die Familie ja immer da sind und für die Freizeitgestaltung zur Verfügung stehen. Singles haben da einen viel höheren Aufwand: Sie kommen nach Hause und sind allein. Sie müssen ihre Freizeit und das Zusammensein mit anderen also regelrecht organisieren, wenn sie nicht allein bleiben möchten. Und an Feiertagen wie Weihnachten ist es eben besonders schwierig, weil das für viele fast schon heilige Familienmomente sind, wo kein anderer stören darf.

VL: Was sind deine ganz persönlichen Strategien gegen den Einsamkeits-Blues zu Weihnachten, aber auch ganz allgemein?
bD6x2OwY4okpQMq436EcBIgfPOtKSR7CbJHCRhMOsXYTT: Meine persönliche Strategie zu Weihnachten ist: Ich lade andere an meinen Tisch ein. Ich lebe schon in einer Gemeinschaft, das macht es einfacher. Aber ab dem 25.12. sind hier in diesem Jahr auch alle unterwegs. Das war für mich das Signal: Dann lade ich meine Eltern zu mir ein. Und sie kommen! Das ist tatsächlich auch sonst meine Strategie: Ich gehe viel auf andere zu, meine Persönlichkeit macht mir das leicht. Aber auch, wenn du eher introvertiert bist, geht das. Du kannst vieles im Leben lernen! Und in diesem Fall lohnt es sich. Bevor du immer wartest und erwartest, dass Leute auf dich zukommen, kannst du dich ja selbst auf den Weg machen. Und dieser Weg führt immer zum Ziel – nämlich zu anderen! Von Absagen und Rückschlägen solltest du dich da einfach nicht irritieren lassen. Manchmal reagieren Leute seltsam, wenn ich sie frage: „Darf ich an diesem Tag mit euch sein?“ – aber nach der ersten Überraschung freuen sich die meisten sehr. Wir kennen das halt nicht mehr, leider. Weil wir in unseren Kleinfamilienhaushalten eine regelrecht artfremde Haltung pflegen. Dafür sind wir aber nicht geschaffen.

VL: Wenn du allen Nicht-Singles einen Impuls in Bezug auf den Umgang mit Singles mit auf den Weg geben könntest, welcher wäre das?
hbWyWnrpc2IWFj53dGWU3O2lxSUyjY1okF4pc36JtFcTT: Geht aufeinander zu. Stellt ehrliche Fragen und verkraftet die ehrlichen Antworten. Zeigt Empathie und nehmt einander wahr, ohne einander komplett verstehen zu müssen. Lasst euch stehen mit dem, was ihr denkt und fühlt. Ihr Paare und Familien: Eure Wohnungen und Häuser und auch eure Tische sind in der Regel größer als die eines Singles. Also ladet uns fröhlich zu euch ein – denn andersherum ist das in der Regel schwieriger.

Herzlichen Dank, liebe Tina, für deine Impulse rund ums Thema Gemeinschaft!

 

Einzelstück – Solo leben. Und zwar glücklich
Tina Tschage
ISBN 978-3-7751-5678-3

Mehr Infos findet ihr hier: www.solo-leben.de

 

 

 

Eine in vieler Hinsicht intensive Woche liegt hinter mir. Meine ToDo-Liste für heute war lang, aber ich ziemlich groggy und reif fürs Sofa. Keine gut Kombination! Den Garten wollte ich auf Vordermann bringen. Was sollen schießlich die Nachbarn (und Klienten) denken, wenn das Unkraut langsam aber sicher die Oberhand gewinnt? So fing ich an, im Garten zu wuseln. Irgendwie lustlos und oberflächlich. Wieso den Löwenzahn ausstechen? Den oberen Teil, der ihn enttarnt als solchen enttarnt, abzurupfen geht doch viel einfacher und vor allem schneller. Dann sieht alles auch gleich weniger verwildert aus. Aber dann musste ich an die Geschichte von Herrn Rech denken. Und an die Frage, welchen Preis ich zu zahlen bereit bin, um ein Lob (oder zumindest kein abfälliges Kopfschütteln) meiner Mitmenschen zu erhalten. Mir schwirrt der Satz „Wer einen Garten hat, muss sich auch drum kümmern!“ im Kopf herum. Und ich denke mir, dass der Satz „Wer einen Körper hat, muss sich auch drum kümmern!“ mindestens genauso wahr ist. In diesem Sinne entscheide ich mich heute, dem Unkraut noch ein paar Lebenstage zu schenken und den Staubmäusen unter dem Sofa eine letzte Chance einzuräumen, um von selbst zu verschwinden. Und ich? Ich gönne mir jetzt eine Runde Bewegung und danach eine große Tasse Milchkaffee. Und heute Abend Erholung auf dem Sofa mit allem, was so dazu gehört. In diesem Sinne: Euch allen ein super gutes Wochenende mit euch selbst gegenüber wohlwollenden Entscheidungen!

Nachdem es in der vergangenen Woche um Handlungsoptionen ging, machen wir uns diese Woche Gedanken über unsere Gedanken. Denn sie sind es, die zu einem guten Teil unseren Aktionsradius definieren.
Alfred Selacher hat es einmal so formuliert: „Wo meine Grenzen sind, bestimmt mein Denken.“ In Reinform würde ich das so nicht unterschreiben. Denn es gibt nun mal Dinge, auf die ich keinen Einfluss habe. So kann ich mir beispielsweise wünschen, in zwei Jahren glücklich verheiratet zu sein. Das mit der Heirat kann man vielleicht noch irgendwie hinkriegen, aber Glück ist nicht machbar. Ich kann das Glück unterstützen, kann es quasi in mein Leben zu einem gewissen Grad einladen, sicher, aber machen kann ich es nicht. Andere Träume scheinen auf den ersten Blick überhaupt nicht umsetzbar. Ich denke da an den Traum eines Langzeitarbeitslosen, der von einer Weltreise träumt. Da würden viele sagen, dass das nicht geht. Aber warum eigentlich nicht? Es muss ja keine Tour von 5-Sterne-Hotel zu 5-Sterne-Hotel sein. Mit ein wenig Kreativität und der nötigen Gedanken-Power ist einiges möglich: trampen, arbeiten für Kost und Logis, Sponsoren suchen, Freunde mit Kontakten ins Ausland mit ins Boot holen …
Langer Rede kurzer Sinn: Nicht alles, was wir denken, ist real. Das gilt sowohl für Träume, aber – ganz wichtig! – auch für Grenzen. Daher diese Woche die Einladung an dich, deinen Gedankengängen auf die Spur zu kommen und bei Bedarf hinderliche durch förderliche Leitsätze zu ersetzen. Viel Spaß!

Wie ich male, so bin ich – stimmt das? Dieser Gedanke kam mir in den Sinn, als ich kürzlich wieder mit Pinsel und Farbe aktiv war. Die Aussage trifft sicher nicht auf jeden Menschen zu. Aber ich für meinen Teil kann bestätigen, dass es deutlich erkennbare Parallelen zwischen meinen Bildern und mir als Person gibt: in den Farbpaletten, die ich bevorzugt nutze (warme oder kalte Farben, grell oder gedeckt), in der Art, wie ich male (geplant, strukturiert, frei oder chaotisch), in der Größe der Leinwand, mit der ich mich wohlfühle (klein, groß oder mittel) etc.
2015-01-12Das fällt mir allerdings erst dann richtig auf, wenn ich Dinge – gezwungenermaßen oder auch freiwillig – anders mache als normal: Wenn ich mich beim Kauf der Leinwände vergreife und erst zu Hause merke, dass ich eine größere Leinwand als normal erstanden habe. Oder wenn ich ein Bild mit anderen Farben als sonst male. In diesen Momenten ist es spannend, in eine Art Zuschauer-Rolle zu schlüpfen und mich selbst zu beobachten. Dabei geht es nicht um erzwungene, künstliche Deutungen, sondern darum, hinzugucken, in sich reinzufühlen, innere Reaktionen bewusst wahrzunehmen, Fragen zu stellen und vielleicht am Ende doch die ein oder anderen Schlüsse daraus zu ziehen. Und so Bilder sprechen zu lassen.

Beobachte mal:
Auch deine Kleidung weiß Geschichten zu erzählen: Geschichten darüber, wie du dich selbst wahrnimmst; Geschichten darüber, wie andere Menschen dich wahrnehmen sollen; Geschichten über Gefühle, Bedürfnisse und vieles mehr. Spannend im Zusammenhang mit Kleidung ist auch die Frage, wie sie dich fühlen lässt: selbstbewusst, authentisch, verkleidet, unsichtbar …