Dankbarkeit. In meinem letzten Post habe ich ein paar Zeilen dazu geschrieben. Es mag den Eindruck erweckt haben, dass dankbar zu sein ziemlich einfach ist. Weil es so viel gibt, für das man dankbar sein kann.

Ich habe aber auch geschrieben, dass dankbar zu sein eine Entscheidung ist. Ein willentlicher Akt sozusagen. Die Entscheidung, den Blick auf das zu richten, was gut ist – nicht perfekt, nicht wow-mäßig und oft inmitten des so ganz und gar Nichtperfekten.

6-9Also her mit dem positiven Denken? Sich Dinge schön reden? Das ist so gar nicht mein Fall. Warum? Weil es der Wirklichkeit nicht gerecht wird. So erlebe ich es gerade: Kürzlich habe ich zugesagt, ein Projekt zu sponsern. Alles klang gut – eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Ich war happy und habe zugesagt. Im Nachhinein stellte sich die Sache als recht einseitig heraus und leider zähle ich dabei nicht zu den glücklichen Gewinnern. Es war eine Fehlentscheidung, die mich viel gekostet hat – und das auf mehreren Ebenen. Ich war sauer: Sauer auf die Person, die mir das Projekt so ganz anders verkauft hat, als es später umgesetzt wurde. Sauer auf mich selbst, weil ich mich habe blenden lassen. Sauer, weil diese Fehlentscheidung auch andere mittragen müssen.

Diese säuerlichen Emotionen sind da. Bringen sie mich weiter? Nein. Im Gegenteil: Sie machen handlungsunfähig. Und so habe ich die Entscheidung getroffen, dass ich mich zwar ärgern kann, aber ohne im Ärger zu erstarren. Dass ich die Sache reflektieren und daraus lernen werde. Dass ich die Realität  zwar nicht toll finde, sie aber akzeptiere.

6-8Und ja, ich habe mich entschieden, dankbar zu sein: Dankbar dafür, dass ich nach aktuellem Stand aus der Sache zwar als Verlierer raus gehe, die Entscheidung Konsequenzen hat, aber nicht existenziell bedrohlich ist. Dankbar dafür, dass ich Menschen an meiner Seite habe, die die Sache mit tragen. Und dafür, dass ich eben nicht in diesem Ärger, dieser Ohnmacht versacken muss, sondern lernen darf, ohne dabei zu verbittern.

Ist das ein zu persönlicher Post? Ich habe es abgewogen. Das Ergebnis liest du gerade. Die Autorin Brené Brown hat mich daran erinnert, wie viel wir voneinander lernen können – auch und gerade aus den Niederlagen. In diesem Sinne hoffe ich, dass euch meine Erfahrung ermutigt, den Blick vom Problem zur Lösung zu wenden. Gerne unterstütze ich euch dabei – live oder auch online!

www.vorwärtsleben.de

Vielleicht ist es dem einen oder anderen aufgefallen: Die Seelsorge ist aus meinem Angebotskatalog verschwunden. Ich will kurz ein paar Takte zum Warum los werden:

Als ich 2015 mit VORWÄRTSLEBEN angefangen habe, war es mir wichtig, neben Coaching und Psychotherapie auch Seelsorge anzubieten. Denn vor über 10 Jahren habe ich meine 1 ½ jährige Seelsorgeausbildung bei de’ignis gemacht – meinen ersten Schritt hin zu Beratung auf etwas höherem Niveau. Zudem ist der Begriff Seelsorge vielen aus dem kirchlich-gemeindlichen Kontext vertraut und die Hemmschwelle, Seelsorge in Anspruch zu nehmen, geringer als bei einer Psychotherapie.

Nach einem Jahr merke ich aber, dass Seelsorge nicht mehr so recht in mein Angebot passen will. Nicht weil ich meine „Wurzeln“ verleugnen will, auch nicht meinen Glauben. Nur ist für viele Seelsorge eine Gratis-Leistung. Oder zumindest etwas, das doch deutlich günstiger sein müsste als eine Stunde Coaching oder Therapie. Das „Problem“ ist nur, dass ich immer ich bin: Ich bin immer Nicole Sturm und kann mich nicht in Seelsorgerin, Coach oder Therapeutin aufspalten. So bringe ich in jedes Gespräch all mein Wissen und meine Erfahrung ein. Und aus genau diesem Grund kann ich ein Seelsorgegespräch nicht umsonst oder für 10 Euro die Stunde anbieten.

Diese Unfähigkeit, sich in verschiedene Rollen aufspalten zu können, empfinde ich jedoch nicht als negativ – im Gegenteil: Meine Kunden profitieren davon! In Coaching-Gesprächen habe ich die psychische Komponente mit im Blick, in Therapiestunden fließen Coaching-Elemente mit ein. Es ist immer ein Mix und das ist ein Gewinn!

6-7Anfang des Jahres habe ich mich mit Papier, Stift sowie mehreren Tassen Milchkaffee bewaffnet in einer Bäckerei verschanzt und mir eine Traumzeit gegönnt. Bäckerei deshalb, weil ich daheim zu abgelenkt gewesen wäre. Gegönnt deshalb, weil ich mir diese Stunden freischaufeln musste. An diesem Tag habe ich bewusst geträumt – und zwar von meinem ganz persönlichen „perfekten Alltag“: Mit welchen Menschen würde ich ihn verbringen? // Wann würde mein Tag beginnen, wann enden? // Wie würde ich ihn gestalten? // Wo würde ich leben? // Was würde ich arbeiten?

Träumereien können Augenöffner sein. Allzu oft führen sie einem Wünsche, Bedürfnisse und Hoffnungen vor Augen, die man im Alltagstrubel aus dem Blick verloren hat. Träumereien können ernüchternd sein, wenn man feststellt, dass es eine große Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit gibt. Gleichzeitig können sie aber auch motivieren, Änderungen im Jetzt vorzunehmen – damit sich das Leben mehr und mehr in die gewünschte Richtung bewegt.

Das Leben eines Menschen spiegelt seine Prioritäten wieder. Diese sind nicht immer so offensichtlich, wie es auf den ersten Blick scheint. Nehmen wir Herrn P.: Herr P. wünscht sich, viel Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Die Realität sieht jedoch so aus, dass Herr P. Woche für Woche Überstunden macht, um Projekte für seinen Chef fertigzustellen. Was ist nun seine Priorität: seine Familie oder die Arbeit? Spontan würde man wohl sagen, dass seine Priorität die Familie ist, der Chef ihn jedoch zu Überstunden zwingt. Aber könnte es nicht auch sein, dass es für Herrn P. wichtiger ist, eine Konfrontation mit seinem Chef zu vermeiden und so die Harmonie zu wahren? Und dass er aus diesem Grund bereit ist, in den sauren Apfel zu beißen: Überstunden statt Familienzeit? Könnte es sein, dass hier eine bewusste Priorität (Familie) durch eine unbewusste (Konfliktvermeidung) ausgehebelt wird?

Fakt ist: Wenn die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit sehr groß ist, lohnt es sich, Möglichkeiten auszuloten, dies zu ändern. Oder aber eine neue, positivere Sicht der momentanen Lage zu gewinnen. Das Ziel muss sein, einen „stimmigen“ Alltag anzustreben, in dem sich äußere Anforderungen und innere Bedürfnisse in größtmöglichem Maße die Waage halten.

Teste mal:
Wie sieht dein ganz persönlicher „perfekter Alltag“ aus? Wie groß oder klein ist die Überschneidung mit dem Jetzt?

Nächste Woche:
Träume runterbrechen