Schon seit Monaten hatte ich mich auf den 04. Juli gefreut. Ich hatte mich vorbereitet und war gewillt, Regen, Wind und Kälte zu trotzen. Kurzum: Ich war bereit für den Women’s Run in Hamburg!
Aber dann kam sie – und mit ihr hatte ich nicht gerechnet: die Hitze. 36 Grad im Schatten sollte es werden, der Lauf war für 15 Uhr angesetzt und kurz vorher sagte dann auch noch meine Laufpartnerin ab.
In mir tobte ein Kampf: ein Kampf zwischen Ehrgeiz und Vernunft. Ich hatte mich gefreut, trainiert, konnte es schaffen und ja, ich wollte es mir beweise, wollte nicht kneifen. Auf der anderen Seite wusste ich, dass 36 Grad kein Pappenstiel und 15 Uhr eine denkbar ungünstige Startzeit ist. Zudem würde ohne Laufpartnerin an meiner Seite mein Ehrgeiz ziemlich sicher die Oberhand gewinnen. Heißt konkret: Ich würde mein normales Tempo laufen, nicht runter drosseln – oder erst, wenn ich kurz vorm Kollabieren bin. Die Argumente flogen in meinem Kopf wie Tischtennisbälle hin und her. Ich wusste nicht, was ich tun soll.
Am Ende kam mir das mit dem „das eigene Spiel gewinnen“ in den Sinn. Und so erklärte ich genau das zu meinem vornehmlichen Ziel. Das Ende vom Lied war eine maßgeschneiderte Lösung, bei der ich meinem obersten Ziel („Ich werde gut für mich sorgen!“) treu geblieben bin und so mein Spiel gewonnen habe. Und das ohne meinen Ehrgeiz abzutöten! Ich lief gleich morgens früh, als es noch vergleichsweise kühl war, meine Runde. Dann fuhr ich nach Hamburg, um mir meine Belohnung abzuholen: das pinke Motto-Shirt, auf das ich es abgesehen hatte.
Am Ende des Tages war ich glücklich: Ich war mir selbst treu geblieben, bin nicht gestartet – und habe doch gesiegt.

Eine in vieler Hinsicht intensive Woche liegt hinter mir. Meine ToDo-Liste für heute war lang, aber ich ziemlich groggy und reif fürs Sofa. Keine gut Kombination! Den Garten wollte ich auf Vordermann bringen. Was sollen schießlich die Nachbarn (und Klienten) denken, wenn das Unkraut langsam aber sicher die Oberhand gewinnt? So fing ich an, im Garten zu wuseln. Irgendwie lustlos und oberflächlich. Wieso den Löwenzahn ausstechen? Den oberen Teil, der ihn enttarnt als solchen enttarnt, abzurupfen geht doch viel einfacher und vor allem schneller. Dann sieht alles auch gleich weniger verwildert aus. Aber dann musste ich an die Geschichte von Herrn Rech denken. Und an die Frage, welchen Preis ich zu zahlen bereit bin, um ein Lob (oder zumindest kein abfälliges Kopfschütteln) meiner Mitmenschen zu erhalten. Mir schwirrt der Satz „Wer einen Garten hat, muss sich auch drum kümmern!“ im Kopf herum. Und ich denke mir, dass der Satz „Wer einen Körper hat, muss sich auch drum kümmern!“ mindestens genauso wahr ist. In diesem Sinne entscheide ich mich heute, dem Unkraut noch ein paar Lebenstage zu schenken und den Staubmäusen unter dem Sofa eine letzte Chance einzuräumen, um von selbst zu verschwinden. Und ich? Ich gönne mir jetzt eine Runde Bewegung und danach eine große Tasse Milchkaffee. Und heute Abend Erholung auf dem Sofa mit allem, was so dazu gehört. In diesem Sinne: Euch allen ein super gutes Wochenende mit euch selbst gegenüber wohlwollenden Entscheidungen!

„Was ist dein Geheimnis?“ wurde einmal ein berühmter Posaunist gefragt.Er antwortete: „Man hört nicht nur den Atem, denn du verbrauchst, sondern auch den, den du zurückbehältst.“ Mit diesen Worten drehte sich der Posaunist lächelnd um und verschwand.

(nach einer Geschichte von Stefan Hammel in „Der Grashalm in der Wüste“)

Gäste kommen zu Besuch. Die Vorfreude ist groß – wenn da nur die leidige Putzerei nicht wäre! Freunde gaben mir vor vielen Jahren einen Rat mit auf den Weg, den ich bis heute beherzige: Putzen ja, aber nur so viel, dass dadurch die Freude auf den Besuch nicht flöten geht! Das finde ich einen tollen, entlastenden Ansatz! Denn auch wenn der Perfektionist in mir – und womöglich auch in dir – meist andere Thesen vertritt: Nichts macht ein Heim schöner und gemütlicher als Bewohner, die sich von Herzen freuen, dass man zu Besuch kommt (und nicht völlig fertig und ausgepowert in der Ecke hängen, weil sie bis zur letzten Sekunde die Böden gewienert haben)! Weniger ist in diesem Fall mehr!

Nachdem es in der vergangenen Woche um Handlungsoptionen ging, machen wir uns diese Woche Gedanken über unsere Gedanken. Denn sie sind es, die zu einem guten Teil unseren Aktionsradius definieren.
Alfred Selacher hat es einmal so formuliert: „Wo meine Grenzen sind, bestimmt mein Denken.“ In Reinform würde ich das so nicht unterschreiben. Denn es gibt nun mal Dinge, auf die ich keinen Einfluss habe. So kann ich mir beispielsweise wünschen, in zwei Jahren glücklich verheiratet zu sein. Das mit der Heirat kann man vielleicht noch irgendwie hinkriegen, aber Glück ist nicht machbar. Ich kann das Glück unterstützen, kann es quasi in mein Leben zu einem gewissen Grad einladen, sicher, aber machen kann ich es nicht. Andere Träume scheinen auf den ersten Blick überhaupt nicht umsetzbar. Ich denke da an den Traum eines Langzeitarbeitslosen, der von einer Weltreise träumt. Da würden viele sagen, dass das nicht geht. Aber warum eigentlich nicht? Es muss ja keine Tour von 5-Sterne-Hotel zu 5-Sterne-Hotel sein. Mit ein wenig Kreativität und der nötigen Gedanken-Power ist einiges möglich: trampen, arbeiten für Kost und Logis, Sponsoren suchen, Freunde mit Kontakten ins Ausland mit ins Boot holen …
Langer Rede kurzer Sinn: Nicht alles, was wir denken, ist real. Das gilt sowohl für Träume, aber – ganz wichtig! – auch für Grenzen. Daher diese Woche die Einladung an dich, deinen Gedankengängen auf die Spur zu kommen und bei Bedarf hinderliche durch förderliche Leitsätze zu ersetzen. Viel Spaß!