VORWÄRTSLEBEN startet ins dritte Lebensjahr – und ich bin mittendrin im Pläne schmieden und umsetzen. Hätte man mir vor zwei Jahren gesagt, dass ich heute noch immer in einem „Findungsprozess“ stecke, ich hätte gelacht. Aber es ist so und ich glaube, das ist auch gut. In den ersten beiden Jahren kamen einige Angebote dazu, andere fielen weg. Das lag an ganz unterschiedlichen Dingen: Manches fühlte sich für mich nach einer Weile nicht mehr stimmig an, manche Angebote wurden nicht gut angenommen etc.

2014-12-22_lebenAuch in diesem dritten Jahr wird es Anpassungen geben. Weil ich mich weiter entwickle, sich Rahmenbedingungen verändern, ich mehr und mehr sehe, wo Bedarf besteht und wie ich ihn bedienen kann. So werde ich den Fokus in Zukunft deutlich mehr auf das psychotherapeutische Coaching legen und auch die Online-Angebote mehr als bisher bewerben. Letzteres ganz einfach, weil ich sie liebe: ihre Flexibilität und was sie bewirken. Außerdem sollen dieses Jahr auch Online-Kurse dazu kommen. Ideen schwirren mir schon zuhauf durch den Kopf, die nun endlich realisiert werden wollen.

Es wird ein spannendes Jahr. Ich freu mich drauf – und du dich hoffentlich auch! 🙂

Weiter geht es mit der Inspirations-Reihe. Heute möchte ich euch gerne von einem Buch erzählen, das ich Ende letzten Jahres gelesen habe und das in den vergangenen Wochen meine Tage beeinflusst hat. Es ist das Buch „The 12 week year“ des Autoren-Duos Brian P. Moran und Michael Lennington. Als eine Bekannte von dem Buch schwärmte, war ich erst skeptisch – vermutlich aufgrund des reißerischen Untertitels „Get more done in 12 weeks than others do in 12 months“. In dem Buch geht es letztlich darum, nicht mehr in Jahren zu denken, sondern in übersichtlicheren Zeiteinheiten – in diesem Fall 12 Wochen.

BuchtippsWie ihr schon ahnen könnt: Ich habe mir das Buch besorgt, meine Vorbehalte bestmöglich beiseite gelegt und angefangen zu lesen. Das Konzept erscheint mir logisch und ich versuche es gerade umzusetzen. Was mich aber wirklich inspiriert hat, waren ein paar Statements der Autoren. Sie haben mich inspiriert, weil sie mich provoziert haben. Eines davon hatte ich an anderer Stelle glaube ich schon genannt: Dass wir oft gar nicht wissen, ob ein Plan wirklich aufgegangen wäre, weil wir vorzeitig abbrechen. Und auch der Gedanke, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, den Erfolg eines Vorhabens zu messen: Zum einen daran, ob das Ziel erreicht wurde – logisch. Zum anderen aber auch daran, dass man wirklich alle für den Erfolg nötigen Schritte gegangen ist. Ein großer Auftrag kann einem in den Schoß fallen – das liegt dann aber vielleicht eher an glücklichen Umständen als am eigenen Engagement. Es kann aber auch sein, dass man das anvisierte Ziel nicht erreicht. Dann ist es wichtig zu gucken, woran es liegt: Hab ich den Plan nicht durchgezogen (ups, ertappt!) oder lag es an Umständen die außerhalb meines Einflussbereichs liegen? Die Konsequenzen, die ich daraus ziehe, sind grundverschieden.

Was ich daraus lerne: Es ist gut, seine Vorbehalte auch mal beiseite zu legen. Mir hat es ein paar für mich wichtige Aha-Momente beschert und eine neue Idee, meine Ziele anzugehen. Und darüber bin ich froh und gespannt, wie es sich in der Praxis bewährt.

Es gibt ein provokatives Statement von Jens Corssen, den ich sehr regelmäßig zitiere: „Wo ich bin, will ich sein.“ Gut, ich würde das nicht absolut setzen – und doch steckt da viel mehr Wahrheit drin als man auf den ersten Blick vielleicht meint. Im Kern geht es Corssen darum, dass wir (fast) immer eine Wahl haben. „Ich würde ja so gerne …, aber das geht ja nicht.“
Hinter solche Aussagen mache ich gerne erst mal ein gedankliches Fragezeichen, sowohl bei bei meinen Mitmenschen als auch bei mir selber (so ich mich denn dabei ertappe … das geht ja bei anderen oft leichter). Denn oft stimmt die Aussage nicht. Richtiger wäre es zu sagen: „Ich würde ja so gerne …, aber es gibt Dinge, die mir gerade wichtiger sind.“ Ich glaube, es ist Corssen, der in seinem Buch von einem Mann erzählt, der gerne auswandern würde. „… aber das geht ja nicht …“ Nach dem Warum gefragt, antwortet der Mann, dass er sich um seine alten Eltern kümmern muss, dass er die Sprache des Landes nicht kann, das Gesundheitssystem dort auch nicht so berauschend sei und außerdem sei die Frage, ob er dort überhaupt eine Arbeit findet.
P1160897Natürlich sind das Argumente – gute Argumente sogar. Nur wäre es nicht sinnvoll zu sagen, dass der Mann mehr Gründe gefunden hat, nicht auszuwandern als auszuwandern? Dass das alte Leben zwar nicht so aufregend, aber dennoch attraktiver ist, da sicherer, bequemer etc.? Denn das sorgt dafür, dass man aus dieser Ohnmachtshaltung („Es geht ja nicht!“) raus kommt und rein in die Eigenmacht, handlungsfähig wird, weil man selbst es ist, der entscheidet.
Vielleicht ja mal eine Idee fürs bevorstehende Wochenende: sich fragen, ob etwas wirklich nicht geht oder es einfach Dinge gibt, die wichtiger/stärker/attraktiver sind. Und von da aus zu gucken, ob man Frieden damit hat, dass es so ist, wie es ist, oder ob man daran etwas ändern möchte.
 
PS: Falls du dir Unterstützung wünschst, melde dich. Dank Internet und Telefon sind Dinge wie räumliche Entfernung ja zum Glück kein Hindernis! 🙂
„Ich darf Grenzen setzen, wahren und auch überwinden.“
P1170081Grenzen – für manche ein per Definition negativ besetztes Wort. Für andere hingegen etwas, das sie auf Leben und Tod verteidigen. Für mich persönlich ist das Wort Grenze weder per Definition negativ oder aber positiv. Grenzen können nützlich sein, angemessen, zeitweise sogar überlebenswichtig. Sie können einen Menschen aber auch isolieren. Dann nämlich, wenn sie vor langer Zeit errichtet wurden – zu Zeiten, in denen sie nötig waren, seitdem aber nicht mehr auf ihrem Bedarf hin überprüft wurden.
Wenn eine Stadt sich in einer akuten Belagerungssituation befindet, braucht sie die Mauer. Eine rundum geschlossene Mauer. In solch einer Situation die Tore zu öffnen, wäre fatal. Wenn die Belagerung aber bereits lange zurück liegt, macht es das Leben der Bewohner extrem schwierig, wenn sie weiterhin die Tore geschlossen halten. Dann wird nicht die Belagerung, sondern das Geschlossenhalten der Tore zur Gefahr.
Aus diesem Grund ist es wichtig, sich immer mal wieder die Frage zu stellen, was gerade dran ist: Grenzen setzen, wahren oder überwinden.
„Ich darf sein, wie ich bin.“
 
Mag sein – die Frage ist nur, ob ich so sein will, wie ich bin. Gerade heute früh fand ich mich so gar nicht sympathisch. Hab rumgenörgelt, war wenig reflektiert. Später habe ich mich dann dafür fertig gemacht. Dabei weiß ich doch, dass ich diese zickige, unausgeglichene Seite nicht dadurch weg kriege, dass ich sie bekämpfe. Dass es viel besser wäre, sie erst mal als das zu bejahen, was sie ist – eine Seite. Eine von vielen. Und dann zu gucken, was die nörgelnde, unreflektierte Zicke angelockt hat. Um daraus für die Zukunft zu lernen. Zeitdruck ist so ein Lockmittel. Dann gerade wenn ich unter Stress stehe (oder mir selbst Stress mache – das trifft es wohl eher), werde ich unflexibel. Sehe nicht, dass viele Wege nach Rom führen und dass es für so ziemlich jedes Problem eine Lösung gibt. So werde ich mir gleich noch mal Zeit zum Durchatmen gönnen, mich für mein Genörgel entschuldigen und die Situation als Anlass nehmen, in Zukunft dafür zu sorgen, dass ich möglichst wenig Lockmittel in meiner Nähe dulde. Zum Beispiel indem ich mir genügend Pausen gönne.
 
„Ich darf sein, wie ich bin.“ Was sind deine Gedanken, wenn du diese Aussage liest?

Dankbarkeit. In meinem letzten Post habe ich ein paar Zeilen dazu geschrieben. Es mag den Eindruck erweckt haben, dass dankbar zu sein ziemlich einfach ist. Weil es so viel gibt, für das man dankbar sein kann.

Ich habe aber auch geschrieben, dass dankbar zu sein eine Entscheidung ist. Ein willentlicher Akt sozusagen. Die Entscheidung, den Blick auf das zu richten, was gut ist – nicht perfekt, nicht wow-mäßig und oft inmitten des so ganz und gar Nichtperfekten.

6-9Also her mit dem positiven Denken? Sich Dinge schön reden? Das ist so gar nicht mein Fall. Warum? Weil es der Wirklichkeit nicht gerecht wird. So erlebe ich es gerade: Kürzlich habe ich zugesagt, ein Projekt zu sponsern. Alles klang gut – eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Ich war happy und habe zugesagt. Im Nachhinein stellte sich die Sache als recht einseitig heraus und leider zähle ich dabei nicht zu den glücklichen Gewinnern. Es war eine Fehlentscheidung, die mich viel gekostet hat – und das auf mehreren Ebenen. Ich war sauer: Sauer auf die Person, die mir das Projekt so ganz anders verkauft hat, als es später umgesetzt wurde. Sauer auf mich selbst, weil ich mich habe blenden lassen. Sauer, weil diese Fehlentscheidung auch andere mittragen müssen.

Diese säuerlichen Emotionen sind da. Bringen sie mich weiter? Nein. Im Gegenteil: Sie machen handlungsunfähig. Und so habe ich die Entscheidung getroffen, dass ich mich zwar ärgern kann, aber ohne im Ärger zu erstarren. Dass ich die Sache reflektieren und daraus lernen werde. Dass ich die Realität  zwar nicht toll finde, sie aber akzeptiere.

6-8Und ja, ich habe mich entschieden, dankbar zu sein: Dankbar dafür, dass ich nach aktuellem Stand aus der Sache zwar als Verlierer raus gehe, die Entscheidung Konsequenzen hat, aber nicht existenziell bedrohlich ist. Dankbar dafür, dass ich Menschen an meiner Seite habe, die die Sache mit tragen. Und dafür, dass ich eben nicht in diesem Ärger, dieser Ohnmacht versacken muss, sondern lernen darf, ohne dabei zu verbittern.

Ist das ein zu persönlicher Post? Ich habe es abgewogen. Das Ergebnis liest du gerade. Die Autorin Brené Brown hat mich daran erinnert, wie viel wir voneinander lernen können – auch und gerade aus den Niederlagen. In diesem Sinne hoffe ich, dass euch meine Erfahrung ermutigt, den Blick vom Problem zur Lösung zu wenden. Gerne unterstütze ich euch dabei – live oder auch online!

www.vorwärtsleben.de

Ich möchte mich an dieser Stelle für einen schönen, kreativen Workshop-Abend zum Thema „Veränderung“ am Dienstag bedanken – krankheitsbedingt war es eine kleinere Runde als ursprünglich geplant, aber das tat der Sache keinen Abbruch. 🙂

P1170072Der nächste Schnupper-Workshop in kreativer Achtsamkeit ist schon in Planung. Frage in die Runde: Gibt es Zeiten, die euch besonders gut/so gar nicht passen? Noch steht das genaue Datum nicht fest, sprich: Ich könnte eure Wünsche berücksichtigen, falls ihr welche habt.

Die eigene Komfortzone verlassen – manchmal finde ich das total aufregend, spannend und mach es gerne. Manchmal aber auch nicht. So wie vor ein paar Monaten: Ich war beim ersten Weiterbildungswochenende in Gestalttherapie. Tolle Gruppe, tolle Dozentin, alles gut – bis sie plötzlich ankündigte, dass wir nach der Mittagspause eine Runde tanzen würden. Ich bin mir sicher, mein Herz hat ein paar Sekunden ausgesetzt – ich und tanzen? Hallo, geht’s noch? Bin vielleicht 1-2 Mal in der Disko gewesen und das war so gar nicht mein Ding. Der Tanzkurs während der Schulzeit würde mich wohl auch nicht retten. Tanzen … in der Gruppe … Freestyle?

2010_angstherausforderungDas ware nicht nur außerhalb meiner Wohlfühlzone, sondern quasi schon in der Panikzone! Nachdem gesagt wurde, man dürfe gern auch die Augen zu machen und solle einfach in sich reinfühlen, wie der Körper sich bewegen will, rückte die Herausforderung schon wieder etwas von der Panikzone weg. Und ich merkte: Es ging. Ich bin weder gestorben, noch habe ich mich so blamiert, dass ich mich danach nicht wieder in der Gruppe blicken lassen konnte. Das zu erleben tat gut. Mittlerweile liegt das vierte von fünf Wochenenden hinter mir. Und mittlerweile kann ich sie total genießen, unsere Tanzrunden nach der MIttagspause.

Bin ich ein toller Tänzer? Nein. Habe ich Ambitionen, die nächste Ü30-Party unsicher zu machen? Nö. Tanze ich noch immer am liebsten mit geschlossenen Augen? Ja. Habe ich etwas Neues, Wohltuendes für mich entdecken können? Drehe ich jetzt ab und an, wenn ich alleine zu Hause bin, die Musik auf und tanz ’ne Runde? Bin ich froh, dass ich mich getraut habe – damals, als ich dachte, ich würde vor Scham sterben? Ja, ja und nochmals ja. Danke, Steffi, dass du mich eingeladen hast, meine Grenzen weiter zu stecken. Und dass du mich mit einer bis dato unentdeckten Seite in Kontakt gebracht hast.

Unten in der Praxis sind die Heizungstechniker im Gange. Damit dürfte der größte Lärm und der gröbste Schmutz bald hinter mir liegen. Danach muss „nur noch“ ein Kellerschacht verschlossen, die neuen Fensterbänke montiert und der Boden verlegt werden. Ach ja, und natürlich noch geputzt, ein neuer Schrank aufgebaut und der Rest des Mobiliars wieder rein gestellt werden.

Ja, ich freu mich drauf, wenn alles fertig ist: Wenn das Wohnzimmer wieder nur Wohnzimmer und nicht gleichzeitig Abstellort für die Praxis-Möbel ist. Wenn ich der Staubschicht den Kampf nicht nur ansage, sondern ihn sogar besiege – für mehr als ein paar Minuten oder Stunden bis zum nächsten Renovierungsschritt, der ihn wiederbelebt. Ich freu mich (bzw. hoffe) auf einen Geburtstag ohne Baustelle nächste Woche.

13528925_505446609580066_8105061141671825487_nDenn ich merke, wie mich diese Baustelle stresst. Das hätte ich gar nicht vermutet, wo ich mich doch so auf das Projekt „Praxis-Optimierung“ gefreut habe. Vielleicht liegt es daran, dass ich dieses Mal nicht so viel selbst machen kann. Und dass sich einige Dinge als zeitintensiver herausgestellt haben als gedacht. So ertappe ich mich dabei, wie sich das große „P“ auf meiner Stirn breit macht: Panik. Werde ich ab Montag wieder ganz normal Klienten da haben können? Diese Woche war es einfach zu staubig, zu stickig, zu stinkig und so musste ich auf Geh-Spräche um den Herrenteich bzw. Coachings in der Bäckerei als Alternativ-Optionen ausweichen.

Die Sache stresst mich und das ist nicht gut. Akzeptieren lautet mein neues Zauberwort. Akzeptieren, was ist. Im Hier und Jetzt sein – nicht nur körperlich, sondern auch mit meinen Gedanken. Früher dachte ich, dass akzeptieren mit kapitulieren gleichzusetzen ist. Mittlerweile bedeutet akzeptieren für mich Frieden schließen mit dem, was ist. Verantwortung für mich selbst und meine Gefühle übernehmen. Und natürlich schließt es nicht aus, mich hinzusetzen und einen guten Schlachtplan für die nächsten Tage auszuarbeiten. Eigenverantwortung übernehmen statt mich ohnmächtig den negativen Gefühlen hinzugeben. Für die Zukunft planen, aber nicht in ihr leben. Und wirklich wahr: Mir geht es gleich bedeutend besser. Mitten im Lärm und Staub.