Es ist gerade ein paar Wochen her, dass eine Klientin sich nach der ersten Stunde beklagte, dass ich ihr keinen 3-Schritte-Plan gebe, wie sie ihre Situation verändern kann. So ein offen ausgesprochenes „Ich bin sauer, dass Sie nicht …“ ist erst mal nicht ohne. Auf der anderen Seite ist es einfach nur gut. Es hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, mein Grundverständnis von Coaching und Therapie noch mal bewusst zu formulieren.

schmetterlingDenn ja, ich habe diverse Weiterbildungen gemacht, kenne mich im ICD-10 aus (zumindest was den F-Bereich angeht), hab mir im Laufe der Zeit einen „Werkzeugkoffer“ zusammengestellt, mich mit VORWÄRTSLEBEN selbstständig gemacht. Aber trotz allem glaube ich fest daran, dass jeder der Experte seines eigenen Lebens ist. Ich bin auf dieser Reise primär ein Wegbegleiter, der – selbstverständlich mit allem Fachwissen im  Hinterkopf – Raum gibt, Fragen stellt, Impulse setzt, ermutigt. Die Verantwortung bleibt die ganze Zeit beim Klienten.

Frage an dich: Was erwartest du von einem guten Therapeuten oder Coach?

20140707_081449Ich möchte den 2. Geburtstag von VORWÄRTSLEBEN zum Anlass nehmen, einer Gruppe von Menschen ganz herzlich zu danken: meinen Kunden. Danke, dass ihr mir euer Vertrauen geschenkt habt. Danke für im wahrsten Sinne des Wortes bewegende Gespräche bei Spaziergängen um den Herrenteich, für euer Einlassen auf kleine Experimente mit Aha-Effekt, für kreative Momente voller Achtsamkeit, für viele tiefe Gespräche bei einer Tasse Kaffee, für mutige Schritte, Perspektiven und dass wir immer wieder in der Lage waren, den Herausforderungen ins Gesicht zu lachen. Danke!

CM_Practitioner_NicoleSturmNach 5 Monaten und 200 Stunden ist es soweit: Endlich halte ich mein Zertifikat als Creative Mindfulness Practitioner in Händen – und freu mich riesig! Ich bin unglaublich dankbar, dass ich diese Reise antreten durfte. Und freu mich, dass es nächste Woche gleich mit einer zweiten Reise weitergeht: der zum Creative Mindfulness Coach. Diesen Meilenstein feiere ich jetzt … mit einer großen Kanne Tee und einer Planänderung: Statt des Schreibauftrags, an dem ich heute arbeiten wollte, gönne ich mir einen Lesevormittag mit einem super inspirierenden Fachbuch. 🙂

Ein Märtyrer will nicht als egoistisch oder gar gefühlskalt gelten. Sein Wunsch ist es, andere zu retten, ihnen Gutes zu tun. Dabei stellt er sich selbst zurück, ist oft hart gegen sich selbst. Gefühle unterdrückt er, um niemandem weh zu tun oder zur Last zu fallen.

Frage an dich:

Inwiefern findest du dich in dieser Beschreibung wieder? Was ist dir vertraut, was vielleicht auch gar nicht? Und zu guter Letzt: Gibt es bestimmte Situationen, in denen der Märtyrer dominanter ist als in anderen?

Charakteristisch für die Waise ist das Gefühl, arm dran zu sein. Sie will schnelle Antworten und Lösungen, gerne auch von Autoritätspersonen in ihrem Leben. Andere sollen sie aus brenzligen Situationen retten. Ihr größter Wunsch ist es, sich sicher zu fühlen.

Frage an dich:

Inwiefern findest du dich in dieser Beschreibung wieder? Was ist dir vertraut, was vielleicht auch gar nicht? Und zu guter Letzt: Gibt es bestimmte Situationen, in denen die Waise dominanter ist als in anderen?

Was den Arglosen ausmacht, ist seine kindliche Natur: Er ist unwissend-naiv, will umsorgt werden, ist abhängig von anderen. Er hat keinen Blick für mögliche Gefahren und hat Angst, verlassen zu werden. Sein Wunsch ist es, glücklich zu sein; das Leben soll locker-leicht daher kommen.

Man könnte noch jede Menge zu dieser Facette einer Persönlichkeit sagen, aber das soll als Einstieg genügen.

Frage an dich:

Inwiefern findest du dich in dieser Beschreibung wieder? Was ist dir vertraut, was vielleicht auch gar nicht? Und zu guter Letzt: Gibt es bestimmte Situationen, in denen der Arglose dominanter ist als in anderen?

Im letzten Monat habe ich vom Konzept der Heldenreise berichtet. Eigentlich müsste ich von Heldenreisen (Plural) sprechen, denn im Leben unternimmt man ja normalerweise mehrere dieser Reisen.

 

Immer neue Reisen,

immer neue Ziele,

immer neue Weggefährten,

immer neue Herausforderungen –

aber immer ich!

 

Ja, es stimmt: So sehr die einzelnen Reisen sich voneinander unterscheiden mögen, es ist immer man selbst, der sie unternimmt. Und doch gilt, dass – je nach Situation und Lebensphase – immer wieder andere Facetten in den Vordergrund treten. Über sechs dieser Facetten schreibt Carol Pearson in ihrem Buch „Der Held in uns“ (Originaltitel „The hero within“). Im nächsten Post stelle ich den ersten der sechs Typen vor, den Arglosen.

Unser Held kehrt von seiner Reise nach Hause zurück. In Filmen ist dies oft der Punkt, an dem das Heimatdort eine Party schmeißt und er als großer Held gefeiert wird. Vielleicht ist er aufgebrochen, um ein Heilmittel zu besorgen oder etwas ähnlich Bedeutendes, auf das die Gemeinschaft gewartet hat.
In der Realität ist die Heimkehr leider nicht immer mit einer großen Willkommensfeier verbunden, nicht mit Freudentränen, sondern mit irritierten Blicken: Die Person, die ausgezogen ist, um Neues zu entdecken – für sich persönlich oder zum direkten Nutzen für alle –, hat sich verändert. Sie hat Dinge erlebt, die die Zurückgebliebenen nicht erlebt haben. Er hat über den sprichwörtlichen Tellerrand geguckt, möglicherweise einschneidende Erfahrungen gemacht. Dinge, die die Gemeinschaft nicht zwingend auf Anhieb verstehen und nachvollziehen kann. Da diese Dinge so frisch sind, ist der zurückgekehrte Held vielleicht auch noch gar nicht in der Lage, von den Ereignissen angemessen zu berichten. Diese Veränderung kann Angst machen: „Ist das noch die Person, die wir kannten?“ Die Antwort auf diese Frage lautet ja – und nein.
Jeder von uns macht Erfahrungen, die uns prägen. Manche sind gewollt, manche nicht. Richtig ins Leben integriert, sorgen sie für persönliches Wachstum, für Reife. Bei der Heldenreise verhält es sich ganz ähnlich. Der entscheidende Punkt ist der, dass wir uns bewusst für neue Erfahrungen entscheiden – für den Aufbruch in neue Welten, mögen sie aufregend groß oder eher klein sein.

Zum Weiterdenken:
Wie hast du Veränderung in deinem Leben wahrgenommen: Als etwas, das dich von anderen trennt, vereint, verwirrt …? Wie geht es dir damit, wenn Freunde Erfahrungen machen, mit denen du nichts anfangen kannst?

Unser Held hat letzte Woche all seinen Mut zusammen genommen und ist in eine ihm unbekannte Welt aufgebrochen. In Neuland. Dort stehen ihm diverse Bewährungsproben bevor, er trifft auf neue Verbündete, aber auch auf Feinde. Schließlich kommt es zum alles entscheidenden Kampf, zur Konfrontation. Unser Held stellt sich seinem ganz persönlichen Feind: einer Person, Situation, einem Gefühl … – und siegt! Er hat seine Mission erfüllt und hält das, was er im Zuge seiner Reise erhalten wollte, in Händen. Welcher Art sein „Schatz“ ist, das ist vom Ziel der Reise abhängig. Er ist aber immer von großem Wert für den Helden.
Nun kann er sich auf den Heimweg machen. Ihm wird bewusst, welcher Gefahr er ins Auge geblickt – und sie überwunden hat. Durch die Reise ist er gewachsen. Er ist nicht mehr derselbe Mensch, der er war, als der Ruf des Abenteuers ihn ereilte.

Neuland. Gefahren. Ein Schatz. Es braucht Mut und treue Weggefährten, um solch ein Wagnis einzugehen. Mutig zu sein jedoch bedeutet nicht, die Angst komplett abgeschüttelt zu haben. Mutig zu sein bedeutet, trotz Angst Schritte zu gehen. Nicht nur einen, sondern immer noch einen. Bis man sein Ziel erreicht hat. Manche machen die Erfahrung, dass die Angst mit jedem Schritt, den man gegangen ist, weniger wird. Andere hingegen erleben Zeiten reduzierter Angst, aber mit einem Mal ist sie wieder da – überraschend präsent und eindrucksvoll.
Das sind die Momente, in denen so manch einer auf dem Absatz kehrt gemacht hat und im Schweinsgalopp zurück nach Hause rennt. Zurück zum Altbekannten. Der Moment, in dem das Sprichwort „lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ zum Tragen kommt. Wobei man vielleicht gerade mal zwei Schritte vom Ziel entfernt ist.

Zum Weiterdenken:
Gibt es eine Situation, wo du dir rückblickend wünschst, du hättest nicht aufgegeben? Wo wärst du heute, wenn du weiter gemacht hättest? Was hättest du damals an Unterstützung gebraucht, um weiter zu gehen?