Nur noch wenige Tage bis zu den Weihnachtsferien. Ich könnte noch zwei Schreibprojekte angehen, werde es aber nicht machen. Die Deadline ist erst im Januar und so nehme ich mir die Freiheit, die nächsten Tage zu nutzen, um das Jahr zu einem guten Abschluss zu bringen: Unterlagen sortieren, ein wenig im Büro wirbeln und für Ordnung sorgen, Rückblick auf die zurück liegenden 12 Monate halten und Pläne für die kommenden Monate schmieden.
Ich bin dankbar, dass ich es so einrichten kann. Und wünsche euch, dass ihr diese Woche auch immer mal wieder kurz (oder auch länger!) die Möglichkeit habt, durchzuatmen, euch zu sortieren oder was auch immer gerade dran ist und euch gut tut.

Ich trage diesen einen großen Wunsch in mir: Es der Welt (und mir selbst) zu beweisen. Die fleißigen Bienchen sind mir ein Vorbild, Pausen werden nur eingelegt, wenn ich merke, dass sie wirklich nötig sind. Schließlich wabert dieser Angstgedanke über mir, ich könnte als faul abgestempelt werden. Mein Motor wird angetrieben von der Hoffnung auf Lob von außen und eben dieser bereits genannten Angst vor Ablehnung, sollte ich die Erwartungen der Leistungsgesellschaft nicht vollumfassend erfüllen.

Jedoch bin ich auch nicht so naiv zu glauben, dass mich dieser Wunsch weiter bringt im Leben. Denn zum einen habe ich meist gar kein so klares Bild davon, wem ich es eigentlich beweisen will, geschweige denn, was es überhaupt zu beweisen gibt. Vor allem aber nicht davon, wie man es beweisen kann oder besser gesagt, wann der Beweis erbracht ist.

P1160911Warum ich das so frei heraus zugeben, mich hier öffentlich „oute“? Zum einen, weil ich damit zeigen will, dass einen die Arbeit im Bereich Coaching und Therapie nicht zum Übermenschen macht, der in der Lage ist, alles theoretische Wissen auch wirklich immer 1:1 in die Praxis umzusetzen. Zum anderen, weil sich für seine Unvollkommenheit zu schämen einen kein bisschen weiter bringt. Im Gegenteil: Man ist nur damit beschäftigt, Masken hoch zu halten, anstatt anderen Menschen zu signalisieren: Hey, wir sitzen alle im gleichen Boot – niemand ist perfekt und niemand muss es sein!

Hier noch ein (englisches) Zitat von Dr. Brené Brown aus ihrem Buch „The Gifts of Imperfection“:

„It [shame] can’t survive being shared. Shame loves secrecy. The most dangerous thing to do after a shaming experience is hide or bury our story. When we bury our story, the shame metastasizes.“

Und an anderer Stelle:

„Owning our story and loving ourselves through that process is the bravest thing that we will ever do.“

In diesem Sinne:

Lasst uns lernen, auch unsere verletzliche, nicht perfekte Seite zu zeigen!

Was bedeutet Genuss für dich? Für mich bedeutet es vor allem, ganz im Hier und Jetzt zu sein. Den Augenblick bewusst wahrzunehmen. Mehr noch: ihn wertzuschätzen. Für diese Art des Genießens braucht es weder einen Haufen Geld noch viel Zeit. Es ist die Art von Genuss, die im Alltag stattfindet und ihn so zu etwas Besonderem macht.
5alltagGenussDas haben besonders die sogenannten Alltags-Genießer verinnerlicht. Ihre Genuss-Momente erscheinen Außenstehenden oftmals als unspektakulär, aber das sind sie nicht. Sie sind intensiv und besonders. Alltags-Genießer gönnen sich lieber über den Tag verteilt mehrere kleine Genuss-Momente, als tage- oder gar wochenlang auf den einen großen Moment hinzufiebern. Genuss ist ein fester Bestandteil ihres Lebens.
Hier ein paar Ideen für all diejenigen, die Lust haben, sich als Alltags-Genießer zu versuchen:

1. Gönn dir ein ausgedehntes Abendessen mit deiner Familie oder Freunden, bei dem ihr Zeit habt, euch von den Dingen zu erzählen, die euch bewegen.
2. Nimm dir fünf Minuten Zeit, um neidisch auf dich selbst zu sein.
3. Schalte alle Geräuschquellen ab und lausche der Stille.
4. Nimm eine Alltagsbeschäftigung wie den Abwasch oder das Zusammenlegen der Wäsche bewusst wahr.
5. Schau dir etwas in aller Ruhe im Detail an: eine Blume, ein Bild oder das Gesicht eines Menschen.
6. Nimm dir eine Tasse Tee lang Zeit, um zur Ruhe zu kommen und in dich reinzuhören.
7. Schreib vor dem Schlafengehen drei Dinge auf, für die du dankbar bist bzw. die du an diesem Tag als Genuss erlebt hast.

„Die große deutsche Genuss-Studie 2004“ definiert vier Arten von Genießern: den Geschmacks-, den Couch-, den Erlebnis- sowie den Alltags-Genießer. Die Übergänge sind teilweise fließend, aber dennoch gibt es charakteristische Besonderheiten.
2CouchAlleinDer Couch-Genießer beispielsweise braucht nicht viel, um glücklich zu sein. Er ist gerne für sich. In seinen eigenen vier Wänden fühlt er sich wohl und kann entspannen. Für Genussmomente braucht er wenig bis kein Geld, dafür aber etwas anderes: Ein inneres Ja, um mit gutem Gewissen genießen zu können. (Ohne dieses innere Ja kommt aber, wenn man es genau nimmt, auch niemand von den anderen Genießer-Typen aus.)
Wer genießt, zeigt dadurch, dass er sich selbst Gutes im Leben gönnt. Wer sich etwas Gutes gönnt, macht deutlich: Ich bin es wert, Genuss zu erleben. Genuss, das kann Vieles sein. Für den Couch-Genießer ist es beispielsweise die (scheinbar) unproduktive Ruhe, Zeit für sich und die Dinge, die das Leben bunt machen.
Im Folgenden wieder Ideen für jeden Tag dieser Woche, wie du Genussmomente in deinen Alltag integrieren kannst. Denn du bist es wert!

1. Wenn du unverhofft nichts zu tun hast, dann versuche, diese Pause zu genießen, statt sie gleich wieder mit „produktiver Geschäftigkeit“ zu füllen.
2. Nimm dir Zeit, um mal wieder zu träumen, dein Leben zu reflektieren, Tagebuch zu schreiben, die Gedanken treiben zu lassen.
3. Tauche in die schöne Welt der Bücher ein, statt dich vom tendenziell eher durchschnittlichen TV-Programm berieseln zu lassen.
4. Gehe einem Hobby nach, bei dem du dazu neigst, es aus Zeitgründen zu vernachlässigen.
5. Greif zum Telefon und genieße den Herz-zu-Herz-Austausch mit einem guten Freund.
6. Gönne dir statt der schnellen Dusche ein ausgedehntes Vollbad.
7. Genieße einen Tag, der anders sein darf: frei von Multitasking und ruhig auch mal unproduktiv.

Was ist Genuss – und wie geht das eigentlich: genießen? Die Antworten auf diese Fragen sind so vielfältig wie die Menschen, denen man sie stellt. Klar ist, dass Genuss viel damit zu tun hat, Dinge bewusst im Jetzt wahrzunehmen und zu erleben.
„Die große deutsche Genuss-Studie 2004“ definiert vier Arten von Genießern: den Geschmacks-, den Couch-, den Erlebnis- sowie den Alltags-Genießer. Wobei der Übergang von einem Typ zum anderen zum Teil fließend ist.
Dass Essen und Trinken ein Genuss sein können, hast du sicher selbst schon erlebt. Oft verkommt die Nahrungsaufnahme im Alltag aber zum Mittel zum Zweck: Der Magen muss gefüllt werden, damit der Körper seine Arbeit tun kann. Dafür reicht meist der schnelle Snack zwischen Tür und Angel sowie die vitaminfreie Tiefkühl-Pizza. Mit Genuss hat das jedoch wenig bis nichts zu tun. Aus diesem Grund hier ein paar Tipps, wie du diese Woche ein wenig mehr Genuss in deine Mahlzeiten bringen kannst.

3Geschmack11. Nimm dir Zeit, um in aller Ruhe zu essen.
2. Probiere ein Lebensmittel, das du bisher noch nie zu dir genommen hast. Nimm seinen Geschmack bewusst wahr und sei dabei offen für neue Geschmackserlebnisse.
3. Achte bewusst auf den Geruch der Nahrung, die du zu dir nimmst.
4. Gönne dir, etwas Hochwertiges zu essen.
5. Achte auf die Konsistenz dessen, was du isst. Probiere beispielsweise, wie unterschiedlich ein Gemüse schmeckt, wenn du es roh, gebraten, gedünstet oder gekocht isst.
6. Such dir ein Obst aus und esse es mit allen Sinnen: Fass es an, riech daran, schau es dir von allen Seiten an, achte darauf, was für ein Geräusch es macht, wenn du reinbeißt … und natürlich: schmecke es!
7. Eine alte Redewendung besagt, dass das Auge mitisst. Richte dein Essen auf einem Teller schön an und genieß den Anblick.

Die vergangenen zwei Monate habe ich an einem Ort verbracht, den eine Freundin liebevoll den „Lerntunnel“ nennt. Viele Stunden habe ich über aufgeschlagenen Büchern verbracht, habe gelesen, Dinge angestrichen, Notizen gemacht, Wissen in mich aufgesaugt. Parallel dazu habe ich mich mit dem Thema Mut auseinandergesetzt: Was entfacht Mut, was bremst ihn, wo will ich selbst mutiger werden? Mitten in diese Phase hinein erklang das „Sie haben eine Nachricht“-Signal meines Handys. Es war eine kleine Erinnerung einer Bekannten, die schrieb: Vergiss nicht, zwischendurch auch mal zu genießen!
1AllgemeinGenussGenießen – wie geht das überhaupt? Forscher sind sich uneinig, ob Genussfähigkeit etwas ist, das angeboren ist oder aber erst erlernt werden muss. Klar hingegen ist, dass man das Genießen verlernen kann. Dinge wie Hektik, Eile und Stress gelten als genussfeindliche Faktoren – zu Recht! Studien besagen, dass in Deutschland etwa 25 % aller Erwachsenen nicht oder nur eingeschränkt genussfähig sind. Gerade auch im Rahmen einer depressiven Episode ist das ein großes Thema. Grund genug, die Blog-Beiträge im September dem Genuss zu widmen!

Nachgefragt:
Welchen Stellenwert hat Genuss in deinem Leben – und warum?

Ab und an überkommt einen dieser Gedanke: Jetzt abhauen, das wäre schön! Man träumt vor sich hin, spielt das ein oder andere Szenario durch – und entscheidet sich schlussendlich meist doch dafür, es beim Träumen zu belassen. Oder auch nicht.
Manchmal ist einem aber wirklich alles zu viel. Man will nur noch seine Ruhe, abhauen, raus. In solchen Zeiten kommt man nicht mal auf die einfachsten Ideen. Kompletter Blackout. Rauskommen – wie könnte das aussehen? Man ist wie abgeschnitten von aller Kreativität; es fällt einem partout nichts ein – oder zumindest nichts, was passend wäre.
2014_7_21_alltagsfluchtenAlltagsfluchten. Wir alle brauchen sie ab und an. Hier hilft die Notfallbox. Sie ist eine Ideensammlung, eine Schatztruhe aus guten Zeiten für nicht so gute Zeiten. Zu diesen Schätzen gehören unter anderem auch Ideen für kürzere oder längere Auszeiten. Ideen für 5, 15 oder 30 Minuten Abschalten vom Alltagstrubel, genauso wie für 1, 2 oder 4 Stunden oder gar 1 oder mehr Tage. Im Idealfall beinhaltet die Notfallbox einen bunten Ideen-Mix: Alltagsfluchten, die wenig bis gar nichts kosten, aber auch solche, für die man etwas tiefer ins Portemonnaie greifen muss. Der Besuch beim Masseur, die Auszeit im Café, Besuch von oder bei Freunden, den Boxsack malträtieren, in den Wald gehen und alles rausschreien, der Ausflug ans Meer oder in die Berge, ein Besuch im Buchladen oder Museum, das Lesestündchen auf dem Sofa mit Kuscheldecke, Wollsocken, Wärmflasche und heißem Tee …

Mach mal:
Ergänze deine Notfallbox um deine ganz persönlichen Auszeit-Ideen. Wenn du magst, sortiere sie nach der benötigten Mindestzeit, den damit verbundenen Kosten etc.

Passend zum Thema hier noch ein Gedicht von Bernhard von Clairvaux (1090-1153). Schon etwas älter, aber noch immer aktuell:

Wenn du vernünftig bist, erweise dich als
Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig
empfängt und weiter gibt, während jene
wartet, bis sie erfüllt ist. Auf diese Weise gibt
sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen
Schaden weiter…
Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen
und habe nicht den Wunsch freigiebiger zu sein
als Gott. Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst
wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie
zum Fluss, wird zur See. Die Schale schämt sich
nicht, nicht überströmender zu sein als die
Quelle…
Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei
leer wirst. Wenn du nämlich mit dir selbst
schlecht umgehst, wem bist du dann gut?
Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle,
wenn nicht, schone dich.