Letzte Woche hast du gemerkt, wie gut gute Worte tun können. Wie wäre es, wenn du diese Woche versuchst, gute Worte und Gedanken an die Menschen um dich herum weiterzugeben?

Hier noch ein paar Tipps:
1. Sag Dinge, die wirklich positiv sind.
2. Was du sagst, muss auch ernst gemeint sein.
3. Sei konkret in dem, was du sagst.

Worte sind wie Federn, die vom Wind fortgetragen werden:
Sie sind nie wieder einzufangen!

Worte kann man nicht wieder einfangen. Dummerweise gehen sie uns oft schneller über die Lippen, als uns im Nachhinein lieb ist. Wie schnell machen wir mit einem abwertenden Kommentar jemanden klein – oft auch Menschen, die wir eigentlich sehr schätzen. Später entschuldigen wir uns, versuchen uns dadurch emotional von diesem Fauxpas zu entlasten; betonen, dass es nicht so gemeint war, dass die Person es doch bitte nicht so ernst nehmen soll. Nur leider heben diese Bitten das Feder-Prinzip nicht auf: Die Worte sind gesprochen, sie bleiben hängen, sie prägen: Beziehungen, das Selbstbild, das Leben.

ueberVL-1024x1024Beobachte dich in den nächsten Tagen doch einmal selbst: Sind deine Worte wohl überlegt oder im Eifer des Gefechts gesprochen? Ermutigend oder zerstörend?
Einmal ausgesprochene Worte kann man nicht zurücknehmen. Man kann aber lernen, immer mehr Zerstörer-Worte zurück zu halten und stattdessen zum WortBeweger zu werden: Zu einem Menschen, der andere durch seine Worte positiv bewegt. Bist du dabei?

Ein Freund erzählte mir vor einiger Zeit die Geschichte eines Sportlers, der gegen seinen deutlich schlechteren Gegner verlor. Auf die Frage der Reporter, wie es sich anfühlt, gegen jemanden zu verlieren, der in der Rangliste weit unter einem steht, antwortete er sinngemäß: „Ich habe das Spiel gegen meinen Gegner verloren, aber mein eigenes Spiel gewonnen. Und das ist es, was zählt.“
Sein eigenes Spiel gewinnen: Für ihn bedeutete es, genau das umzusetzen, was er vorab mit seinem Trainer vereinbart hatte. Er hat alles richtig gemacht, auch wenn das nicht mit einem Turniersieg belohnt worden war. Trotzdem fühlte er sich als Sieger.
Für jeden von uns bedeutet es etwas anderes, das eigene Spiel zu gewinnen. Das Ziel ist es dann nicht mehr, um jeden Preis zu gewinnen, sondern sich selbst Regeln zu geben, Ziele zu setzen und ihnen treu zu bleiben. Beispielsweise gut für sich zu sorgen, was beinhaltet, Prioritäten zu setzen, die nicht immer allen gefallen.
Was könnte es für dich bedeuten, dein eigenes Spiel zu gewinnen?

Die folgende Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit. Sie handelt von Emma. Emma liebt es, im Wasser zu toben. Als sie alt genug ist, fängt sie einen Schwimmkurs an. Woche für Woche wird Emma sicherer im Wasser. Kurz vor Ende des Kurses fährt Emma mit ihren Eltern in den Urlaub. Jeden Tag will die Kleine ins Schwimmbad. Und mit jedem Tag bewegt sie sich freier im Wasser. Am zweiten Tag schafft sie eine kurze Strecke ohne Schwimmgürtel, ab dem vierten Tag wird die Schwimmhilfe erst gar nicht mehr mitgenommen. Emma springt begeistert von den Schultern ihres Vaters ins Wasser, die 25 Meter am Stück schafft sie problemlos – und tauchen tut sie sowieso für ihr Leben gern! Daher beschließt die Familie, dass Emma am letzten Urlaubstag ihre Seepferdchen-Prüfung angehen soll. Der Bademeister lässt Emma eine Bahn schwimmen – kein Problem. Dann der Sprung vom Beckenrand ins Wasser – ein Leichtes. Zum Schluss noch schnell den Ring aus schultertiefem Wasser hochgeholt. Emma guckt den Bademeister freudestrahlend an, aber der schüttelt nur bedauernd den Kopf. Es hätte keine deutlich erkennbare Eintauchbewegung gegeben. Tränen und noch mehr Tränen. Emma ist traurig und wütend zugleich, denn im Schwimmkurs hatten sie es anders gemacht. Emmas Mama setzt sich mit ihr an den Beckenrand. Als das Mädchen sich beruhigt hat, guckt sie zu, wie ihre Mama das Eintauchen vormacht. Emma versucht es – erst noch etwas steif, dann immer besser. Der Bademeister steht noch immer am Beckenrand und beobachtet das Geschehen. Emma soll es doch bitte noch einmal versuchen – erst in etwas flacherem Wasser, am Ende in schultertiefem. Und siehe da: Es klappt! Emma ist müde, hört zwar das „gut gemacht“ des Bademeisters, aber dennoch kullern erneut Tränen. „Ich habe es einfach nicht richtig hingekriegt. Ich konnte es nicht.“ Emmas Mutter aber sagte: „Du hast es anders gelernt. Beim ersten Versuch hat es nicht geklappt – das konnte es auch gar nicht. Aber nach ein paar Minuten hattest du den Dreh raus. Und zwar so gut, dass dir der Bademeister gleich das Seepferdchen-Abzeichen verleiht. Du hast es dir verdient! Jetzt muss du entscheiden: Welche Version der Geschichte willst du heute Abend Oma und Opa erzählen – deine oder meine?“

Eine in vieler Hinsicht intensive Woche liegt hinter mir. Meine ToDo-Liste für heute war lang, aber ich ziemlich groggy und reif fürs Sofa. Keine gut Kombination! Den Garten wollte ich auf Vordermann bringen. Was sollen schießlich die Nachbarn (und Klienten) denken, wenn das Unkraut langsam aber sicher die Oberhand gewinnt? So fing ich an, im Garten zu wuseln. Irgendwie lustlos und oberflächlich. Wieso den Löwenzahn ausstechen? Den oberen Teil, der ihn enttarnt als solchen enttarnt, abzurupfen geht doch viel einfacher und vor allem schneller. Dann sieht alles auch gleich weniger verwildert aus. Aber dann musste ich an die Geschichte von Herrn Rech denken. Und an die Frage, welchen Preis ich zu zahlen bereit bin, um ein Lob (oder zumindest kein abfälliges Kopfschütteln) meiner Mitmenschen zu erhalten. Mir schwirrt der Satz „Wer einen Garten hat, muss sich auch drum kümmern!“ im Kopf herum. Und ich denke mir, dass der Satz „Wer einen Körper hat, muss sich auch drum kümmern!“ mindestens genauso wahr ist. In diesem Sinne entscheide ich mich heute, dem Unkraut noch ein paar Lebenstage zu schenken und den Staubmäusen unter dem Sofa eine letzte Chance einzuräumen, um von selbst zu verschwinden. Und ich? Ich gönne mir jetzt eine Runde Bewegung und danach eine große Tasse Milchkaffee. Und heute Abend Erholung auf dem Sofa mit allem, was so dazu gehört. In diesem Sinne: Euch allen ein super gutes Wochenende mit euch selbst gegenüber wohlwollenden Entscheidungen!

„The biggest loser“, auf Deutsch: der größte Verlierer – was für ein Wortspiel! Gemeint ist die angestrebte 180°-Transformation vom stark übergewichtigen Außenseiter zum idealgewichtigen attraktiven Idol aller Abnehmwilligen.
Beim Bügeln schaue ich den Kandidaten gerne ein wenig zu. Es motiviert mich, Menschen zu sehen, die deutlich mehr auf den Hüften haben als ich, die es aber dennoch schaffen, durch konsequente Ernährung und viel Bewegung abzunehmen. Das beeindruckt mich und ich denke mir: Was die schaffen, das schaffe ich auch!
Nur leider kann man schlecht Äpfel mit Birnen vergleichen: Die Kandidaten von „The biggest loser“ leben ein Inseldasein: Sie haben Personal Trainer an ihrer Seite, die sie herausfordern und anfeuern. Ihr ganzer Alltag ist auf Sport und gesunde Ernährung ausgelegt. Versuchungen in Form von Chips, Schokolade und übervollen Tellern sind fern – oder zumindest deutlich ferner, als sie es daheim wären. Sie sind umgeben von Gleichgesinnten – und einem Fernsehteam, das sie auf Schritt und Tritt filmt. Diese idealen Rahmenbedingungen hat im echten Leben wohl niemand. Denn mal unter uns: Am fehlenden Wissen um die Bedeutung gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung mangelt es wohl den wenigsten Abnehmwilligen.
So sehr ich auch motiviert bin, mir am nächsten Tag die Laufschuhe zu schnappen und eine Runde joggen zu gehen, so merke ich auch: Das, was da gezeigt wird, ist nur die halbe Wahrheit. Sport und Ernährung regeln nicht alles; vieles hat mit inneren Prozessen zu tun. Viele der Snacks, die den Weg in unseren Mund finden, sollen nicht den Magen füllen, sondern die Seele. Sie sind Belohnung für kleine und größere Alltagserfolge und Schokolade der Weg zum ersehnten Glücksgefühl. Dieser Gedanke wurde noch verstärkt, als eine Bekannte mir das Bild einer TBL-Finalistin aus den USA schickte. Meine Bekannte schwärmte davon, wie toll die Frau jetzt aussah. Ich aber sah eine Frau, die tendenziell untergewichtig war, definitiv zu viel in zu kurzer Zeit abgenommen hatte … und, so meine Befürchtung, von einem ins andere Extrem gegangen war: vom Essen gegen Kummer zum Hungern für Beachtung.

Fühl mal:
Kennst du das auch: Essen als Mittel gegen Traurigkeit?

Wer die TV-Krimiserie „Monk“ kennt, kennt wahrscheinlich auch die Aussage „Es ist ein Segen – und ein Fluch!“ Die Rede ist von Adrian Monks diversen psychischen Störungen. Neben unzähligen Phobien ist da vor allem seine Zwangsstörung zu nennen. Natürlich ist diese hinderlich für seinen Alltag, sodass er neben psychotherapeutischer Hilfe zusätzlich noch auf die Unterstützung seiner persönlichen Assistentin angewiesen ist. Ihre Aufgabe ist es, alles Angstmachende bestmöglich von Monk fernzuhalten. Auf der anderen Seite ist es gerade seine Störung, die dazu führt, dass er sofort bemerkt, wenn etwas nicht in Ordnung ist: Durch seinen Hang zur Ordnung und zu klaren Strukturen erweckt all das seine Aufmerksamkeit, was diesem System zuwider ist. Diese „Macke“ beschert ihm eine überdurchschnittlich hohe Aufklärungsrate, weshalb ihn die Polizei von San Francisco gerne als freien Berater hinzuzieht.
Ich finde es spannend zu sehen, wie im Fall von Adrian Monk etwas vermeintlich Negatives dennoch einen positiven Nebeneffekt haben kann. Natürlich bin ich deshalb nicht erpicht darauf, im Laufe meines Lebens an einer Zwangsstörung zu erkranken. Genauso wenig würde ich jemandem mit einer Zwangsstörung dazu raten, nicht daran zu arbeiten, um den Leidensdruck zu minimieren. Aber diese – zugegeben fiktive – Geschichte ermutigt mich, nach dem Guten im Negativen zu suchen. Dabei kommt mir eine Frau in den Sinn, die schwere depressive Episoden hinter sich hat und nun viel von ihrer Zeit und Energie investiert, um andere Menschen mit der gleichen Diagnose zu unterstützen, Aufklärungsarbeit leistet, Vorurteile abzubauen versucht.

Und du?
Segen und Fluch – wo wünschst du dir, das Gute im Hinderlichen wahrnehmen zu können?