Es ist gerade ein paar Wochen her, dass eine Klientin sich nach der ersten Stunde beklagte, dass ich ihr keinen 3-Schritte-Plan gebe, wie sie ihre Situation verändern kann. So ein offen ausgesprochenes „Ich bin sauer, dass Sie nicht …“ ist erst mal nicht ohne. Auf der anderen Seite ist es einfach nur gut. Es hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, mein Grundverständnis von Coaching und Therapie noch mal bewusst zu formulieren.

schmetterlingDenn ja, ich habe diverse Weiterbildungen gemacht, kenne mich im ICD-10 aus (zumindest was den F-Bereich angeht), hab mir im Laufe der Zeit einen „Werkzeugkoffer“ zusammengestellt, mich mit VORWÄRTSLEBEN selbstständig gemacht. Aber trotz allem glaube ich fest daran, dass jeder der Experte seines eigenen Lebens ist. Ich bin auf dieser Reise primär ein Wegbegleiter, der – selbstverständlich mit allem Fachwissen im  Hinterkopf – Raum gibt, Fragen stellt, Impulse setzt, ermutigt. Die Verantwortung bleibt die ganze Zeit beim Klienten.

Frage an dich: Was erwartest du von einem guten Therapeuten oder Coach?

„You don’t know if the plan doesn’t work if you’re not working the plan.“ Über diesen Satz bin ich kürzlich in einem Buch gestolpert. Die Autoren von „The 12 week year“ führen aus, dass es wichtig ist zu unterscheiden, ob etwas keinen Erfolg hat, weil das Projekt falsch angegangen wurde, es also Fehler im Plan gab, oder aber weil der Plan nicht richtig und vor allem bis zum Ende umgesetzt wurde. Denn je nachdem, was der Grund war, muss unterschiedlich darauf reagiert werden.

Beim Lesen fühlte ich mich ertappt: Ich habe schon oft erklärt, dass „das“ einfach nicht funktioniert. Vielleicht für andere, aber nicht für mich. Wenn ich ehrlich bin, habe ich bei der Umsetzung aber auch geschludert, hab Fünfe gerade sein lassen, hab vorher abgebrochen, „weil ja schon jetzt klar ist, dass das nichts wird“. Ich nehme mir vor, in Zukunft ehrlicher zu sein: Die Schuld am Mißerfolg nicht sofort dem Plan zuzuschieben, sondern mich zu fragen, ob ich meinen Teil zum Gelingen beigetragen habe. Oder auch zu sagen, dass mir manche Dinge, wenn ich ganz ehrlich bin, doch nicht wichtig genug sind, als dass ich dafür so viele Opfer bringen möchte.

alltagsMUTKlar stört es mich, wenn mir beim Arzt gesagt wird, dass ich leider zu klein für mein Gewicht bin. Das fühlt sich doof an. Ich mache regelmäßig Sport, ernähre mich vernünftig – der Weg raus wäre vermutlich über noch mehr Sport (wo mir dann aber vermutlich der Spaß bei verloren ginge) und dem Streichen von solchen Dingen wir einem Glas Wein am Abend etc. Und da habe ich gerade keine Lust drauf. Heißt: Nicht den schwarzen Peter anderen zuschieben, sondern dazu stehen, dass mir Wein und Spaß am Sport wichtiger sind als ein BMI im Normbereich.

Meine Entscheidung. Und die kann ich jederzeit ändern, wenn ich möchte. Die Entscheidung (und Verantwortung) liegt ganz bei mir!

Kennt ihr das auch? Es ist Weihnachten und man hat das Gefühl, die Adventszeit ist irgendwie an einem vorbei gerast. „Das war gar nicht adventlich dieses Jahr …“
1310_angstbegrenzungSo ist es mir in den letzten Jahren immer mal wieder gegangen – und das nicht nur in der Adventszeit. Darum habe ich dieses Jahr Ende September mit meiner Familie die Köpfe zusammen gesteckt. Wir haben gemeinsam überlegt, was eine schöne Herbstzeit ausmacht. Da kamen etliche Dinge zusammen: von Spiele- und Bastelnachmittagen über Kerzen anzünden, Igelhaus raus stellen, Kürbisgerichte kochen und Blätterraschelspaziergänge bis zu Gwendolinas Backäpfelchen-Tee (ein Tee, den ich seit meinem ersten Studienjahr jeden Herbst trinke und dabei an die Zeit in meiner ersten WG zurück denke).
Diese Ideen-Liste hängt seither gut sichtbar bei uns im Flur. Wir laufen täglich mehrmals daran vorbei und werden daran erinnert, dass „eine schöne Herbstzeit“ nicht einfach so vom Himmel fällt. Wir können dazu beitragen, dass aus einem 0815-Herbst ein für unser Empfinden richtig schöner Herbst wird. Indem wir dafür sorgen, dass wir die Dinge, die ihn schön machen, nicht im Alltagstrott aus den Augen verlieren.

Am Wochenende war ich auf Weiterbildung. Es ging um das Thema Kontakt: Kontakt zu mir selbst, zu anderen, der Welt. Zwei spannende, bewegende, begeisternde Tage mit viel innerer Klärung. Als ich nach Hause kam, merkte ich, dass ich noch mal Zeit für mich brauche: Einfach noch mal eine Runde aufs Rad schwingen, mich bewegen, den Fahrtwind und die Sonne spüren, die Natur genießen – und ein Eis vom Lieblingseismann hier im Ort. Das Ganze hat nicht viel Zeit in Anspruch genommen, aber richtig gut getan. Auch hierfür braucht es Kontakt: Kontakt zu sich selbst und seinen eigenen Bedürfnissen. In diesem Sinne wünsche ich dir heute einen Tag, in dem du in Kontakt mit dir selbst bist. Und erlebst, wie gut das tut!

Unten in der Praxis sind die Heizungstechniker im Gange. Damit dürfte der größte Lärm und der gröbste Schmutz bald hinter mir liegen. Danach muss „nur noch“ ein Kellerschacht verschlossen, die neuen Fensterbänke montiert und der Boden verlegt werden. Ach ja, und natürlich noch geputzt, ein neuer Schrank aufgebaut und der Rest des Mobiliars wieder rein gestellt werden.

Ja, ich freu mich drauf, wenn alles fertig ist: Wenn das Wohnzimmer wieder nur Wohnzimmer und nicht gleichzeitig Abstellort für die Praxis-Möbel ist. Wenn ich der Staubschicht den Kampf nicht nur ansage, sondern ihn sogar besiege – für mehr als ein paar Minuten oder Stunden bis zum nächsten Renovierungsschritt, der ihn wiederbelebt. Ich freu mich (bzw. hoffe) auf einen Geburtstag ohne Baustelle nächste Woche.

13528925_505446609580066_8105061141671825487_nDenn ich merke, wie mich diese Baustelle stresst. Das hätte ich gar nicht vermutet, wo ich mich doch so auf das Projekt „Praxis-Optimierung“ gefreut habe. Vielleicht liegt es daran, dass ich dieses Mal nicht so viel selbst machen kann. Und dass sich einige Dinge als zeitintensiver herausgestellt haben als gedacht. So ertappe ich mich dabei, wie sich das große „P“ auf meiner Stirn breit macht: Panik. Werde ich ab Montag wieder ganz normal Klienten da haben können? Diese Woche war es einfach zu staubig, zu stickig, zu stinkig und so musste ich auf Geh-Spräche um den Herrenteich bzw. Coachings in der Bäckerei als Alternativ-Optionen ausweichen.

Die Sache stresst mich und das ist nicht gut. Akzeptieren lautet mein neues Zauberwort. Akzeptieren, was ist. Im Hier und Jetzt sein – nicht nur körperlich, sondern auch mit meinen Gedanken. Früher dachte ich, dass akzeptieren mit kapitulieren gleichzusetzen ist. Mittlerweile bedeutet akzeptieren für mich Frieden schließen mit dem, was ist. Verantwortung für mich selbst und meine Gefühle übernehmen. Und natürlich schließt es nicht aus, mich hinzusetzen und einen guten Schlachtplan für die nächsten Tage auszuarbeiten. Eigenverantwortung übernehmen statt mich ohnmächtig den negativen Gefühlen hinzugeben. Für die Zukunft planen, aber nicht in ihr leben. Und wirklich wahr: Mir geht es gleich bedeutend besser. Mitten im Lärm und Staub.

Ich gehöre zur Spezies „nicht perfekter Mensch“ – und noch dazu zu der Sorte „psychotherapeutisch arbeitender Mensch“. Wahrscheinlich hat mich gerade deshalb der Vortrag von Tanja so angesprochen – und spornt mich an, auf das von ihr beschriebene Ziel hinzuarbeiten. Aber lest selbst – und lasst mich wissen, was euch wichtig ist/wäre. Hier der Link zum Artikel:

http://sonnengrau.blogspot.de/2015/10/mein-vortrag-zum-thema-die_12.html

Schon seit Monaten hatte ich mich auf den 04. Juli gefreut. Ich hatte mich vorbereitet und war gewillt, Regen, Wind und Kälte zu trotzen. Kurzum: Ich war bereit für den Women’s Run in Hamburg!
Aber dann kam sie – und mit ihr hatte ich nicht gerechnet: die Hitze. 36 Grad im Schatten sollte es werden, der Lauf war für 15 Uhr angesetzt und kurz vorher sagte dann auch noch meine Laufpartnerin ab.
In mir tobte ein Kampf: ein Kampf zwischen Ehrgeiz und Vernunft. Ich hatte mich gefreut, trainiert, konnte es schaffen und ja, ich wollte es mir beweise, wollte nicht kneifen. Auf der anderen Seite wusste ich, dass 36 Grad kein Pappenstiel und 15 Uhr eine denkbar ungünstige Startzeit ist. Zudem würde ohne Laufpartnerin an meiner Seite mein Ehrgeiz ziemlich sicher die Oberhand gewinnen. Heißt konkret: Ich würde mein normales Tempo laufen, nicht runter drosseln – oder erst, wenn ich kurz vorm Kollabieren bin. Die Argumente flogen in meinem Kopf wie Tischtennisbälle hin und her. Ich wusste nicht, was ich tun soll.
Am Ende kam mir das mit dem „das eigene Spiel gewinnen“ in den Sinn. Und so erklärte ich genau das zu meinem vornehmlichen Ziel. Das Ende vom Lied war eine maßgeschneiderte Lösung, bei der ich meinem obersten Ziel („Ich werde gut für mich sorgen!“) treu geblieben bin und so mein Spiel gewonnen habe. Und das ohne meinen Ehrgeiz abzutöten! Ich lief gleich morgens früh, als es noch vergleichsweise kühl war, meine Runde. Dann fuhr ich nach Hamburg, um mir meine Belohnung abzuholen: das pinke Motto-Shirt, auf das ich es abgesehen hatte.
Am Ende des Tages war ich glücklich: Ich war mir selbst treu geblieben, bin nicht gestartet – und habe doch gesiegt.

Eine in vieler Hinsicht intensive Woche liegt hinter mir. Meine ToDo-Liste für heute war lang, aber ich ziemlich groggy und reif fürs Sofa. Keine gut Kombination! Den Garten wollte ich auf Vordermann bringen. Was sollen schießlich die Nachbarn (und Klienten) denken, wenn das Unkraut langsam aber sicher die Oberhand gewinnt? So fing ich an, im Garten zu wuseln. Irgendwie lustlos und oberflächlich. Wieso den Löwenzahn ausstechen? Den oberen Teil, der ihn enttarnt als solchen enttarnt, abzurupfen geht doch viel einfacher und vor allem schneller. Dann sieht alles auch gleich weniger verwildert aus. Aber dann musste ich an die Geschichte von Herrn Rech denken. Und an die Frage, welchen Preis ich zu zahlen bereit bin, um ein Lob (oder zumindest kein abfälliges Kopfschütteln) meiner Mitmenschen zu erhalten. Mir schwirrt der Satz „Wer einen Garten hat, muss sich auch drum kümmern!“ im Kopf herum. Und ich denke mir, dass der Satz „Wer einen Körper hat, muss sich auch drum kümmern!“ mindestens genauso wahr ist. In diesem Sinne entscheide ich mich heute, dem Unkraut noch ein paar Lebenstage zu schenken und den Staubmäusen unter dem Sofa eine letzte Chance einzuräumen, um von selbst zu verschwinden. Und ich? Ich gönne mir jetzt eine Runde Bewegung und danach eine große Tasse Milchkaffee. Und heute Abend Erholung auf dem Sofa mit allem, was so dazu gehört. In diesem Sinne: Euch allen ein super gutes Wochenende mit euch selbst gegenüber wohlwollenden Entscheidungen!