2015-01-05Ich bin ein kreativer Mensch. Nicht in dem Sinne, dass ich große Kunstwerke erschaffe, für die Kunstkenner aus aller Welt mir die Bude einrennen. Meine Kreativität zeigt sich im Alltag: in kleinen und größeren Basteleien sowie in meiner naiv-unprofessionellen, aber dafür meist recht farbenfrohen Malerei. Ohne diese Dinge wäre ich nur ein halber Mensch.
Das mit der Malerei fing vor gut zehn Jahren an. Ich hatte gerade mein Studium beendet und Freunde schenkten mir zum bestandenen Examen einen Satz Acrylfarben und ein paar kleinere Leinwände. Die Farben wurden ein paar Mal benutzt, vor allem aber wurden sie umgezogen: von Hessen nach Thüringen, von dort nach Schleswig-Holstein, dann weiter nach NRW, nur um schlussendlich doch wieder in Schleswig-Holstein zu landen. Und schließlich ausgepackt zu werden! Ich fing wieder an zu malen. Keine Menschen, Landschaften, Tiere – nichts Gegenständliches. Stattdessen male ich, was in mir ist. Dazu braucht es keinerlei Wissen um Proportionen, sondern lediglich Farbe, Pinsel, Leinwand, Zeit und vor allem die innere Bereitschaft, in sich reinzuspüren.
Meine Bilder nenne ich gerne Seelenbilder. Sie sind Ausdruck dessen, was mich im Moment des Malens bewegt. Ich komme bei mir an, finde Ruhe. Wenn das Bild fertig ist, bin auch ich meistens „durch“: Eine Frage hat sich geklärt, Gefühle haben sich sortiert und ich kann einen Punkt setzen.
Manche dieser Bilder landen an den Wänden unseres Hauses, die meisten jedoch werden erst einmal zur Seite gelegt – teilweise um sie aufzubewahren, teilweise aber auch, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zu übermalen. Denn wie gesagt: Sie sind nicht für Ausstellungen gemacht, sondern als eine Art Psychohygiene, als Medizin, wenn man so will. Es ist eine wohlschmeckende, wirksame, farbenfrohe, lebendig machende Medizin. Sie schafft es, Dinge nach außen zu bringen, die sonst womöglich auf ewig in mir verborgen blieben: Gefühle, Bedürfnisse, Wünsche, Ängste.

Buchtipp:
„Der Gefühls- und Bedürfnisnavigator: Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen“ von Gerlinde R. Fritsch, Jungfermann-Verlag

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