„Bist du dabei?“ Als ich diese Frage auf der Homepage von Radio Sonnengrau las, war es, als wäre sie direkt an mich gerichtet. Aber ich und ein 10-Kilometer-Lauf – passt das?
MUTanfallIch verfrachtete den Gedanken in eine der hintersten Schubladen meines Gehirns. Aber er kletterte immer wieder raus. Mit Aussagen wie „ich bin zu langsam“, „nicht fit genug“ oder auch einem ganz platten „mit knallrotem Kopf herumzulaufen wäre einfach zu peinlich“ versuchte ich, ihn wieder auf seinen Platz zu verweisen, in besagte Schublade, ganz hinten in meinem Gehirn. Aber er war eine echte Nervensäge, kletterte Mal um Mal wieder raus. Was also tun?
Wenn ich wirklich mitmachen würde, dann würde ich damit eine tolle Arbeit unterstützen: eine monatliche Radio-Sendung rund um die Thematik Depression und psychische Gesundheit. Mit einem Mal legte sich ein Schalter in meinem Gehirn um und dem Aber stellte sich ein Aber entgegen: Es sind noch über drei Monate Zeit. Ich kann es schaffen. Ein roter Kopf mag peinlich sein, ist aber kein Weltuntergang. Ich möchte es machen! Ein erster Mut-Anfall, wenn auch ein kleiner. Denn noch war die Sache geheim: Niemand wusste davon. Es war unverbindlich, denn ich konnte meine Entscheidung jederzeit ändern. Also machte ich es verbindlich, meldete mich an und erzählte anderen davon. Mut-Anfall Nummer zwei. Schon deutlich größer.
Seither laufe ich dreimal die Woche. Und mache tolle Erfahrungen: genieße die Natur, werde schneller (noch immer Schnecken-Modus, aber etwas schneller und weniger kurzatmig) und erlebe erste Flow-Gefühle. Ich brauche keine Ermutigung, um die Laufschuhe anzuziehen, denn das Laufen selbst ist Ermutigung. Alles Dinge, die ich ohne die Entscheidung zur Teilnahme nicht erlebt hätte.
Aber auch beim Laufen brauche ich immer wieder Mut: Mut, um mein Tempo zu laufen (so peinlich-langsam es auch sein mag); Mut, meine Grenzen zu achten (und rechtzeitig aufzuhören, bevor der Spaß flöten geht); Mut, um neue Strecken zu laufen (mit mehr Steigungen oder aber Leuten, die mich mit meinem feuerroten Kopf sehen). 10 Kilometer am Stück ist ein Ziel, für das ich noch ein Fernglas brauche. Aber ich bin unterwegs. Und ich werde es schaffen. Wahrscheinlich im Schneckentempo. Höchstwahrscheinlich mit knallrotem Kopf. Aber ich bin dabei – für Radio Sonnengrau, aber genauso für mich. Ich bin dabei – und das ist alles, was zählt!

Film-Tipp:
Schon mal den Film „Whale Rider“ gesehen? Ein toller Film über ein mutiges Mädchen, das ungeachtet aller Widerstände seinen Weg geht. Lohnenswert und inspirierend!

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