Als Kind habe ich gerne Dr. Brinkmann & Co. beim Dienst in der Schwarzwaldklinik zugeschaut. Es war klar: Egal wie verzwickt der Fall auch sein mochte, am Ende wendete sich alles stets zum Guten. Die Patienten wurden als geheilt entlassen. Und sollte das ausnahmsweise einmal nicht der Fall sein, dann ging es ihnen zumindest psychisch gut: Sie wurden von den Ärzten und Pflegern wahrgenommen, getröstet, aufgerichtet und konnten so mit neuer Perspektive und ganz viel Mut die Klinik verlassen.
Als eine Bekannte mir kürzlich gestand, dass sie gerne den Bergdoktor sieht, musste ich innerlich (und womöglich sogar äußerlich) grinsen. „Du schaust solche Heile-Welt-Filme?“ Ich war erst einmal überrascht – das hatte ich von dieser gestandenen Powerfrau gar nicht erwartet. Auf der anderen Seite tun solche Formate einfach gut. Man identifiziert sich mit den Patienten und erlebt Sicherheit, Geborgenheit. Das tut unserer Seele gut. Punkt.
Die Realität sieht leider oft anders aus. Ich selbst habe sie wiederholt live erlebt: engagierte Pflegekräfte ebenso wie ermüdete, die nicht mehr und im Idealfall auch nicht weniger als Dienst nach Vorschrift machen; Ärzte, die genau hingucken, nachfragen, da sind, aber auch diejenigen, die einen wie eine Nummer behandeln. Letztere bleiben einem leider meist weitaus länger in Erinnerung.
Ich bin mir voll und ganz der Tatsache bewusst, dass wir in keiner perfekten heilen Welt leben. Eine Realität, die ich am liebsten ausblenden würde, aber nicht kann. Denn ich begegne ihr tagtäglich aufs Neue – und bin selbst Teil davon. Trotzdem – oder vielleicht auch gerade deshalb – will ich mein Bestes tun, ein bisschen „Schwarzwaldklinik“ in diese Welt zu tragen. Mein ganz persönlicher Traum? In ein paar Jahren in Arztpraxen und Kliniken Workshops zum Thema „Umgang mit Patienten“ anzubieten. Jeder einzelne Mitarbeiter, ganz gleich ob Reinigungskraft oder Chefarzt, kann einen Beitrag dazu leisten, dass es den Patienten besser geht. Ich möchte sie auf ihre Möglichkeiten hinweisen, aber auch davon erzählen, welche Folgen es haben kann, den Blick für den Einzelnen zu verlieren. Ich habe mittlerweile zu viele Geschichten von Menschen gehört, die Arztpraxen und Kliniken traumatisiert verlassen haben. Das muss ein Ende haben – oder zumindest weniger werden. Das ist mein ganz persönlicher, ganz riesengroßer Wunsch!

Erinnere dich:
Wo hast du es erlebt, dass jemand dich und deine Situation wahrgenommen hat?
Was hat das mit dir gemacht?

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