Ich bin schon seit dem Start von Radio sonnengrau im Frühling 2014 ein Fan dieser Arbeit. Das dürfte euch nicht entgangen sein, so oft, wie ich darüber geschrieben habe … 🙂

Seit diesem Monat bin ich nun auch offiziell Teil des Redaktionsteams und freue mich, in diesem Rahmen meine beiden großen Leidenschaften Schreiben und Psyche unter einen Hut bringen zu können!

Radio sonnengrau macht eine tolle Arbeit. Nicht umsonst ist die Deutsche Depressionsliga ihr neuster Kooperationspartner. Und nicht umsonst hat die Sendung ein Beratungsstipendium von startsocial erhalten und ist Träger des DGPPN-Antistigma-Preises 2014.

Wer Radio sonnengrau wider Erwarten noch nicht kennt: Hier geht es zum brandneuen Imagefilm:
https://www.youtube.com/channel/UCWmS1UZ1-g0ba3bRc9IUEFw

2015-01-05Ich bin ein kreativer Mensch. Nicht in dem Sinne, dass ich große Kunstwerke erschaffe, für die Kunstkenner aus aller Welt mir die Bude einrennen. Meine Kreativität zeigt sich im Alltag: in kleinen und größeren Basteleien sowie in meiner naiv-unprofessionellen, aber dafür meist recht farbenfrohen Malerei. Ohne diese Dinge wäre ich nur ein halber Mensch.
Das mit der Malerei fing vor gut zehn Jahren an. Ich hatte gerade mein Studium beendet und Freunde schenkten mir zum bestandenen Examen einen Satz Acrylfarben und ein paar kleinere Leinwände. Die Farben wurden ein paar Mal benutzt, vor allem aber wurden sie umgezogen: von Hessen nach Thüringen, von dort nach Schleswig-Holstein, dann weiter nach NRW, nur um schlussendlich doch wieder in Schleswig-Holstein zu landen. Und schließlich ausgepackt zu werden! Ich fing wieder an zu malen. Keine Menschen, Landschaften, Tiere – nichts Gegenständliches. Stattdessen male ich, was in mir ist. Dazu braucht es keinerlei Wissen um Proportionen, sondern lediglich Farbe, Pinsel, Leinwand, Zeit und vor allem die innere Bereitschaft, in sich reinzuspüren.
Meine Bilder nenne ich gerne Seelenbilder. Sie sind Ausdruck dessen, was mich im Moment des Malens bewegt. Ich komme bei mir an, finde Ruhe. Wenn das Bild fertig ist, bin auch ich meistens „durch“: Eine Frage hat sich geklärt, Gefühle haben sich sortiert und ich kann einen Punkt setzen.
Manche dieser Bilder landen an den Wänden unseres Hauses, die meisten jedoch werden erst einmal zur Seite gelegt – teilweise um sie aufzubewahren, teilweise aber auch, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zu übermalen. Denn wie gesagt: Sie sind nicht für Ausstellungen gemacht, sondern als eine Art Psychohygiene, als Medizin, wenn man so will. Es ist eine wohlschmeckende, wirksame, farbenfrohe, lebendig machende Medizin. Sie schafft es, Dinge nach außen zu bringen, die sonst womöglich auf ewig in mir verborgen blieben: Gefühle, Bedürfnisse, Wünsche, Ängste.

Buchtipp:
„Der Gefühls- und Bedürfnisnavigator: Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen“ von Gerlinde R. Fritsch, Jungfermann-Verlag

Ein Sprichwort besagt, dass Mut nichts anderes ist als Angst, die gebetet hat. Man könnte auch sagen, Mut ist überwundene Angst. Denn ohne Angst kein Mut.
Was Mut ist bzw. Angst macht, ist individuell sehr verschieden: Was für den einen Kinderkram ist, ist für den anderen eine riesige Herausforderung – und umgekehrt. Jeder Mensch hat seine ganz persönliche Komfortzone – und seine ganz eigenen Angstthemen. Aus genau diesem Grund lässt sich auch Mut nicht pauschal definieren.
Hast du dir schon mal überlegt, dass nicht jeder, der scheinbar mutige Dinge tut, auch wirklich mutig ist? Nämlich dann nicht, wenn die Dinge, die er tut, zwar dir Mut abverlangen würden, ihm aber nicht. Genauso mag jemand auf dich wie ein Angsthase wirken, dabei hat er sich gerade als Angstbezwinger bewährt – nur eben in einem Lebensbereich, den du nicht beachtest, weil er dir keine Angst einflößt.
Angst hat ganz viel mit Ungewissheit zu tun: Was erwartet mich? Wird es mir gelingen? Was wäre, wenn ich scheitere? Die Erfahrung zeigt, dass die größte Gefahr jedoch nicht in der Realität lauert, sondern in unseren Köpfen: in unseren Gedanken und den oftmals an den Haaren herbeigezogenen Horrorszenarien, die wir in Stephen King-Perfektion in unserem hauseigenen Kopfkino kreieren. Das Problem dabei ist folgendes: Wenn wir uns beständig von Angst leiten lassen, werden wir nur wenig Neues erleben. Oder anders formuliert: Viel Positives wird uns entgehen. Wir leben Stillstand oder legen sogar den Rückwärtsgang ein, anstatt vorwärtszuleben. Und das wäre wirklich jammerschade!

2010_angstherausforderungProbier es aus:
Suche dir für diese Woche ein Angst-überwinde-Mut-Projekt aus. Stelle dir dazu vorab folgende Fragen:
1. Wo möchte ich meine Grenzen bewusst erweitern?
2. Mit welchem Ziel?
3. Welche Unterstützung brauche bzw. wünsche ich mir dafür?
4. Wie könnte ich mich anschließend dafür belohnen?

PS: Unterstützung bei deinem Angst-überwinde-Projekt gesucht? Dann nimm gerne Kontakt mit mir auf: kontakt@wortbeweger.de.

„Und Action!“ Erlebnis-Genießer brauchen Aktivität und andere Menschen, um das Leben zu genießen. Dafür sind sie auch bereit, ab und an ein wenig tiefer in die Tasche zu greifen. Denn oft sind ihre Genusszeiten mit Eintrittsgeldern und Spritkosten verbunden.
Genuss hat viele Gesichter. Für den einen bedeutet es, im Alltäglichen das Besondere wahrzunehmen. Für den Erlebnis-Genießer geht es jedoch vielmehr darum, aus dem Alltag auszubrechen, das Gewohnte hinter sich zu lassen und Neues zu erleben.
Keine Art des Genießens ist einer anderen überlegen. Jede hat ihren ganz besonderen Reiz, wenn die Motivation die richtige ist. Im Falle des Erlebnis-Genießers beispielsweise der Wunsch, Neues zu erleben oder aber die eigene Komfortzone zu verlassen. Wenn der Grund jedoch eine Flucht vor dem Alltag ist, die Aktivitäten in bloßen Aktionismus ausarten, wird das eigentliche Ziel verfehlt: Genuss zu erleben. Daher ist es unabhängig vom persönlichen Genuss-Stil sinnvoll, die eigene Motivation gelegentlich zu hinterfragen: Flüchte ich (Erlebnis-Typ)? Verschanze ich mich in meinen eigenen vier Wänden (Couch-Typ)? Fresse ich meinen Kummer in mich rein (Geschmacks-Typ)? Kann ich mir selbst etwas Besonderes gönnen (Alltags-Typ)?
Für diejenigen, die sich mal als Erlebnis-Genießer versuchen wollen, hier ein paar Ideen für die neue Woche:

4ErlebnisGemeinsam1. Nimm mit Freunden an einem Stadtlauf teil.
2. Verbring mit deinen Kindern einen Tag an einem Ort, der dir selbst als Kind viel bedeutet hat.
3. Lade Freunde zu einem spätsommerlichen Picknick im Park ein. Mit genügend Proviant, Volleyball, Gitarre und ein paar Wolldecken könnt ihr den Tag in aller Ruhe ausklingen lassen.
4. Mach etwas, wozu dir bisher der Mut gefehlt hat: Anmeldung zum VHS-Malkurs, Fallschirmsprung, neuer Look, Unbekannte ansprechen – deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!
5. Animiere deine Freunde dazu, mit dir zusammen etwas Neues auszuprobieren: ein anderes Restaurant, das Erlebnisbad in der Nachbarstadt, Ü30-Party statt Kunstausstellung …
6. Sattelt den Drahtesel und dann raus in die Natur: Radtour durch den Wald, Schlammschlacht, Übernachtung auf der Wiese, Baden im kühlen See. Egal was, Hauptsache raus und gemeinsam etwas erleben und frische Luft schnappen!
7. Entwickle eine jährliche Tradition: Besuch im Freilichttheater mit Freunden, großes Familienfest oder aber Garten-winterfest-mach-Aktion mit Freunden: Jeder hilft einen Tag lang den anderen und zur Belohnung gibt es danach vom Gartenbesitzer ein leckeres Abendessen spendiert.

Was ist Genuss – und wie geht das eigentlich: genießen? Die Antworten auf diese Fragen sind so vielfältig wie die Menschen, denen man sie stellt. Klar ist, dass Genuss viel damit zu tun hat, Dinge bewusst im Jetzt wahrzunehmen und zu erleben.
„Die große deutsche Genuss-Studie 2004“ definiert vier Arten von Genießern: den Geschmacks-, den Couch-, den Erlebnis- sowie den Alltags-Genießer. Wobei der Übergang von einem Typ zum anderen zum Teil fließend ist.
Dass Essen und Trinken ein Genuss sein können, hast du sicher selbst schon erlebt. Oft verkommt die Nahrungsaufnahme im Alltag aber zum Mittel zum Zweck: Der Magen muss gefüllt werden, damit der Körper seine Arbeit tun kann. Dafür reicht meist der schnelle Snack zwischen Tür und Angel sowie die vitaminfreie Tiefkühl-Pizza. Mit Genuss hat das jedoch wenig bis nichts zu tun. Aus diesem Grund hier ein paar Tipps, wie du diese Woche ein wenig mehr Genuss in deine Mahlzeiten bringen kannst.

3Geschmack11. Nimm dir Zeit, um in aller Ruhe zu essen.
2. Probiere ein Lebensmittel, das du bisher noch nie zu dir genommen hast. Nimm seinen Geschmack bewusst wahr und sei dabei offen für neue Geschmackserlebnisse.
3. Achte bewusst auf den Geruch der Nahrung, die du zu dir nimmst.
4. Gönne dir, etwas Hochwertiges zu essen.
5. Achte auf die Konsistenz dessen, was du isst. Probiere beispielsweise, wie unterschiedlich ein Gemüse schmeckt, wenn du es roh, gebraten, gedünstet oder gekocht isst.
6. Such dir ein Obst aus und esse es mit allen Sinnen: Fass es an, riech daran, schau es dir von allen Seiten an, achte darauf, was für ein Geräusch es macht, wenn du reinbeißt … und natürlich: schmecke es!
7. Eine alte Redewendung besagt, dass das Auge mitisst. Richte dein Essen auf einem Teller schön an und genieß den Anblick.

Na, schon überlegt, wen ihr diese Woche vielleicht ermutigen könntet? Und wie? Egal ob mündlich, schriftlich oder ganz praktisch: Hauptsache ehrlich, konkret und herzlich. Dann kann eigentlich gar nichts schief gehen!!

Ich wünsche euch eine wunderschöne Woche, in der ihr andere auf eure ganz individuelle Art und Weise ermutigen könnt, aber auch selbst Ermutigung erfahrt.

Der August ist mein Prüfungsmonat. Eine Tatsache, die mir eher Panik- als Jubelschreie entlockt. Vor der dritten von vier Prüfungen war es besonders schlimm: Mein Blick war felsenfest auf das fixiert, was ich noch nicht gelesen bzw. gelernt hatte. Und mein Gehirn war so freundlich, mich an all die Prüfungen zu erinnern, in denen ich in der Vergangenheit versagt hatte. In dieser gedanklichen Abwärtsspirale gefangen, erreichte mich selbst ein noch so nett gemeintes „Mach dir keinen Kopf, das wird schon!“ nicht mehr. Im Gegenteil: Solche Aussagen drückten den Startknopf, der meine extrem gut verinnerlichte „Ich kann dir mindestens 100 gute Gründe nennen, warum es trotzdem schiefgehen wird“-Argumentation in Gang setzte.
Am Tag vor der besagten Prüfung traf ich mich mit einer lieben Bekannten. Ihr klagte ich in aller Ausführlichkeit mein Leid: nächtelang nicht gut geschlafen, Angst vor Blackout, tagsüber renne ich rum wie ein aufgescheuchtes Huhn … Als ich gerade mal eine Millisekunde die Klagelitanei unterbrach, um Luft zu holen, witterte sie ihre Chance. Sie sah mich an und ihr Blick besagte, dass ich mir mit dem Luftholen Zeit lassen könne – jetzt sei sie an der Reihe. Dann legte sie los: ruhig und klar. Was folgte, waren keine pauschalen Ermutigungsversuche à la „Das klappt schon!“ Sie spielte auch nicht die Bedeutung der bevorstehenden Prüfung herunter. Stattdessen spiegelte sie mir, was sie wahrnahm: Sie erinnerte mich an die vergangenen Monate, in denen ich viel gelernt hatte. Sie attestierte mir, dass ich den Inhalt verstanden habe. Etappensiege in Form von kleineren Prüfungen im Vorfeld wurden mir vor Augen gemalt. Ehrlich, wie sie war, benannte sie aber auch meine mich selbst kleinmachenden Aussagen und die sicher nicht sonderlich förderliche Panikmache, die ich betrieb. In all dem war sie herzlich und ehrlich – und dadurch eine enorme Ermutigung. Sie hat mich mit ihren Worten bewegt, war im besten Sinne des Wortes ein WORTBEWEGER.
erMUTigungDiese Situation hat mir noch einmal vor Augen geführt: Echte Ermutigung ist nicht pauschal, sondern konkret, herzlich, ehrlich. Ermutigung tut gut – und wir alle brauchen sie bisweilen!

Mach mal:
Überleg dir, wen du heute ermutigen kannst: nicht pauschal, sondern ganz konkret, individuell, persönlich, handfest. Und dann tu es!