Häufigster Satz, den ich in Coachings oder Therapiestunden höre? “Sie können mir doch bestimmt sagen, was ich tun muss, damit _______ aufhört!” Erwartet wird oft so etwas wie ein Patentrezept, das immer hilft. Und am besten bereits bei einmaliger Anwendung.

Die Sache ist die: Es gibt keine Universallösung, dazu sind wir Menschen zu verschieden und unser Weg, unser Leben zu einmalig. Wer sich über Jahre in bspw. eine Burnout-Situation reinmanövriert hat, wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht von einem Moment auf den nächsten alles ablegen, was ihn in diese Situation gebracht hat.

Ja, es gibt einen Weg raus. Nein, er muss nicht endlos sein. Nein, ich kann ihn nicht für jemand anders gehen. Ja, jeder selbst ist gefragt – und DABEI unterstütze ich wirklich liebend gerne!

Akzeptanz – für mich jahrelang ein echtes Anti-Wort. Für mich war Akzeptanz gleichbedeutend mit sich mit etwas abfinden (obwohl man es eigentlich gerne anders hätte), aufgeben, passiv sein. Heute heißt akzeptieren für mich, Ja zu etwas zu sagen – Ja zu dem, wie es jetzt gerade ist. Und ich merke, wie wichtig das ist.
Wenn ich permanent gegen etwas ankämpfe, dann macht das einfach nur müde. Wenn ich sachlich feststelle: “So ist es gerade und das ist okay!”, dann kann ich von dort aus schauen, wie es weitergehen soll. Manchmal wäre ich gerne jemand anderes. Bin ich aber nicht.
Als ich im Frühling nach mehrjähriger Krankheitspause wieder mit dem Laufen anfing, wäre ich definitv gerne jemand anders gewesen: jemand mit mehr Kondition, weniger rotem Gesicht, vor allem aber weniger Gewicht. Ich hätte darauf warten können, bis ich eine andere bin. Stattdessen habe ich innerlich Ja gesagt zu dem, was gerade der Stand der Dinge ist: wenig Kondition, roter Kopf nach 300 Metern langsamen Einlaufens, defintiv etliche Kilos zu viel auf den Hüften (und nicht nur dort!), Sprints in der Schnelligkeit einer Schildkröte, die durch Erdnussbutter stapft … und hab mir trotzdem meine Laufschuhe angezogen und hab angefangen. Kurze Runden am Anfang, dort, wo sonst niemand unterwegs ist …
Gestern war ich wieder laufen und hab gemerkt, was ein Ja zu sich ausmacht. Ich laufe mittlerweile deutlich längere Distanzen, werde aber noch immer schnell rot, mein “Tempo” hat diesen Namen oft gar nicht verdient, schlanker bin ich auch nicht geworden. Und doch laufe ich ganz anders: befreiter. Ich versuche, meine Vergleichs-Brille möglichst oft abzulegen – und dafür meine Dankbarkeitsbrille aufzusetzen. Ich bin dankbar für so viel mehr Kondition, für den Mut, das “Abenteuer Laufen” angegangen zu sein, für neue Kraft und meinen Körper, der unter “erschwerten” Bedingungen so super mitmacht. Ich glaube, ohne dieses Ja im Frühling wäre so viel anders heute – negativ anders.
Meine Frage an dich: Wo könnte ein “Ich akzeptiere mich so, wie ich bin” (oder für die ganz Mutigen: “Ich umarme, wer ich bin”) das sein, was du gerade brauchst?
PS: Wenn du merkst, dass du in diesem Punkt Unterstützung brauchst, dann melde dich gerne bei mir!

Eine Klientin erzählte mir kürzlich, dass sie früher schlechte Entscheidungen getroffen habe. “Wie konnte ich nur, das war so dumm von mir!” kommentierte sie über sich selbst den Kopf schüttelnd ihre Erzählung. Ich widersprach ihr, was sie irritierte – denn sie hatte ja grundsätzlich recht mit der Aussage, dass die getroffenen Entscheidungen sich als nicht zielführend herausgestellt hatten. Der Punkt ist nur: Wir analysieren die Vergangenheit; wir wissen, wie sich Dinge entwickelt haben; wir sind älter und reifer und ja, auch etwas weiser.

Ich glaube, dass die große Kunst darin besteht, nicht jetzt über damals zu urteilen. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass wir grundsätzlich immer versuchen, die für uns beste Entscheidung zu treffen. Wohlgemerkt in der jeweiligen Situation, mit den uns zur Verfügung stehenden Informationen. Und auch wichtig: Wir treffen die subjektiv beste Entscheidung. Was ich damit meine? Dass wir nicht immer den Kopf entscheiden lassen, sondern weitaus öfter unsere Gefühle. Und das Gefühl, es sich mit Personen, die einem wichtig sind, zu verscherzen, wenn man eine bestimmte, objektiv logische und vielleicht auch gute Entscheidung trifft, kann weit mehr wiegen als alle Möglichkeiten, die sich auftun könnten. Die Sache mit der Taube auf dem Dach und dem Spatz in der Hand. Sicherheit versus Risiko. Wenn der mögliche Verlust einer Beziehung für uns schwerer wiegt als alle Möglichkeiten, die sich auftun könnten, dann ist das in der Situation so und wir entscheiden uns für das, was wichtiger ist. Mit einigen Wochen oder auch Jahren Abstand kann das ganz anders aussehen. Dann ist es vielleicht dran, zu erkennen: Ich habe mich verändert, ich würde heute anders entscheiden. Aber sich selbst für die Entscheidungen der Vergangenheit zu verurteilen, hilft nicht weiter. Am Ende der Stunde atmete die Klientin auf und meinte: “Es tut gut, diese neue Perspektive. Ich kann meine Vergangenheit ganz anders wahrnehmen und habe ein neues Verständnis für mein jüngeres Ich gewonnen.” Wie genial!

„Herr, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast!“ – Die Bibel, Psalm 139,14a

Oft schauen wir – oder ich zumindest – primär auf das, was nicht so ist, wie ich es gerne hätte: Das fängt beim Aussehen an, hört da aber definitiv nicht auf! Wenn ich mit meinen Überzeugungen anecke, wünschte ich manchmal, ich wäre anders – mehr Mainstream, angepasster. Gleichzeitig möchte ich meine Werte etc. auch nicht aufgeben, aber genau das wäre der Preis, den ich zahlen müsste. Was meinen Körper angeht: Da habe ich die letzten Monate viel über mein Gewicht geschimpft. Und merke, wie dieses Makelsuchen auf meine Tochter überschwappt. Deshalb entscheide ich mich fürs Dankbarsein – und lade euch ein, mit einzustimmen ist Dankbarsein dafür, wie ihr gemacht seid: wunderbar und einzigartig! Lasst uns den Blick auf das lenken, was stärkt.

PS: Filmtipp – die Dokumentation „Embrace“ ist absolut sehenswert, wenn es um die Annahme des eigenen Körpers geht!

“Ich darf sein, wie ich bin.”
 
Mag sein – die Frage ist nur, ob ich so sein will, wie ich bin. Gerade heute früh fand ich mich so gar nicht sympathisch. Hab rumgenörgelt, war wenig reflektiert. Später habe ich mich dann dafür fertig gemacht. Dabei weiß ich doch, dass ich diese zickige, unausgeglichene Seite nicht dadurch weg kriege, dass ich sie bekämpfe. Dass es viel besser wäre, sie erst mal als das zu bejahen, was sie ist – eine Seite. Eine von vielen. Und dann zu gucken, was die nörgelnde, unreflektierte Zicke angelockt hat. Um daraus für die Zukunft zu lernen. Zeitdruck ist so ein Lockmittel. Dann gerade wenn ich unter Stress stehe (oder mir selbst Stress mache – das trifft es wohl eher), werde ich unflexibel. Sehe nicht, dass viele Wege nach Rom führen und dass es für so ziemlich jedes Problem eine Lösung gibt. So werde ich mir gleich noch mal Zeit zum Durchatmen gönnen, mich für mein Genörgel entschuldigen und die Situation als Anlass nehmen, in Zukunft dafür zu sorgen, dass ich möglichst wenig Lockmittel in meiner Nähe dulde. Zum Beispiel indem ich mir genügend Pausen gönne.
 
“Ich darf sein, wie ich bin.” Was sind deine Gedanken, wenn du diese Aussage liest?

Dankbarkeit. In meinem letzten Post habe ich ein paar Zeilen dazu geschrieben. Es mag den Eindruck erweckt haben, dass dankbar zu sein ziemlich einfach ist. Weil es so viel gibt, für das man dankbar sein kann.

Ich habe aber auch geschrieben, dass dankbar zu sein eine Entscheidung ist. Ein willentlicher Akt sozusagen. Die Entscheidung, den Blick auf das zu richten, was gut ist – nicht perfekt, nicht wow-mäßig und oft inmitten des so ganz und gar Nichtperfekten.

6-9Also her mit dem positiven Denken? Sich Dinge schön reden? Das ist so gar nicht mein Fall. Warum? Weil es der Wirklichkeit nicht gerecht wird. So erlebe ich es gerade: Kürzlich habe ich zugesagt, ein Projekt zu sponsern. Alles klang gut – eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Ich war happy und habe zugesagt. Im Nachhinein stellte sich die Sache als recht einseitig heraus und leider zähle ich dabei nicht zu den glücklichen Gewinnern. Es war eine Fehlentscheidung, die mich viel gekostet hat – und das auf mehreren Ebenen. Ich war sauer: Sauer auf die Person, die mir das Projekt so ganz anders verkauft hat, als es später umgesetzt wurde. Sauer auf mich selbst, weil ich mich habe blenden lassen. Sauer, weil diese Fehlentscheidung auch andere mittragen müssen.

Diese säuerlichen Emotionen sind da. Bringen sie mich weiter? Nein. Im Gegenteil: Sie machen handlungsunfähig. Und so habe ich die Entscheidung getroffen, dass ich mich zwar ärgern kann, aber ohne im Ärger zu erstarren. Dass ich die Sache reflektieren und daraus lernen werde. Dass ich die Realität  zwar nicht toll finde, sie aber akzeptiere.

6-8Und ja, ich habe mich entschieden, dankbar zu sein: Dankbar dafür, dass ich nach aktuellem Stand aus der Sache zwar als Verlierer raus gehe, die Entscheidung Konsequenzen hat, aber nicht existenziell bedrohlich ist. Dankbar dafür, dass ich Menschen an meiner Seite habe, die die Sache mit tragen. Und dafür, dass ich eben nicht in diesem Ärger, dieser Ohnmacht versacken muss, sondern lernen darf, ohne dabei zu verbittern.

Ist das ein zu persönlicher Post? Ich habe es abgewogen. Das Ergebnis liest du gerade. Die Autorin Brené Brown hat mich daran erinnert, wie viel wir voneinander lernen können – auch und gerade aus den Niederlagen. In diesem Sinne hoffe ich, dass euch meine Erfahrung ermutigt, den Blick vom Problem zur Lösung zu wenden. Gerne unterstütze ich euch dabei – live oder auch online!

www.vorwärtsleben.de

DANKBAR – mit diesem Wort lassen sich die vergangenen Tage gut zusammenfassen:
 
DANKBAR für ein wiedervereinigtes Deutschland und dafür, dass sich mein Freundeskreis aus so vielen ganz unterschiedlichen Menschen aus allen Ecken und Enden des Landes und darüber hinaus zusammen setzt.
 
DANKBAR für ein verlängertes Wochenende mit viel Zeit zum Lesen, für Familie und leckeres Essen.
 
DANKBAR für eine funktionierende Heizung sowie die Erfindung von Wolldecken und Wärmflaschen, für Herbstdeko und Kerzenschein.
 
DANKBAR für Menschen, die mir die ein oder andere Aufgabe abgenommen und obendrein noch leckeren Kräutertee gekocht haben, als ich nicht ganz fit war.
 
DANKBAR für den Mut, auch mal Termine zu verschieben – und das nicht nur, wenn es absolut gar nicht mehr geht, sondern auch, wenn es mir einfach gut tun würde. Und in diesem Zusammenhang DANKBAR für die Erfahrung, dass das in 99% der Fälle gar kein Problem ist.
 
DANKBAR für die Möglichkeit, heute noch mal vom Sofa aus arbeiten, und die Hoffnung, ab morgen wieder normal durchstarten zu können.
 
Dankbarkeit hat viel mit Entscheidung zu tun. Der Entscheidung, auf das Gute im Nichtoptimalen zu schauen. Klappt bei mir nicht immer, aber zum Glück immer öfter. In diesem Sinne: Eine gute Woche dir mit wachen Augen für das Gute!

Ich trage diesen einen großen Wunsch in mir: Es der Welt (und mir selbst) zu beweisen. Die fleißigen Bienchen sind mir ein Vorbild, Pausen werden nur eingelegt, wenn ich merke, dass sie wirklich nötig sind. Schließlich wabert dieser Angstgedanke über mir, ich könnte als faul abgestempelt werden. Mein Motor wird angetrieben von der Hoffnung auf Lob von außen und eben dieser bereits genannten Angst vor Ablehnung, sollte ich die Erwartungen der Leistungsgesellschaft nicht vollumfassend erfüllen.

Jedoch bin ich auch nicht so naiv zu glauben, dass mich dieser Wunsch weiter bringt im Leben. Denn zum einen habe ich meist gar kein so klares Bild davon, wem ich es eigentlich beweisen will, geschweige denn, was es überhaupt zu beweisen gibt. Vor allem aber nicht davon, wie man es beweisen kann oder besser gesagt, wann der Beweis erbracht ist.

P1160911Warum ich das so frei heraus zugeben, mich hier öffentlich „oute“? Zum einen, weil ich damit zeigen will, dass einen die Arbeit im Bereich Coaching und Therapie nicht zum Übermenschen macht, der in der Lage ist, alles theoretische Wissen auch wirklich immer 1:1 in die Praxis umzusetzen. Zum anderen, weil sich für seine Unvollkommenheit zu schämen einen kein bisschen weiter bringt. Im Gegenteil: Man ist nur damit beschäftigt, Masken hoch zu halten, anstatt anderen Menschen zu signalisieren: Hey, wir sitzen alle im gleichen Boot – niemand ist perfekt und niemand muss es sein!

Hier noch ein (englisches) Zitat von Dr. Brené Brown aus ihrem Buch „The Gifts of Imperfection“:

„It [shame] can’t survive being shared. Shame loves secrecy. The most dangerous thing to do after a shaming experience is hide or bury our story. When we bury our story, the shame metastasizes.“

Und an anderer Stelle:

„Owning our story and loving ourselves through that process is the bravest thing that we will ever do.“

In diesem Sinne:

Lasst uns lernen, auch unsere verletzliche, nicht perfekte Seite zu zeigen!

Unten in der Praxis sind die Heizungstechniker im Gange. Damit dürfte der größte Lärm und der gröbste Schmutz bald hinter mir liegen. Danach muss „nur noch“ ein Kellerschacht verschlossen, die neuen Fensterbänke montiert und der Boden verlegt werden. Ach ja, und natürlich noch geputzt, ein neuer Schrank aufgebaut und der Rest des Mobiliars wieder rein gestellt werden.

Ja, ich freu mich drauf, wenn alles fertig ist: Wenn das Wohnzimmer wieder nur Wohnzimmer und nicht gleichzeitig Abstellort für die Praxis-Möbel ist. Wenn ich der Staubschicht den Kampf nicht nur ansage, sondern ihn sogar besiege – für mehr als ein paar Minuten oder Stunden bis zum nächsten Renovierungsschritt, der ihn wiederbelebt. Ich freu mich (bzw. hoffe) auf einen Geburtstag ohne Baustelle nächste Woche.

13528925_505446609580066_8105061141671825487_nDenn ich merke, wie mich diese Baustelle stresst. Das hätte ich gar nicht vermutet, wo ich mich doch so auf das Projekt „Praxis-Optimierung“ gefreut habe. Vielleicht liegt es daran, dass ich dieses Mal nicht so viel selbst machen kann. Und dass sich einige Dinge als zeitintensiver herausgestellt haben als gedacht. So ertappe ich mich dabei, wie sich das große „P“ auf meiner Stirn breit macht: Panik. Werde ich ab Montag wieder ganz normal Klienten da haben können? Diese Woche war es einfach zu staubig, zu stickig, zu stinkig und so musste ich auf Geh-Spräche um den Herrenteich bzw. Coachings in der Bäckerei als Alternativ-Optionen ausweichen.

Die Sache stresst mich und das ist nicht gut. Akzeptieren lautet mein neues Zauberwort. Akzeptieren, was ist. Im Hier und Jetzt sein – nicht nur körperlich, sondern auch mit meinen Gedanken. Früher dachte ich, dass akzeptieren mit kapitulieren gleichzusetzen ist. Mittlerweile bedeutet akzeptieren für mich Frieden schließen mit dem, was ist. Verantwortung für mich selbst und meine Gefühle übernehmen. Und natürlich schließt es nicht aus, mich hinzusetzen und einen guten Schlachtplan für die nächsten Tage auszuarbeiten. Eigenverantwortung übernehmen statt mich ohnmächtig den negativen Gefühlen hinzugeben. Für die Zukunft planen, aber nicht in ihr leben. Und wirklich wahr: Mir geht es gleich bedeutend besser. Mitten im Lärm und Staub.