Die Macht der kleinen Schritte: Darüber rede ich mit vielen Klienten. Klar will man gerne schnell viel verändern, bewegen, Erfolge sehen. Gleichzeitig überfordert man sich damit oft bzw. einem geht bei zu schnellem Tempo rasch die Luft aus. Die Motivation bleibt auf der Strecke, man legt den guten Vorsatz beiseite, ist enttäuscht, weil “man es einfach nicht hinkriegt”.
Gerade lese ich “Slight edge” von Jeff Olsen. Ein zugegebenermaßen recht “amerikanisch” angehauchtes Buch, was den Stil angeht. Wer darüber hinwegsehen kann, wird aber viele gute Impulse mitnehmen. Ein wichtiger Punkt: die Kraft der kleinen täglichen Schritte. Als Beispiel: Statt sich vorzunehmen, “irgendwann mal” ein Buch zu lesen, das einen weiterbringen würde – persönlich, fachlich … -, einfach jeden Tag 10 Seiten zu lesen. Klingt nicht viel, macht man es aber jeden Tag, hat man innerhalb eines Monats ein 300-Seiten-Buch gelesen. Das Tolle dabei: 10 Seiten zu lesen, das ist kein großes Ding. Das kann man schaffen – problemlos. Es ist dann einfach die eigene Entscheidung: Will ich es? Es ist leicht zu tun, aber auch leicht, nicht zu tun. Ich entscheide. Jeden Tag neu.
Akzeptanz – für mich jahrelang ein echtes Anti-Wort. Für mich war Akzeptanz gleichbedeutend mit sich mit etwas abfinden (obwohl man es eigentlich gerne anders hätte), aufgeben, passiv sein. Heute heißt akzeptieren für mich, Ja zu etwas zu sagen – Ja zu dem, wie es jetzt gerade ist. Und ich merke, wie wichtig das ist.
Wenn ich permanent gegen etwas ankämpfe, dann macht das einfach nur müde. Wenn ich sachlich feststelle: “So ist es gerade und das ist okay!”, dann kann ich von dort aus schauen, wie es weitergehen soll. Manchmal wäre ich gerne jemand anderes. Bin ich aber nicht.
Als ich im Frühling nach mehrjähriger Krankheitspause wieder mit dem Laufen anfing, wäre ich definitv gerne jemand anders gewesen: jemand mit mehr Kondition, weniger rotem Gesicht, vor allem aber weniger Gewicht. Ich hätte darauf warten können, bis ich eine andere bin. Stattdessen habe ich innerlich Ja gesagt zu dem, was gerade der Stand der Dinge ist: wenig Kondition, roter Kopf nach 300 Metern langsamen Einlaufens, defintiv etliche Kilos zu viel auf den Hüften (und nicht nur dort!), Sprints in der Schnelligkeit einer Schildkröte, die durch Erdnussbutter stapft … und hab mir trotzdem meine Laufschuhe angezogen und hab angefangen. Kurze Runden am Anfang, dort, wo sonst niemand unterwegs ist …
Gestern war ich wieder laufen und hab gemerkt, was ein Ja zu sich ausmacht. Ich laufe mittlerweile deutlich längere Distanzen, werde aber noch immer schnell rot, mein “Tempo” hat diesen Namen oft gar nicht verdient, schlanker bin ich auch nicht geworden. Und doch laufe ich ganz anders: befreiter. Ich versuche, meine Vergleichs-Brille möglichst oft abzulegen – und dafür meine Dankbarkeitsbrille aufzusetzen. Ich bin dankbar für so viel mehr Kondition, für den Mut, das “Abenteuer Laufen” angegangen zu sein, für neue Kraft und meinen Körper, der unter “erschwerten” Bedingungen so super mitmacht. Ich glaube, ohne dieses Ja im Frühling wäre so viel anders heute – negativ anders.
Meine Frage an dich: Wo könnte ein “Ich akzeptiere mich so, wie ich bin” (oder für die ganz Mutigen: “Ich umarme, wer ich bin”) das sein, was du gerade brauchst?
PS: Wenn du merkst, dass du in diesem Punkt Unterstützung brauchst, dann melde dich gerne bei mir!

Nicht nur hoffen, sondern aktiv mitgestalten: Entscheidungen treffen und handeln. – Wo bist du diese Woche aktiv gewesen und hast dadurch Dinge bewegen können? Wo wäre es in den nächsten Tagen hilfreich, in diesem Sinne aktiv zu werden? Wir dürfen unser Leben aktiv mitgestalten und müssen es nicht rein passiv über uns ergehen lassen – dieser Gedanke macht mich dankbar!

John Strelecky schreibt in seinem neusten Buch, dass er mindestens zweimal die Woche dankbar ist: immer dann, wenn er seinen Müll an die Straße stellt und jemand anders ihn abholt und ordnungsgemäß entsorgt.
Die Müllabfuhr – so etwas Alltägliches, dass wir es kaum noch wahrnehmen. (Vielleicht geht es ja aber auch nur mir so, weil mein Mann für die Müllentsorgung verantwortlich ist?) Es gibt noch viele andere Dinge, die “einfach so, ganz normal” passieren. Der Wochenend-Notdienst der Ärzte beispielsweise … funktionierendes Internet, um mit Freunden skypen zu können, die nicht um die Ecke wohnen …
Frage an euch: Für welche Alltäglichkeit seid ihr heute dankbar? Vielleicht hilft die umgekehrte Frage: Was wäre wirklich ärgerlich, schlimm, traurig etc., wenn es nicht mehr so wäre wie es jetzt ist?

„Ich bin dankbar – nicht weil es vorteilhaft ist, sondern weil es Freude macht.“ – Lucius Annaeus Seneca

Hier seid ihr mit euren Erfahrungen gefragt: Inwieweit hat Dankbarkeit euer Leben bereichert? Wo macht sie einen Unterschied? Erzählt davon – hier in der Gruppe, aber natürlich auch super gerne euren Freunden und Bekannten. Denn nichts ist so ansteckend, wie gelebte Dankbarkeit. In diesem Sinne eine ansteckende Woche euch!

Gestern Mittag rief meine Tochter an: Sie komme etwas später, denn sie habe zusammen mit einem Freund einer jungen Mutter mit Baby geholfen. Die stand am Bahnhof, der Fahrstuhl war (mal wieder!) kaputt und sie kam mit dem Kinderwagen nicht die steile Treppe rauf. Also haben die beiden sich den Kinderwagen geschnappt und ihn für sie getragen – Fünftklässler! Scheinbar war niemand anders da oder bereit, der Frau zu helfen. Mein erster Gedanke, als ich das hörte: Was hätte da passieren können! Die Treppe ist wirklich nicht ohne … Dann der Nachsatz: “Mama, ich soll dir von der Frau übrigens was ausrichten. Sie meinte, dass unsere Eltern ganz offensichtlich etwas richtig gemacht haben bei unserer Erziehung – das soll ich dir unbedingt sagen!”
Warum schreibe ich das? Weil es mir so unglaublich gut getan hat, dieses Feedback. Ich weiß, ich bin nicht perfekt – gefühlt ziemlich weit davon entfernt, um genau zu sein. Aber dass die beiden angepackt haben, ganz selbstverständlich, das finde ich klasse! Und zu hören, wie sie damit den Tag für diese Mutter bereichert haben, das finde ich klasse. Vor allem aber musste ich mal wieder denken, wie einfach es ist, einander zu beschenken. Dass es gar nichts kostet, außer vielleicht Aufmerksamkeit, ein paar Minuten der eigenen Zeit oder ein kurzer Satz. Denn nicht nur die Kids haben die Frau beschenkt – sie hat durch ihre Worte etwas zurückgeschenkt … an die beiden Helden, aber auch an uns Eltern. In diesem Sinne: Ein schönes, beschenktes und schenkendes Wochenende euch!

Kennt ihr das auch? Alles läuft gut, ihr seid entspannt – bis mit einem Mal ein “Störer” euren Tag durcheinander bringt. Das kann der Drucker sein, der sich plötzlich weigert, seine Arbeit zu tun, und damit eure Arbeit sabotiert. Es kann aber auch der Anruf von der Schule sein, dass ihr euer Kind abholen sollt, weil es ihm nicht gutgeht. Oder ein Satz, der euch trifft und aus der Bahn wirft. Oft sind es Kleinigkeiten, die das Potenzial haben, den Verlauf eines Tages zu verändern. Plötzlich entsteht Zeitdruck, innere Unruhe, Panik.
Gerade letzte Woche habe ich wieder erleben dürfen, wie Kleinigkeiten einen Tag aber auch zum Guten verändern können. Da war die Entscheidung, einen Termin abzusagen, was für viel Entspannung sorgte, Druck rausnahm und mir die Möglichkeit gab, mich in Ruhe auszukurieren. Oder die WhatsApp, in der mir jemand zur Aufmunterung einen “virtuellen Kaffee” schickte in Form eines Kaffeetassen-Stickers. (Den ich dann in einen echten Kaffee umwandelte und ein Foto davon zurückschickte, verbunden mit einem Dank für den köstlichen Koffeeinkick.)
Kleinigkeiten können den Lauf des Tages ändern. Die “negativen Störer” können wir nicht immer verhindern, aber wir können entscheiden, wie wir darauf reagieren: reinsteigern, in den Panik-Modus umschalten oder erst mal tief durchatmen und nach Handlungsoptionen Ausschau halten? Vor allem können wir uns aber selbst kleine Geschenke machen, indem wir uns Gutes tun – und anderen erlauben, uns zu beschenken.