Ein Freund erzählte mir vor einiger Zeit die Geschichte eines Sportlers, der gegen seinen deutlich schlechteren Gegner verlor. Auf die Frage der Reporter, wie es sich anfühlt, gegen jemanden zu verlieren, der in der Rangliste weit unter einem steht, antwortete er sinngemäß: „Ich habe das Spiel gegen meinen Gegner verloren, aber mein eigenes Spiel gewonnen. Und das ist es, was zählt.“
Sein eigenes Spiel gewinnen: Für ihn bedeutete es, genau das umzusetzen, was er vorab mit seinem Trainer vereinbart hatte. Er hat alles richtig gemacht, auch wenn das nicht mit einem Turniersieg belohnt worden war. Trotzdem fühlte er sich als Sieger.
Für jeden von uns bedeutet es etwas anderes, das eigene Spiel zu gewinnen. Das Ziel ist es dann nicht mehr, um jeden Preis zu gewinnen, sondern sich selbst Regeln zu geben, Ziele zu setzen und ihnen treu zu bleiben. Beispielsweise gut für sich zu sorgen, was beinhaltet, Prioritäten zu setzen, die nicht immer allen gefallen.
Was könnte es für dich bedeuten, dein eigenes Spiel zu gewinnen?

Die folgende Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit. Sie handelt von Emma. Emma liebt es, im Wasser zu toben. Als sie alt genug ist, fängt sie einen Schwimmkurs an. Woche für Woche wird Emma sicherer im Wasser. Kurz vor Ende des Kurses fährt Emma mit ihren Eltern in den Urlaub. Jeden Tag will die Kleine ins Schwimmbad. Und mit jedem Tag bewegt sie sich freier im Wasser. Am zweiten Tag schafft sie eine kurze Strecke ohne Schwimmgürtel, ab dem vierten Tag wird die Schwimmhilfe erst gar nicht mehr mitgenommen. Emma springt begeistert von den Schultern ihres Vaters ins Wasser, die 25 Meter am Stück schafft sie problemlos – und tauchen tut sie sowieso für ihr Leben gern! Daher beschließt die Familie, dass Emma am letzten Urlaubstag ihre Seepferdchen-Prüfung angehen soll. Der Bademeister lässt Emma eine Bahn schwimmen – kein Problem. Dann der Sprung vom Beckenrand ins Wasser – ein Leichtes. Zum Schluss noch schnell den Ring aus schultertiefem Wasser hochgeholt. Emma guckt den Bademeister freudestrahlend an, aber der schüttelt nur bedauernd den Kopf. Es hätte keine deutlich erkennbare Eintauchbewegung gegeben. Tränen und noch mehr Tränen. Emma ist traurig und wütend zugleich, denn im Schwimmkurs hatten sie es anders gemacht. Emmas Mama setzt sich mit ihr an den Beckenrand. Als das Mädchen sich beruhigt hat, guckt sie zu, wie ihre Mama das Eintauchen vormacht. Emma versucht es – erst noch etwas steif, dann immer besser. Der Bademeister steht noch immer am Beckenrand und beobachtet das Geschehen. Emma soll es doch bitte noch einmal versuchen – erst in etwas flacherem Wasser, am Ende in schultertiefem. Und siehe da: Es klappt! Emma ist müde, hört zwar das „gut gemacht“ des Bademeisters, aber dennoch kullern erneut Tränen. „Ich habe es einfach nicht richtig hingekriegt. Ich konnte es nicht.“ Emmas Mutter aber sagte: „Du hast es anders gelernt. Beim ersten Versuch hat es nicht geklappt – das konnte es auch gar nicht. Aber nach ein paar Minuten hattest du den Dreh raus. Und zwar so gut, dass dir der Bademeister gleich das Seepferdchen-Abzeichen verleiht. Du hast es dir verdient! Jetzt muss du entscheiden: Welche Version der Geschichte willst du heute Abend Oma und Opa erzählen – deine oder meine?“

Eine in vieler Hinsicht intensive Woche liegt hinter mir. Meine ToDo-Liste für heute war lang, aber ich ziemlich groggy und reif fürs Sofa. Keine gut Kombination! Den Garten wollte ich auf Vordermann bringen. Was sollen schießlich die Nachbarn (und Klienten) denken, wenn das Unkraut langsam aber sicher die Oberhand gewinnt? So fing ich an, im Garten zu wuseln. Irgendwie lustlos und oberflächlich. Wieso den Löwenzahn ausstechen? Den oberen Teil, der ihn enttarnt als solchen enttarnt, abzurupfen geht doch viel einfacher und vor allem schneller. Dann sieht alles auch gleich weniger verwildert aus. Aber dann musste ich an die Geschichte von Herrn Rech denken. Und an die Frage, welchen Preis ich zu zahlen bereit bin, um ein Lob (oder zumindest kein abfälliges Kopfschütteln) meiner Mitmenschen zu erhalten. Mir schwirrt der Satz “Wer einen Garten hat, muss sich auch drum kümmern!” im Kopf herum. Und ich denke mir, dass der Satz “Wer einen Körper hat, muss sich auch drum kümmern!” mindestens genauso wahr ist. In diesem Sinne entscheide ich mich heute, dem Unkraut noch ein paar Lebenstage zu schenken und den Staubmäusen unter dem Sofa eine letzte Chance einzuräumen, um von selbst zu verschwinden. Und ich? Ich gönne mir jetzt eine Runde Bewegung und danach eine große Tasse Milchkaffee. Und heute Abend Erholung auf dem Sofa mit allem, was so dazu gehört. In diesem Sinne: Euch allen ein super gutes Wochenende mit euch selbst gegenüber wohlwollenden Entscheidungen!

„Was ist dein Geheimnis?“ wurde einmal ein berühmter Posaunist gefragt.Er antwortete: „Man hört nicht nur den Atem, denn du verbrauchst, sondern auch den, den du zurückbehältst.“ Mit diesen Worten drehte sich der Posaunist lächelnd um und verschwand.

(nach einer Geschichte von Stefan Hammel in „Der Grashalm in der Wüste“)

Eine meiner Lieblingsgeschichten handelt von einem Gartenbesitzer und seinem Nachbarn. Nennen wir sie Herr Verantwortlich und Herr Unverantwortlich.
Herr Verantwortlich ist ein Mann, der seinen Garten liebt und sich gut um ihn kümmerte. Eines schönen Sommertages fällt sein Blick auf den Garten seines Nachbarn Herrn Unverantwortlich. Die Sonne steht hoch am Himmel und Herr Verantwortlich hat gerade den Rasensprenger ausgeschaltet. Er weiß aus Erfahrung: An solch heißen Tagen braucht sogar der robusteste Rasen eine extra Portion Zuwendung. Ein kurzer Blick auf den Rasen von Herrn Unverantwortlich macht ihm deutlich, dass dieser es mit der Zuwendung offensichtlich nicht ganz so genau nimmt. Vermutlich hat er gerade viel auf der Arbeit zu tun … Kurzentschlossen greift Herr Verantwortlich zum Rasensprenger und richtet diesen so aus, dass das Wasser nun das Nachbargrundstück trifft. Mit dem guten Gefühl, seinem Nachbarn geholfen zu haben, dreht er schließlich das Wasser ab und geht zurück ins Haus.
Auch an den kommenden Tagen ist es heiß. Also greift Herr Verantwortlich erneut zum Rasensprenger und sorgt dafür, dass der Rasen von Herrn Unverantwortlich durch die Sonne keinen Schaden nimmt. Es ist ein heißer Sommer. Von Tag zu Tag wird der Griff zum Rasensprenger selbstverständlicher. Im Laufe der Zeit wird der Rasen von Herrn Unverantwortlich wird immer grüner, während Herrn Verantwortlich nicht mehr genug Energie bleibt, seinen eigenen Rasen zu pflegen.
P1140957Herr Unverantwortlich kommt abends oft erst spät von der Arbeit nach Hause – und er ist glücklich. Er sieht seinen robusten Rasen, der ganz ohne sein Zutun wächst und gedeiht, während der seines Nachbarn von Tag zu Tag brauner wird. Herr Unverantwortlich ist glücklich, Herr Verantwortlich hingegen wird von zusehends ärgerlicher. Bis ihm schließlich der Kragen platzt. Eines Abends sieht er Herrn Unverantwortlich ganz entspannt auf der Terrasse sitzen. Er geht zum Gartenzaun und schnauzt ihn an: „Es ist eine Unverschämtheit, wie Sie Ihren Garten vernachlässigen!“ Mit diesen Worten dreht er sich um, stampft wütend und erschöpft über seinen verbrannten Rasen zurück in sein Haus und knallt die Tür hinter sich zu. Herr Unverantwortlich starrt ihm kopfschüttelnd hinterher und murmelt: „Der sollte sich lieber mal um seinen eigenen Garten kümmern!“ Dann lehnt er sich zurück, wohl wissend, dass das Grün seines Rasens Beweis genug ist, wer von ihnen der bessere Gärtner ist.
(angelehnt an eine Passage aus „Nein sagen ohne Schuldgefühle“ von Cloud/Townsend)