Vor über einem Jahr hatte ich das Vergnügen, eines meiner Lieblingsworte kennenzulernen: das Wort „Handlungsoptionen“. Ich erinnere mich noch genau: Es war ein Samstag, so gegen neun Uhr morgens. An diesem Vormittag sollte bei einer Weiterbildung, die ich besuchte, eine Prüfung geschrieben werden. Das Problem war nur, dass man dem Dozenten versehentlich den falschen Schlüssel ausgehändigt hatte. So standen wir nun also vor verschlossener Tür. Der Dozent, ein recht lockerer Typ, tigerte ein oder zwei Minuten den Gang auf und ab, verschwand kurz und kehrte dann zu uns Teilnehmern zurück. Ich fragte ihn, ob er angesichts der Situation noch immer entspannt sei, was er prompt mit Ja beantwortete. Seine Begründung: „Ich habe Handlungsoptionen. Von daher alles gut soweit.“
Seit diesem Samstag gehört das Wort „Handlungsoptionen“ nicht nur zu meinen Lieblingswörtern, sondern auch zu meinem aktiven Wortschatz. Was mir daran so gut gefällt? Das Wort hält mir vor Augen, dass es mehr gibt als schwarz und weiß, richtig und falsch. Es fordert mich heraus, nach Alternativen Ausschau zu halten, was mich wiederum flexibel macht und meinen Handlungsspielraum erweitert.
P1150189Wir schreiben heute den 04. Mai. Das Jahr 2015 ist mittlerweile stolze vier Monate alt. Ein guter Teil der Energie, die man zu Beginn des Jahres noch hatte, ist verbraucht. Die meisten guten Vorsätze sind bereits begraben. Statt täglich Sport an der frischen Luft gibt es Fernsehen im ungelüfteten Wohnzimmer. Statt vitaminreicher Ernährung hat man ein Abo beim Fastfood-Laden um die Ecke inne. Das sind Klischees und überspitzte noch dazu. Trotzdem dürfte es für einige von uns recht ernüchternd sein, das angestrebte Ideal mit dem realen Ist-Zustand abzugleichen. Also den Kopf in den Sand stecken? Aufgeben, weil es ja eh nicht klappt?
Ich lade dich ein, den Mai für einen Frühjahrsputz der etwas anderen Art zu nutzen. Wir starten – welch Überraschung – mit der Entsorgung von wenig hilfreichen „so oder gar nicht“-Denkmustern und dem Suchen nach nützlichen Handlungsoptionen. Bist du dabei?

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Im Mai lädt VORWÄRTSLEBEN zum ganz persönlichen “Frühjahrsputz” ein – getreu dem Motto “Alles neu macht der Mai!”

Dabei geht es aber, wie du dir sicher denken kannst, um mehr als eine Großputzaktion in deiner Wohnung! Wie gewohnt gibt es an allen vier Montagen einen Input, an den übrigen Tagen ergänzend eine konkrete Idee, wie man den Impuls umsetzen kann. Bist du dabei? Klasse! Du hast Leute im Hinterkopf, die auch Interesse haben könnten, ihr Leben ein wenig zu entrümpeln? Dann lade sie gerne ein! Ich freu mich auf die Zeit mit euch!

Im Herbst letzten Jahres habe ich eine befreundete Künstlerin besucht. Wir haben uns mit alten T-Shirts, Pinsel und Farbe bewaffnet und gemeinsam gemalt. Ich steckte den Pinsel in die Farbe und machte mich an die Grundierung. Meine Freundin guckt sich mein beginnendes Farbenspiel an und kommentiert trocken: „Viel zu viel Farbe. Arbeite mit Wasser. Mit viel Wasser!“
Das saß! Ich hatte es doch nur gut gemeint, wollte ein farbintensives Bild entstehen lassen. Vor allem aber wollte ich vor ihren Augen nicht versagen. Ich wollte es richtig machen …
2015-01-19Ich atme tief durch und mache mir bewusst, dass das gerade keine vernichtende Kritik, sondern ein wohlwollender Rat von jemandem war, der es wissen muss – und versuche ihn umzusetzen. Am Ende der Mal-Session bin ich dankbar: Das Bild ist gelungen und mittlerweile ziert es sogar unsere Wohnzimmerwand.
Ein paar Wochen später muss ich wieder an den Rat meiner Freundin denken, während ich ein Bild male – selbstverständlich mit ausreichend Wasser. Und ich frage mich, inwieweit mein bisheriger Umgang mit Farbe zu einem gewissen Grad meinen Lebensstil widerspiegelt. Lebe ich nicht auch bisweilen gemäß dem Motto „Viel hilft viel“? Ich muss an das ein oder andere ältere Bild denken, dass zwar farbintensiv, aber gleichzeitig auch ein wenig leblos war. Fast starr, wie eine Maske. Und ich muss an die 80-20-Regel denken, die besagt, dass man 80 % der Arbeit mit gerade mal 20 % Energieaufwand erledigt bekommt, während man für die restlichen 20 %, die es für Perfektion braucht, 80 % der Energie bedarf. Dabei ist Perfektion meist gar nicht gefragt; 80 % wären absolut ausreichend. Und doch strebe ich regelmäßig die 100 %-Marke an … oder versuche mich sogar an einem Ding der Unmöglichkeit: dem Erreichen der 110 %-Grenze.

Zum Weiterdenken:
Stell dir vor, du würdest dich öfter mal mit den vergleichsweise leicht zu erreichenden 80 % zufriedengeben: Was könntest du alles mit der verbleibenden Zeit und Energie anfangen?

P1140500Ich bin Brillenträgerin – und das aus Überzeugung, denn meine Brille ist mir eine unverzichtbare Hilfe im Alltag. Ohne sie könnte ich Menschen erst erkennen, wenn sie direkt vor mir stehen. Das richtige Gewürz aus dem Schrank zu nehmen, würde deutlich länger dauern: Ohne Brille müsste ich eins nach dem anderen herausholen, um zu gucken, ob es sich dabei um Oregano, Paprika edelsüß, weißen Pfeffer oder aber Kräutersalz handelt. Das wäre unglaublich zeitintensiv und nervtötend!
Aber nicht nur meine Brille vom Optiker ist mir eine Hilfe im Alltag. Auch meine Traditions- und Wertebrille möchte ich nicht missen. Durch sie betrachte ich das Leben. Sie sitzt wie eine zweite Haut, sodass ich oft vergesse, dass ich sie trage. Sie gibt meinem Leben Orientierung und Struktur.
Meine Wertebrille beispielsweise sorgt dafür, dass ich Vereinbarungen ernst nehme, sei es der Abgabetermin für Projekte oder aber das pünktliche Erscheinen bei Verabredungen. Sie sorgt dafür, dass sich meine Auftraggeber auf mich verlassen können. Und sollte doch mal etwas dazwischen kommen, dann sorgt sie dafür, dass ein anderer Wert zum Zug kommt: klare Kommunikation.
Meine Traditionsbrille sorgt für die Wochenstruktur. So setze ich viel daran, dass das Wochenende frei ist von Büroarbeit. Am Samstag und Sonntag soll Zeit für größere Projekte in Haus und Garten sein, für Freunde und Familie, Erholung, leckeres Essen etc. Feiertage sind Dank meiner Traditionsbrille Grund zum Innehalten und Nachdenken über das, was gefeiert wird: Am 3. Oktober freue ich mich über ein wiedervereinigtes Deutschland, am 24. Dezember danke ich Gott, dass er sich klein gemacht hat und als Mensch auf diese Erde gekommen ist.
Jeder von uns trägt Brille. Nicht immer eine vom Optiker, aber dafür eine, die die Sicht auf das Leben beeinflusst. Werte und Traditionen haben einen eher schlechten Ruf, gelten als altbacken. Wenn die Brille aber „passt“, ist sie eine wahre Bereicherung!

Überleg mal:
Wie helfen dir deine Traditionen und Werte im Alltag?

Was bedeutet Genuss für dich? Für mich bedeutet es vor allem, ganz im Hier und Jetzt zu sein. Den Augenblick bewusst wahrzunehmen. Mehr noch: ihn wertzuschätzen. Für diese Art des Genießens braucht es weder einen Haufen Geld noch viel Zeit. Es ist die Art von Genuss, die im Alltag stattfindet und ihn so zu etwas Besonderem macht.
5alltagGenussDas haben besonders die sogenannten Alltags-Genießer verinnerlicht. Ihre Genuss-Momente erscheinen Außenstehenden oftmals als unspektakulär, aber das sind sie nicht. Sie sind intensiv und besonders. Alltags-Genießer gönnen sich lieber über den Tag verteilt mehrere kleine Genuss-Momente, als tage- oder gar wochenlang auf den einen großen Moment hinzufiebern. Genuss ist ein fester Bestandteil ihres Lebens.
Hier ein paar Ideen für all diejenigen, die Lust haben, sich als Alltags-Genießer zu versuchen:

1. Gönn dir ein ausgedehntes Abendessen mit deiner Familie oder Freunden, bei dem ihr Zeit habt, euch von den Dingen zu erzählen, die euch bewegen.
2. Nimm dir fünf Minuten Zeit, um neidisch auf dich selbst zu sein.
3. Schalte alle Geräuschquellen ab und lausche der Stille.
4. Nimm eine Alltagsbeschäftigung wie den Abwasch oder das Zusammenlegen der Wäsche bewusst wahr.
5. Schau dir etwas in aller Ruhe im Detail an: eine Blume, ein Bild oder das Gesicht eines Menschen.
6. Nimm dir eine Tasse Tee lang Zeit, um zur Ruhe zu kommen und in dich reinzuhören.
7. Schreib vor dem Schlafengehen drei Dinge auf, für die du dankbar bist bzw. die du an diesem Tag als Genuss erlebt hast.