Da ist er nun, unser zukünftiger Held. Er lebt ein Leben wie du und ich. Alles läuft so wie immer. Alltag eben. Aber dann hört er es: Das Abenteuer ruft!
Dieser Ruf kann ganz unterschiedlich klingen. Mal ist es eine herausfordernde Situation, die nach neuen Wegen ruft; mal ist es Langeweile oder aber eine sich auftuende Möglichkeit, die ergriffen werden will. Egal wie unseren Helden der Ruf ereilt – zu Beginn ist er meist nicht sonderlich begeistert. Er weigert sich, will innerhalb seiner Komfortzone bleiben, nichts verändern. Was ja auch zu einem gewissen Grad verständlich ist. Schließlich gibt es keine Garantie, dass die Unternehmung gelingt. Er muss die Sicherheit des Altvertrauten verlassen. Das braucht Mut – und Ermutigung, beispielsweise durch weise Ratgeber, Mentoren, Vertraute, die bereits selbst ihre ganz persönliche(n) Heldenreise(n) unternommen haben. Bekommt unser Held diese Unterstützung, kann er den ersten Schritt ins Abenteuer gehen: Er überwindet sein Zögern, überschreitet die Schwelle – und betritt eine ihm bis dato unbekannte Welt.

Auch wenn ich mich selbst eher ungern als Heldin bezeichne – das klingt in meinen Ohren noch immer etwas abgehoben –, so kenne ich diese Phase der Heldenreise sehr gut. Die Unzufriedenheit mit dem, was ist. Gleichzeitig aber auch die Angst vor dem, was alles passieren könnte, wenn ich dem Ruf des Abenteuers folge. Meinem Herzen folge. Ich habe gezögert – oft! Habe hin und her überlegt, wurde von Mitmenschen entmutigt. Aber zum Glück hatte ich auch diese weisen Vertrauten an meiner Seite, die die Risiken nicht unter den Tisch kehrten, mir aber dennoch Mut machten. Und so konnte ich schon so manches Mal diesen wichtigen ersten Schritt tun. Rein ins Abenteuer, ins Unbekannte, in eine neue Welt. Ob es mit diesem ersten Schritt getan ist und was einen in der neuen Welt alles erwartet, dazu schreibe ich nächste Woche mehr.

Zum Weiterdenken:
Hast du den Ruf des Abenteuers schon mal gehört – und bist ihm gefolgt? Was hat dir geholfen bzw. was hat dir gefehlt?

Und weil es so schön war, gibt es heute noch eine zweite Garten-Geschichte für euch. Sie stammt ursprünglich von Stefan Hammel, dessen Buch „Der Grashalm in der Wüste“ ich wärmstens empfehlen kann!
P1140957Die heutige Geschichte handelt von Herrn Rech, einem begeisterten Gärtner. Jeden Tag ist er in seinem Garten zu Gange, jätet Unkraut, recht Laub zusammen, arbeitet den Boden durch. Eines schönen Tages laufen zwei ältere Damen an seinem Garten vorbei. Sie werfen sich vielsagende Blicke zu. „Hat dieser Herr Rech nichts Besseres zu tun, als den ganzen Tag Blumen zu gießen?“ Kopfschüttelnd gehen sie weiter.
Herr Rech hat die Bemerkung aufgeschnappt. Er ist empört. So etwas muss er sich nicht nachsagen lassen – er nicht! Er hat schließlich noch genug andere Dinge zu tun. Am nächsten Tag steht er früh auf und fährt ins Büro. Er macht viele Überstunden; sein Chef ist begeistert. Am Wochenende hört er, wie zwei Nachbarn sich unterhalten. „Der Garten von Herrn Rech ist eine Schande für unser schönes Dorf! Wie kann er ihn nur so verwahrlosen lassen?“
Also beschließt Herr Rech, am nächsten Morgen noch früher als sonst aufzustehen. Er arbeitet im Büro ohne Pause bis zum Abend durch und geht anschließend in seinen Garten. Da hört er, wie zwei Spaziergänger halblaut mit einander reden. „Das ist mir ja einer! Er hat vier kleine Kinder. Aber statt mit ihnen Zeit zu verbringen, ist er bis spät abends hier im Garten und hackt die Beete durch … das ist doch unmöglich!“
Seit diesem Tag steht Herr Rech noch früher auf. Vor Dienstbeginn arbeitet er im Garten, danach arbeitet er im Büro ohne Pause bis zum späten Nachmittag durch. Wieder daheim hilft er seiner Frau im Haushalt und spielt mit den Kindern. Am Abend fällt er todmüde ins Bett. So geht es eine ganze Zeit, bis er eines Tages nicht mehr aufsteht. Ein Herzinfarkt hat seinem Leben ein Ende gesetzt. Noch in der gleichen Woche findet die Beerdigung statt. Viele Leute aus dem Dorf begleiten ihn auf seinem letzten Weg. Und man hört sie zueinander sagen: „Der arme Herr Rech – was hat er nun von seiner ganzen Schafferei gehabt?“

Als Kind habe ich gerne Dr. Brinkmann & Co. beim Dienst in der Schwarzwaldklinik zugeschaut. Es war klar: Egal wie verzwickt der Fall auch sein mochte, am Ende wendete sich alles stets zum Guten. Die Patienten wurden als geheilt entlassen. Und sollte das ausnahmsweise einmal nicht der Fall sein, dann ging es ihnen zumindest psychisch gut: Sie wurden von den Ärzten und Pflegern wahrgenommen, getröstet, aufgerichtet und konnten so mit neuer Perspektive und ganz viel Mut die Klinik verlassen.
Als eine Bekannte mir kürzlich gestand, dass sie gerne den Bergdoktor sieht, musste ich innerlich (und womöglich sogar äußerlich) grinsen. „Du schaust solche Heile-Welt-Filme?“ Ich war erst einmal überrascht – das hatte ich von dieser gestandenen Powerfrau gar nicht erwartet. Auf der anderen Seite tun solche Formate einfach gut. Man identifiziert sich mit den Patienten und erlebt Sicherheit, Geborgenheit. Das tut unserer Seele gut. Punkt.
Die Realität sieht leider oft anders aus. Ich selbst habe sie wiederholt live erlebt: engagierte Pflegekräfte ebenso wie ermüdete, die nicht mehr und im Idealfall auch nicht weniger als Dienst nach Vorschrift machen; Ärzte, die genau hingucken, nachfragen, da sind, aber auch diejenigen, die einen wie eine Nummer behandeln. Letztere bleiben einem leider meist weitaus länger in Erinnerung.
Ich bin mir voll und ganz der Tatsache bewusst, dass wir in keiner perfekten heilen Welt leben. Eine Realität, die ich am liebsten ausblenden würde, aber nicht kann. Denn ich begegne ihr tagtäglich aufs Neue – und bin selbst Teil davon. Trotzdem – oder vielleicht auch gerade deshalb – will ich mein Bestes tun, ein bisschen „Schwarzwaldklinik“ in diese Welt zu tragen. Mein ganz persönlicher Traum? In ein paar Jahren in Arztpraxen und Kliniken Workshops zum Thema „Umgang mit Patienten“ anzubieten. Jeder einzelne Mitarbeiter, ganz gleich ob Reinigungskraft oder Chefarzt, kann einen Beitrag dazu leisten, dass es den Patienten besser geht. Ich möchte sie auf ihre Möglichkeiten hinweisen, aber auch davon erzählen, welche Folgen es haben kann, den Blick für den Einzelnen zu verlieren. Ich habe mittlerweile zu viele Geschichten von Menschen gehört, die Arztpraxen und Kliniken traumatisiert verlassen haben. Das muss ein Ende haben – oder zumindest weniger werden. Das ist mein ganz persönlicher, ganz riesengroßer Wunsch!

Erinnere dich:
Wo hast du es erlebt, dass jemand dich und deine Situation wahrgenommen hat?
Was hat das mit dir gemacht?

Suizidalität – ein Thema, über das man noch weniger offen spricht als über Depression. Dabei nimmt sich allein in Deutschland alle 53 Minuten ein Mensch das Leben; alle 4 Minuten versucht es jemand. Das sind mehr Menschen als durch Verkehrsunfälle, illegale Drogen, Aids und Gewalttaten zusammen. Bei jungen Menschen bis 25 Jahre ist Suizid die zweithäufigste Todesursache.
Insgesamt nehmen sich hierzulande jährlich etwa 10.000 Menschen das Leben. Ich kenne einige von ihnen. Spontan fallen mir fünf Menschen aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis ein, deren Suizidversuch tödlich ausging, und es sind noch mehr, die mit ihrem Leben davon gekommen sind.
Im Studium hat sich eine gute Freundin entschieden, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Sie war gerade aus dem Krankenhaus entlassen worden, weil es ihr – so die Aussage der Ärzte – deutlich besser ging. Rückblickend betrachtet war das die sogenannte „Ruhe vor dem Sturm“: Ein paar Tage später nahm sie sich das Leben. Sie sah keinen anderen Ausweg. Zurück blieben wir, ihre Freunde. Ihre Entscheidung hat mein Leben geprägt.
Suizid ist ein großes Thema. Eines, über das gesprochen werden sollte. „Freunde fürs Leben e. V.“ setzt sich aktiv für Suizidprävention ein. Auf ihrer Homepage frnd.de sowie über ihren YouTube-Kanal informieren sie zum Thema, interviewen Betroffene, geben Rat. Seht euch gerne auf ihren Seiten um – es lohnt sich!

Depression – leider auch im Jahre 2015 noch bei vielen ein Tabuthema. Zumindest, wenn es einen selbst betrifft. Da spricht man doch eher vom Burnout. Denn das klingt so, als hätte man es sich schwer erarbeitet; fast schon wie eine Auszeichnung. Wobei man wissen muss: Burnout ist keine anerkannte Krankheit; die damit fast immer einhergehenden depressiven Episoden sowie Ängste jedoch sehr wohl.
Depression – ein Thema, das viele betrifft. Aktuell sind etwa 3 Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Grund genug, darüber zu sprechen. Besonders wenn man bedenkt, dass Deutschland gerade mal eine Einwohnerzahl von gut 80 Millionen vorzuweisen hat. Daher ist es mehr als wahrscheinlich, dass sich auch in deinem Umfeld Menschen befinden, die an Depression erkrankt sind. Und die wiederum können Menschen an ihrer Seite brauchen, die hinsehen, nachfragen, unterstützen. Menschen wie dich!
Für die aktuelle Ausgabe des Krabauters (www.krabauter-magazin.de) habe ich einen Artikel zum Thema Depression geschrieben. Mein herzlicher Dank gilt Herausgeberin Bettina Schaefer für die Erlaubnis, ihn hier mit euch zu teilen!

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„Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah!“ Ein markerschütternder Aufschrei. Dann der panische Hilferuf: „Eine Spinne, eine Spinne! Komm schnell her! Mach sie weg! Igitt, eine Spinne … jetzt komm doch endlich!“
Kaum einer reagiert mit Jubelschreiben auf die Sichtung einer Spinne. Manch einer brüstet sich geradezu mit seiner „Spinnenphobie“. Aber Hand aufs Herz: Für die meisten von uns sind die flinken Achtbeiner nichts anderes als ungeliebte Tierchen, bei deren Anblick man sich wünscht, dass jemand zu Hilfe eilt, um sie rauszutragen. Wenn es sein muss, kriegen wir es aber doch hin, die Spinne, egal ob klitzeklein oder doch etwas größer, nach draußen zu katapultieren. Die Angst vor Spinnen – sicher eine Herausforderung, aber kein unüberwindbares Problem.
2710_angstfeindWas aber, wenn man unfähig ist, die Autofahrt fortzusetzen, weil man auf der Armatur eine kleine Spinne entdeckt hat? Schnell rechts ran und dann flink aus dem Wagen gesprungen. Weiterfahrt? Unmöglich, bis sich jemand erbarmt, das Tier zu entfernen. Was wie eine übertriebene Schilderung klingen mag, ist für einige Menschen eine traurige Realität. Eine, die das Leben enorm einschränkt – so wie jede echte Phobie, sei es die Angst vor Spinnen, Hunden, engen Räumen, Menschenmassen, Höhen oder auch, von einer Ente beobachtet zu werden. Kein Scherz, auch diese Phobie gibt es, denn grundsätzlich gilt, dass alles zur Phobie werden kann.
Eine gute Nachricht zum Schluss: Mit einer Phobie muss man sich nicht arrangieren. Es gibt Hilfe. Bei Interesse an näheren Infos einfach kurze E-Mail an kontakt@wortbeweger.de schicken.

Überleg mal:
Was würde sich in deinem Leben ändern, wenn du an einer echten Phobie leiden würdest? Oder falls du an einer leidest: Was würde sich ändern, wenn du diese Angst hinter dir lassen könntest?