Wie ihr wisst, arbeite ich ehrenamtlich bei Radio sonnengrau mit. Einer meiner Mitstreiter dort ist Michael Freudenberg. Er ist Psychiater, selbst depressionsbetroffen – und als einziger Arzt seiner Zunft geht er damit sehr offen um. Hier könnt ihr diesen tollen Mann ein wenig kennenlernen:

https://www.youtube.com/watch?v=HaSWuzYFPPQ

Gefühl ist die Wahrnehmung des Augenblicks.
– Erhard Blank

Jeder kennt sie, die Standard-Begrüßungsfrage „Wie geht es dir?“, meist gefolgt von der Standard-Antwort „Gut – und dir?“ Manchmal kommt es mir so vor, als wären wir im Hinblick auf unsere Gefühle sprachlos. Wie sonst kann es sein, dass es für viele auf diese Frage nur drei mögliche Antworten zu geben scheint: „gut“, „nicht so gut“ und „schlecht“?
Ich bin mir sicher, dass es noch viele Zwischenstufen gibt – und unglaublich viele Wege, sie zu beschreiben. Dazu muss man sich allerdings erst mal auf die Suche nach den eigenen Gefühlen machen. Manchmal ist es sogar die Suche nach den Gefühlen hinter den Gefühlen: Hinter Wut steckt oft Traurigkeit, hinter Hass enttäuschte Liebe etc.
Meine Einladung an dich: Mach dich auf die Suche nach deinen Gefühlen. Vielleicht hilft es dir, hier etwas um die Ecke zu denken. Was wäre dein Gefühl, wenn es … wäre:
* eine Farbe
* ein Tier
* ein Essen
* eine Pflanze
* ein Spiel
* ein Kleidungsstück
* ein Getränk

Schon seit Monaten hatte ich mich auf den 04. Juli gefreut. Ich hatte mich vorbereitet und war gewillt, Regen, Wind und Kälte zu trotzen. Kurzum: Ich war bereit für den Women’s Run in Hamburg!
Aber dann kam sie – und mit ihr hatte ich nicht gerechnet: die Hitze. 36 Grad im Schatten sollte es werden, der Lauf war für 15 Uhr angesetzt und kurz vorher sagte dann auch noch meine Laufpartnerin ab.
In mir tobte ein Kampf: ein Kampf zwischen Ehrgeiz und Vernunft. Ich hatte mich gefreut, trainiert, konnte es schaffen und ja, ich wollte es mir beweise, wollte nicht kneifen. Auf der anderen Seite wusste ich, dass 36 Grad kein Pappenstiel und 15 Uhr eine denkbar ungünstige Startzeit ist. Zudem würde ohne Laufpartnerin an meiner Seite mein Ehrgeiz ziemlich sicher die Oberhand gewinnen. Heißt konkret: Ich würde mein normales Tempo laufen, nicht runter drosseln – oder erst, wenn ich kurz vorm Kollabieren bin. Die Argumente flogen in meinem Kopf wie Tischtennisbälle hin und her. Ich wusste nicht, was ich tun soll.
Am Ende kam mir das mit dem „das eigene Spiel gewinnen“ in den Sinn. Und so erklärte ich genau das zu meinem vornehmlichen Ziel. Das Ende vom Lied war eine maßgeschneiderte Lösung, bei der ich meinem obersten Ziel („Ich werde gut für mich sorgen!“) treu geblieben bin und so mein Spiel gewonnen habe. Und das ohne meinen Ehrgeiz abzutöten! Ich lief gleich morgens früh, als es noch vergleichsweise kühl war, meine Runde. Dann fuhr ich nach Hamburg, um mir meine Belohnung abzuholen: das pinke Motto-Shirt, auf das ich es abgesehen hatte.
Am Ende des Tages war ich glücklich: Ich war mir selbst treu geblieben, bin nicht gestartet – und habe doch gesiegt.

Eine in vieler Hinsicht intensive Woche liegt hinter mir. Meine ToDo-Liste für heute war lang, aber ich ziemlich groggy und reif fürs Sofa. Keine gut Kombination! Den Garten wollte ich auf Vordermann bringen. Was sollen schießlich die Nachbarn (und Klienten) denken, wenn das Unkraut langsam aber sicher die Oberhand gewinnt? So fing ich an, im Garten zu wuseln. Irgendwie lustlos und oberflächlich. Wieso den Löwenzahn ausstechen? Den oberen Teil, der ihn enttarnt als solchen enttarnt, abzurupfen geht doch viel einfacher und vor allem schneller. Dann sieht alles auch gleich weniger verwildert aus. Aber dann musste ich an die Geschichte von Herrn Rech denken. Und an die Frage, welchen Preis ich zu zahlen bereit bin, um ein Lob (oder zumindest kein abfälliges Kopfschütteln) meiner Mitmenschen zu erhalten. Mir schwirrt der Satz “Wer einen Garten hat, muss sich auch drum kümmern!” im Kopf herum. Und ich denke mir, dass der Satz “Wer einen Körper hat, muss sich auch drum kümmern!” mindestens genauso wahr ist. In diesem Sinne entscheide ich mich heute, dem Unkraut noch ein paar Lebenstage zu schenken und den Staubmäusen unter dem Sofa eine letzte Chance einzuräumen, um von selbst zu verschwinden. Und ich? Ich gönne mir jetzt eine Runde Bewegung und danach eine große Tasse Milchkaffee. Und heute Abend Erholung auf dem Sofa mit allem, was so dazu gehört. In diesem Sinne: Euch allen ein super gutes Wochenende mit euch selbst gegenüber wohlwollenden Entscheidungen!

Die Bekannte einer Bekannten bietet Workshops an, in denen die Teilnehmer krumme Hunde, schräge Vögel und andere sonderbare Tiere gestalten. Die Figuren stellen die Sicht der Person auf sich selbst dar. Ein spannendes Experiment, dachte ich mir, und legte los. In mehreren Etappen entstand mein ganz persönlicher schräger Vogel. Seine Flügel sind unterschiedlich lang, auf einem klebt sogar ein Pflaster. Er ist bunt, aber auf eine sehr geordnete Art und Weise. Auf seinem Kopf hat er strubblige Haare – er ist mir erstaunlich ähnlich.
2015-01-26Es war für mich ein spannendes Experiment, mich selbst als Vogel zu modellieren – und hat mir einiges über mich selbst aufgezeigt: Wie ich gerne wäre, wie ich mich selbst sehe, was andere (nicht) sehen sollen … So simpel der Vogel am Ende aussah – ich habe mit vielen Details gerungen. Dinge, die Betrachter nicht einmal registrieren würden, die mir aber im Gestaltungsprozess wichtig wurden.
Ganz ähnliche Erfahrungen kann man machen, wenn man sich selbst malt. Bei dieser Variante des Experiments geht es nicht um eine möglichst genaue Abbildung des eigenen (äußeren) Spiegelbilds, sondern um das, was in einem steckt: die Selbstwahrnehmung, Gefühle, Wünsche, Makel, Ängste, Träume, Ressourcen etc. Auch dieses Experiment kann zu erstaunlichen Erkenntnissen führen.

Probier‘s aus:
Wenn du magst, dann versuch es doch selbst auch einmal. Es muss ja kein schräger Vogel sein – auch buckelige Katzen, aufgedrehte Maulwürfe und aufgedunsene Michelin-Männchen sind gerne gesehen! Ich freue mich über ein Feedback zu deinen Erfahrungen an kontakt@vorwaertsleben.de

Guck mal:
Hier noch ein Link zu einem Werbe-Spott, der perfekt zum Thema passt:

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Ich oute mich hiermit öffentlich aus jemand, der sich gerne mal einen Film auf DVD anschaut. Was das mit Werten und Traditionen zu tun hat? Ganz einfach: Einige meiner liebsten Filme handeln von genau diesem Thema. Spontan fallen mir drei Titel ein:

1. Whale Rider
Die Bewohner eines kleinen Küstenortes in Neuseeland führen ihre Herkunft auf den Walreiter Paikea zurück. Als der zukünftige Anführer stirbt, will dessen Schwester Pai an seiner Statt diese Aufgabe übernehmen. Um ihrem Ziel bzw. ihrer Berufung näherzukommen, muss sie sich gegen ihren geliebten Großvater sowie eine tausendjährige Tradition auflehnen.

2. The Great Debaters
Texas in den 1930er Jahren: Das Wiley College ist eine der wenigen Bildungsstätten im Süden der USA, an denen Afroamerikaner eine Chance haben. Dort arbeitet der engagierte Professor Tolson, der seine Schüler in die hohe Kunst des politischen Debattierens einführt. Sein Traum ist es, seine besten Schüler bis zur Teilnahme am Debattier-Wettbewerb an der Harvard University zu führen. Doch der Weg ist steinig, denn nicht jeder kann oder will über die Hautfarbe der Wiley-Kandidaten hinwegsehen.

3. The Help
Jackson, Mississippi im Jahr 1962: Skeeter will Journalistin werden. Ihr erster Job: Kolumnen mit Hausfrauentipps für das Lokalblatt schreiben. Nur leider hat sie von solchen Dingen keine Ahnung. Also befragt sie das afroamerikanische Dienstmädchen ihrer besten Freundin. Skeeter bekommt mit, wie herablassend das Dienstmädchen behandelt wird – und mit einem Mal erkennt sie, dass grundsätzlich Dinge schieflaufen. So beschließt sie, diese Missstände publik zu machen. Sie sammelt persönliche Erlebnisse verschiedener Dienstmädchen. Der Wunsch, etwas zu verändern, ist so stark, dass Skeeter mit den Traditionen und Werten ihrer Zeit bricht.

P1140512Die Filme handeln von drei verschiedenen Brillenträger-Typen:
> von denen, deren Brille perfekt sitzt,
> von denen, die dringend mal wieder einen Sehtest machen sollten, um ihre Brillenstärke anpassen zu lassen,
> vor allem aber von denen, die sich nicht mal dessen bewusst sind, dass sie überhaupt eine Brille tragen.

Mach den Test:
Achte diese Woche darauf, welche Brillen du trägst: Was sind die Werte und Traditionen, die dein Denken und Handeln beeinflussen?