Draußen gießt es wie aus Kübeln. Ekelwetter. Ich bin froh, dass ich nicht raus muss. Und doch versucht das Wetter draußen auf meine Stimmung abzufärben.
6-7Meine Gegenmaßnahmen: Ich schnappe mir meine Kuscheljacke und stelle Wasser für eine große Kanne heißen Tee auf. Ich schalte das Licht ein – und im Arbeitszimmer zusätzlich noch den Deckenfluter, weil die Deckenlampe es bei grauem Himmel dann doch nicht bringt. (Notiz an mich selbst: Demnächst mal nach einer besseren Ausschau halten!) Ich stelle Musik an, die mir neue Energie schenkt. Kleinigkeiten eigentlich, aber Kleinigkeiten, die einen Unterschied machen. Die aus einer “Was für ein Ekelwetter-Tag-Gefühl” ein “Was hab ich es hier bei mir gemütlich-Gefühl” machen. Verantwortung übernehmen für das eigene Wohlergehen. Denn manchmal muss es gar nicht die warme Südsee sein, sondern einfach ein paar kleine Akte der Selbstliebe.

Gut für sich sorgen – darüber rede ich ziemlich regelmäßig mit meinen Klienten. Warum? Weil es so super wichtig und absolut nicht egoistisch ist, gut für sich zu sorgen. Und zwar nicht nur, wenn man kurz davor ist auszubrennen, sondern täglich. Selbstsorge als “Lebensmittel”, als lebenswichtige Tätigkeit – so sehe ich das. Und so versuche ich es auch zu leben – mal klappt es besser, mal schlechter, aber ich habe es im Blick und bin “dran” am Thema. Heute in der Intensiv-Variante, nachdem mich jetzt doch noch eine dicke Erkältung erwischt hat … dabei dachte ich, ich wäre ihr entkommen. Nun ja, also Sofa, Wolldecke und warmer Tee. Und Ruhe. Und ihr so?!

“Ich darf Grenzen setzen, wahren und auch überwinden.”
P1170081Grenzen – für manche ein per Definition negativ besetztes Wort. Für andere hingegen etwas, das sie auf Leben und Tod verteidigen. Für mich persönlich ist das Wort Grenze weder per Definition negativ oder aber positiv. Grenzen können nützlich sein, angemessen, zeitweise sogar überlebenswichtig. Sie können einen Menschen aber auch isolieren. Dann nämlich, wenn sie vor langer Zeit errichtet wurden – zu Zeiten, in denen sie nötig waren, seitdem aber nicht mehr auf ihrem Bedarf hin überprüft wurden.
Wenn eine Stadt sich in einer akuten Belagerungssituation befindet, braucht sie die Mauer. Eine rundum geschlossene Mauer. In solch einer Situation die Tore zu öffnen, wäre fatal. Wenn die Belagerung aber bereits lange zurück liegt, macht es das Leben der Bewohner extrem schwierig, wenn sie weiterhin die Tore geschlossen halten. Dann wird nicht die Belagerung, sondern das Geschlossenhalten der Tore zur Gefahr.
Aus diesem Grund ist es wichtig, sich immer mal wieder die Frage zu stellen, was gerade dran ist: Grenzen setzen, wahren oder überwinden.

Am Wochenende war ich auf Weiterbildung. Es ging um das Thema Kontakt: Kontakt zu mir selbst, zu anderen, der Welt. Zwei spannende, bewegende, begeisternde Tage mit viel innerer Klärung. Als ich nach Hause kam, merkte ich, dass ich noch mal Zeit für mich brauche: Einfach noch mal eine Runde aufs Rad schwingen, mich bewegen, den Fahrtwind und die Sonne spüren, die Natur genießen – und ein Eis vom Lieblingseismann hier im Ort. Das Ganze hat nicht viel Zeit in Anspruch genommen, aber richtig gut getan. Auch hierfür braucht es Kontakt: Kontakt zu sich selbst und seinen eigenen Bedürfnissen. In diesem Sinne wünsche ich dir heute einen Tag, in dem du in Kontakt mit dir selbst bist. Und erlebst, wie gut das tut!

Sommerferien. Die letzten zwei Jahre fand ich sie extrem anstrengend: Die regulären Arbeitszeiten fallen weg, trotzdem müssen die laufenden Arbeiten erledigt werden. Meine Praxis kann ich schließlich nicht sechs Wochen zumachen. Oder ich will es zumindest nicht.

Ein paar Wochen im Sommer gehören der Familie, da wird nicht gearbeitet. Die restliche Zeit jedoch ist Kreativität und gute Planung gefragt: Schreibaufträge versuche ich schon vor Ferienbeginn zu erledigen, Coaching-Termine werden auf die Abende verlegt bzw. in Zeiten, wo meine Tochter unterwegs ist. Die letzten zwei Jahre fand ich das alles extrem anstrengend und ich war oft schlecht gelaunt, wenn ich abends, müde vom Tag, noch mal durchstarten sollte.

13844068_10205398788122914_179632132_oNatürlich hätte ich auch in diesem Sommer nichts gegen sechs Wochen frei. Aber ich habe versucht, bewusst ein wenig mehr Sommerfeeling in die Arbeit zu bringen: bei gutem Wetter draußen auf der Terrasse arbeiten statt am Schreibtisch im überhitzten Büro; Klienten zu coachen, während wir um den nahe gelegenen See gehen, und so auch mir durch Bewegung und die frische Luft Gutes zu tun; nicht nur mit Klienten kreativ arbeiten, sondern auch mir selbst immer wieder ein wenig Farbe zu gönnen – auch und gerade bei eher langweiligen Arbeiten. Und ja, auch die Gesamtzahl der Termine etwas runter zu schrauben, um nicht völlig ausgepowert in den Familienurlaub zu starten. Es sind oft nur kleine Änderungen, die aber eine große Wirkung haben. Und mir gut tun. Und wenn abends wirklich die Luft raus ist, ja, dann gönne ich mir, wenn es irgend möglich ist, auch einen freien Abend. Denn fast immer ist es mit ein wenig Kreativität und Barmherzigkeit sich selbst gegenüber möglich, sich Auszeiten zu verschaffen. Es ist ein Prozess, aber ein guter.

Ich trage diesen einen großen Wunsch in mir: Es der Welt (und mir selbst) zu beweisen. Die fleißigen Bienchen sind mir ein Vorbild, Pausen werden nur eingelegt, wenn ich merke, dass sie wirklich nötig sind. Schließlich wabert dieser Angstgedanke über mir, ich könnte als faul abgestempelt werden. Mein Motor wird angetrieben von der Hoffnung auf Lob von außen und eben dieser bereits genannten Angst vor Ablehnung, sollte ich die Erwartungen der Leistungsgesellschaft nicht vollumfassend erfüllen.

Jedoch bin ich auch nicht so naiv zu glauben, dass mich dieser Wunsch weiter bringt im Leben. Denn zum einen habe ich meist gar kein so klares Bild davon, wem ich es eigentlich beweisen will, geschweige denn, was es überhaupt zu beweisen gibt. Vor allem aber nicht davon, wie man es beweisen kann oder besser gesagt, wann der Beweis erbracht ist.

P1160911Warum ich das so frei heraus zugeben, mich hier öffentlich „oute“? Zum einen, weil ich damit zeigen will, dass einen die Arbeit im Bereich Coaching und Therapie nicht zum Übermenschen macht, der in der Lage ist, alles theoretische Wissen auch wirklich immer 1:1 in die Praxis umzusetzen. Zum anderen, weil sich für seine Unvollkommenheit zu schämen einen kein bisschen weiter bringt. Im Gegenteil: Man ist nur damit beschäftigt, Masken hoch zu halten, anstatt anderen Menschen zu signalisieren: Hey, wir sitzen alle im gleichen Boot – niemand ist perfekt und niemand muss es sein!

Hier noch ein (englisches) Zitat von Dr. Brené Brown aus ihrem Buch „The Gifts of Imperfection“:

„It [shame] can’t survive being shared. Shame loves secrecy. The most dangerous thing to do after a shaming experience is hide or bury our story. When we bury our story, the shame metastasizes.“

Und an anderer Stelle:

„Owning our story and loving ourselves through that process is the bravest thing that we will ever do.“

In diesem Sinne:

Lasst uns lernen, auch unsere verletzliche, nicht perfekte Seite zu zeigen!

P1160906Als wir vor gut drei Jahren in unser jetziges Haus einzogen, war ich von einer Sache besonders angetan: Der Tatsache, dass es einen Anbau mit separatem Eingang gab. Ein Raum, den ich für Coachings nutzen kann. Anfang 2015 war es dann soweit: VORWÄRTSLEBEN, meine Praxis für integrative Psychotherapie und Coaching, wurde ins Leben gerufen.

P1160897Nach einem Jahr merkte ich mehr und mehr, dass etwas nicht mehr passt. Der Raum war ursprünglich für andere Zwecke erbaut worden und ich fühlte mich immer weniger wohl dort. Also fing ich an, Ideen zu spinnen. Mein großer Traum ist es, eines Tages ein VORWÄRTSLEBEN-Haus zu haben. Ein Haus, wo Seminare und Workshops in größerer Runde stattfinden können. Wo es auch Wohnzimmer-Konzerte und Lesungen in gemütlicher Runde gibt. Ein Haus mit Garten und 1-2 Zimmern für Menschen, die eine Auszeit nehmen wollen. Ein Haus, in dem …

P1160905Ja, wenn ich mir erlaube zu träumen, dann träume ich groß. Manchmal ist es ein Spagat, beides unter einen Hut zu bringen: seine Träume und die momentanen Möglichkeiten. Ich versuche, meine Träume zu bewahren, sie wie einen Schatz zu hüten und gespannt zu sein, wann und wie die nach und nach zum Leben erweckt werden.

P1160903Gleichzeitig suche ich nach Möglichkeiten, für Stimmigkeit zu sorgen – in diesem konkreten Fall für einen Ort, an dem ich mich wohl fühle und gerne arbeite. Nach einer kleinen Renovierungsphase ist meine Praxis nun seit einer Woche wieder startklar. Ein dickes DANKESCHÖN geht an dieser Stelle an meine Familie, die mich enorm unterstützt hat durch tatkräftige Mithilfe, das Ertragen von Staub, Lärm und meinem Frust, wenn alles mal wieder länger dauerte als gedacht. Danke – ihr seid die Besten!

Die letzten zwei Tage war ich auf Weiterbildung. Für heute steht dick und fett „Scharniertag“ in meinem Kalender. Diesen Begriff habe ich von einem ehemaligen Kollegen übernommen. Für ihn war der Scharniertag der erste Tag nach dem Urlaub: offiziell ein ganz normaler Arbeitstag, in der Realität aber doch meist eher ein Ankommen, Aufgaben sichten etc.

Für mich ist heute ein Scharniertag. Nicht weil ein erholsamer Urlaub hinter mir liegt, sondern zwei intensive Weiterbildungstage nach einer vollen Arbeitswoche. Auch diese Woche bringt wieder viele zu erledigende Aufgaben, Termine etc. Deshalb gönne ich mir einen Scharnier(vormit)tag – einen Übergangstag, an dem ich die Impulse der letzten Tage noch mal sacken lasse, alles etwas langsamer angehe und mich so startklar mache für das, was die nächsten Tage ansteht.

6-7Funktioniert das mit den Scharniertagen? Ehrliche Antwort? Auf dem Papier ja, in der Realität mal besser und mal schlechter. Denn nur, weil ich Klienten regelmäßig rate, sich Pausen zu gönnen, bedeutet das nicht, dass ich das auch immer hinkriege. Aber ich weiß aus Erfahrung, wie gut es tut. Und dass es sich lohnt, für Erholungszeiten, ganz gleich ob 5 Minuten, 2 Stunden, einen ganzen Tag oder noch länger, zu kämpfen. Sich nicht von den Bergen an Bügelwäsche davon abhalten zu lassen – denn ich verspreche dir: Sie  werden morgen auch noch da sein! Meine Herausforderung ist heute nicht die Bügelwäsche (mein Mann hat das gestern zum Glück erledigt, juhu!), sondern mein inneres Gaspedal, das sich noch im Autobahn- statt im Parkmodus befindet. Aus diesem Grund helfe ich ihm jetzt ein wenig nach, hole mir etwas Leckeres zu trinken aus der Küche und setze mich dann auf die Terrasse: die Sonnenstrahlen und das Leben im Hier und Jetzt genießen. Ich bin dann mal weg!

Weihnachtszeit ist Familienzeit – und eine potentiell herausfordernde Zeit für Singles. Aus diesem Grund habe ich Tina Tschage, Autorin des Buches „Einzelstück – Solo leben. Und zwar glücklich“ ein paar Fragen zum Thema gestellt.

VORWÄRTSLEBEN: Tina, was sind Zeiten oder Situationen, in denen Singles sich besonders häufig allein fühlen?
QcC_1sqUErZS11O1Iqu5SWO-PRH7viHIuw3vKy16kKQTina Tschage: Die kommen in der Regel immer dann, wenn andere mit ihren Liebsten sind: abends, am Wochenende, an den großen Feiertagen. Dann, wenn andere ihr Sozialleben ganz automatisch haben, weil der Partner und die Familie ja immer da sind und für die Freizeitgestaltung zur Verfügung stehen. Singles haben da einen viel höheren Aufwand: Sie kommen nach Hause und sind allein. Sie müssen ihre Freizeit und das Zusammensein mit anderen also regelrecht organisieren, wenn sie nicht allein bleiben möchten. Und an Feiertagen wie Weihnachten ist es eben besonders schwierig, weil das für viele fast schon heilige Familienmomente sind, wo kein anderer stören darf.

VL: Was sind deine ganz persönlichen Strategien gegen den Einsamkeits-Blues zu Weihnachten, aber auch ganz allgemein?
bD6x2OwY4okpQMq436EcBIgfPOtKSR7CbJHCRhMOsXYTT: Meine persönliche Strategie zu Weihnachten ist: Ich lade andere an meinen Tisch ein. Ich lebe schon in einer Gemeinschaft, das macht es einfacher. Aber ab dem 25.12. sind hier in diesem Jahr auch alle unterwegs. Das war für mich das Signal: Dann lade ich meine Eltern zu mir ein. Und sie kommen! Das ist tatsächlich auch sonst meine Strategie: Ich gehe viel auf andere zu, meine Persönlichkeit macht mir das leicht. Aber auch, wenn du eher introvertiert bist, geht das. Du kannst vieles im Leben lernen! Und in diesem Fall lohnt es sich. Bevor du immer wartest und erwartest, dass Leute auf dich zukommen, kannst du dich ja selbst auf den Weg machen. Und dieser Weg führt immer zum Ziel – nämlich zu anderen! Von Absagen und Rückschlägen solltest du dich da einfach nicht irritieren lassen. Manchmal reagieren Leute seltsam, wenn ich sie frage: “Darf ich an diesem Tag mit euch sein?” – aber nach der ersten Überraschung freuen sich die meisten sehr. Wir kennen das halt nicht mehr, leider. Weil wir in unseren Kleinfamilienhaushalten eine regelrecht artfremde Haltung pflegen. Dafür sind wir aber nicht geschaffen.

VL: Wenn du allen Nicht-Singles einen Impuls in Bezug auf den Umgang mit Singles mit auf den Weg geben könntest, welcher wäre das?
hbWyWnrpc2IWFj53dGWU3O2lxSUyjY1okF4pc36JtFcTT: Geht aufeinander zu. Stellt ehrliche Fragen und verkraftet die ehrlichen Antworten. Zeigt Empathie und nehmt einander wahr, ohne einander komplett verstehen zu müssen. Lasst euch stehen mit dem, was ihr denkt und fühlt. Ihr Paare und Familien: Eure Wohnungen und Häuser und auch eure Tische sind in der Regel größer als die eines Singles. Also ladet uns fröhlich zu euch ein – denn andersherum ist das in der Regel schwieriger.

Herzlichen Dank, liebe Tina, für deine Impulse rund ums Thema Gemeinschaft!

 

Einzelstück – Solo leben. Und zwar glücklich
Tina Tschage
ISBN 978-3-7751-5678-3

Mehr Infos findet ihr hier: www.solo-leben.de