“Ich darf Grenzen setzen, wahren und auch überwinden.”
P1170081Grenzen – für manche ein per Definition negativ besetztes Wort. Für andere hingegen etwas, das sie auf Leben und Tod verteidigen. Für mich persönlich ist das Wort Grenze weder per Definition negativ oder aber positiv. Grenzen können nützlich sein, angemessen, zeitweise sogar überlebenswichtig. Sie können einen Menschen aber auch isolieren. Dann nämlich, wenn sie vor langer Zeit errichtet wurden – zu Zeiten, in denen sie nötig waren, seitdem aber nicht mehr auf ihrem Bedarf hin überprüft wurden.
Wenn eine Stadt sich in einer akuten Belagerungssituation befindet, braucht sie die Mauer. Eine rundum geschlossene Mauer. In solch einer Situation die Tore zu öffnen, wäre fatal. Wenn die Belagerung aber bereits lange zurück liegt, macht es das Leben der Bewohner extrem schwierig, wenn sie weiterhin die Tore geschlossen halten. Dann wird nicht die Belagerung, sondern das Geschlossenhalten der Tore zur Gefahr.
Aus diesem Grund ist es wichtig, sich immer mal wieder die Frage zu stellen, was gerade dran ist: Grenzen setzen, wahren oder überwinden.

Unser Held kehrt von seiner Reise nach Hause zurück. In Filmen ist dies oft der Punkt, an dem das Heimatdort eine Party schmeißt und er als großer Held gefeiert wird. Vielleicht ist er aufgebrochen, um ein Heilmittel zu besorgen oder etwas ähnlich Bedeutendes, auf das die Gemeinschaft gewartet hat.
In der Realität ist die Heimkehr leider nicht immer mit einer großen Willkommensfeier verbunden, nicht mit Freudentränen, sondern mit irritierten Blicken: Die Person, die ausgezogen ist, um Neues zu entdecken – für sich persönlich oder zum direkten Nutzen für alle –, hat sich verändert. Sie hat Dinge erlebt, die die Zurückgebliebenen nicht erlebt haben. Er hat über den sprichwörtlichen Tellerrand geguckt, möglicherweise einschneidende Erfahrungen gemacht. Dinge, die die Gemeinschaft nicht zwingend auf Anhieb verstehen und nachvollziehen kann. Da diese Dinge so frisch sind, ist der zurückgekehrte Held vielleicht auch noch gar nicht in der Lage, von den Ereignissen angemessen zu berichten. Diese Veränderung kann Angst machen: „Ist das noch die Person, die wir kannten?“ Die Antwort auf diese Frage lautet ja – und nein.
Jeder von uns macht Erfahrungen, die uns prägen. Manche sind gewollt, manche nicht. Richtig ins Leben integriert, sorgen sie für persönliches Wachstum, für Reife. Bei der Heldenreise verhält es sich ganz ähnlich. Der entscheidende Punkt ist der, dass wir uns bewusst für neue Erfahrungen entscheiden – für den Aufbruch in neue Welten, mögen sie aufregend groß oder eher klein sein.

Zum Weiterdenken:
Wie hast du Veränderung in deinem Leben wahrgenommen: Als etwas, das dich von anderen trennt, vereint, verwirrt …? Wie geht es dir damit, wenn Freunde Erfahrungen machen, mit denen du nichts anfangen kannst?

Weihnachtszeit ist Familienzeit – und eine potentiell herausfordernde Zeit für Singles. Aus diesem Grund habe ich Tina Tschage, Autorin des Buches „Einzelstück – Solo leben. Und zwar glücklich“ ein paar Fragen zum Thema gestellt.

VORWÄRTSLEBEN: Tina, was sind Zeiten oder Situationen, in denen Singles sich besonders häufig allein fühlen?
QcC_1sqUErZS11O1Iqu5SWO-PRH7viHIuw3vKy16kKQTina Tschage: Die kommen in der Regel immer dann, wenn andere mit ihren Liebsten sind: abends, am Wochenende, an den großen Feiertagen. Dann, wenn andere ihr Sozialleben ganz automatisch haben, weil der Partner und die Familie ja immer da sind und für die Freizeitgestaltung zur Verfügung stehen. Singles haben da einen viel höheren Aufwand: Sie kommen nach Hause und sind allein. Sie müssen ihre Freizeit und das Zusammensein mit anderen also regelrecht organisieren, wenn sie nicht allein bleiben möchten. Und an Feiertagen wie Weihnachten ist es eben besonders schwierig, weil das für viele fast schon heilige Familienmomente sind, wo kein anderer stören darf.

VL: Was sind deine ganz persönlichen Strategien gegen den Einsamkeits-Blues zu Weihnachten, aber auch ganz allgemein?
bD6x2OwY4okpQMq436EcBIgfPOtKSR7CbJHCRhMOsXYTT: Meine persönliche Strategie zu Weihnachten ist: Ich lade andere an meinen Tisch ein. Ich lebe schon in einer Gemeinschaft, das macht es einfacher. Aber ab dem 25.12. sind hier in diesem Jahr auch alle unterwegs. Das war für mich das Signal: Dann lade ich meine Eltern zu mir ein. Und sie kommen! Das ist tatsächlich auch sonst meine Strategie: Ich gehe viel auf andere zu, meine Persönlichkeit macht mir das leicht. Aber auch, wenn du eher introvertiert bist, geht das. Du kannst vieles im Leben lernen! Und in diesem Fall lohnt es sich. Bevor du immer wartest und erwartest, dass Leute auf dich zukommen, kannst du dich ja selbst auf den Weg machen. Und dieser Weg führt immer zum Ziel – nämlich zu anderen! Von Absagen und Rückschlägen solltest du dich da einfach nicht irritieren lassen. Manchmal reagieren Leute seltsam, wenn ich sie frage: “Darf ich an diesem Tag mit euch sein?” – aber nach der ersten Überraschung freuen sich die meisten sehr. Wir kennen das halt nicht mehr, leider. Weil wir in unseren Kleinfamilienhaushalten eine regelrecht artfremde Haltung pflegen. Dafür sind wir aber nicht geschaffen.

VL: Wenn du allen Nicht-Singles einen Impuls in Bezug auf den Umgang mit Singles mit auf den Weg geben könntest, welcher wäre das?
hbWyWnrpc2IWFj53dGWU3O2lxSUyjY1okF4pc36JtFcTT: Geht aufeinander zu. Stellt ehrliche Fragen und verkraftet die ehrlichen Antworten. Zeigt Empathie und nehmt einander wahr, ohne einander komplett verstehen zu müssen. Lasst euch stehen mit dem, was ihr denkt und fühlt. Ihr Paare und Familien: Eure Wohnungen und Häuser und auch eure Tische sind in der Regel größer als die eines Singles. Also ladet uns fröhlich zu euch ein – denn andersherum ist das in der Regel schwieriger.

Herzlichen Dank, liebe Tina, für deine Impulse rund ums Thema Gemeinschaft!

 

Einzelstück – Solo leben. Und zwar glücklich
Tina Tschage
ISBN 978-3-7751-5678-3

Mehr Infos findet ihr hier: www.solo-leben.de

 

 

 

An dieser Stelle möchte ich auf das Buch “Einzelstück – Solo leben. Und zwar glücklich” meiner lieben Ex-Studienkommilitonin sowie Ex-WG-Zimmernachbarin Tina Tschage hinweisen. Sie ist eine tolle Frau, die trotz Single-Status nicht einsam ist.
Hier ein Radio-Interview mit ihr:
http://www.radio-m.de/#view=2799

Advent – Zeit der Kerzen, Kekse und Traditionen. Advent ist eine offiziell besinnliche, faktisch aber oft besonders geschäftige Zeit. Eine Zeit, um sich mit seinen Liebsten zu umgeben – theoretisch. In der Realität sieht es dann leider für manch einen etwas anders aus. Da ist die Adventszeit eine sehr einsame Zeit: die Familie wohnt weit weg oder man hat keinen Kontakt zu ihr; Freunde sind mit ihren eigenen Familien beschäftigt etc.
Mein Wunsch für diese Adventszeit: Dass jeder versucht, nach seinen Möglichkeiten ein wenig über den eigenen Tellerrand zu schauen und die Menschen in den Blick zu nehmen, für die die Adventszeit nicht die schönste Zeit des Jahres ist. Das können (müssen aber nicht!) ältere Menschen sein, Singles, aber auch Menschen, von denen man es erst mal gar nicht erwartet. In diesem Sinne: Augen, Ohren und Herzen auf!

Hier noch eine nette (Kinder-)Geschichte, die gerade beim Web-Surfen meinen Weg gekreuzt hat:
http://www.elkeskindergeschichten.de/2015/11/27/aufregende-adventswochen-fuer-oma-meier/