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Im Mai lädt VORWÄRTSLEBEN zum ganz persönlichen “Frühjahrsputz” ein – getreu dem Motto “Alles neu macht der Mai!”

Dabei geht es aber, wie du dir sicher denken kannst, um mehr als eine Großputzaktion in deiner Wohnung! Wie gewohnt gibt es an allen vier Montagen einen Input, an den übrigen Tagen ergänzend eine konkrete Idee, wie man den Impuls umsetzen kann. Bist du dabei? Klasse! Du hast Leute im Hinterkopf, die auch Interesse haben könnten, ihr Leben ein wenig zu entrümpeln? Dann lade sie gerne ein! Ich freu mich auf die Zeit mit euch!

Im Herbst letzten Jahres habe ich eine befreundete Künstlerin besucht. Wir haben uns mit alten T-Shirts, Pinsel und Farbe bewaffnet und gemeinsam gemalt. Ich steckte den Pinsel in die Farbe und machte mich an die Grundierung. Meine Freundin guckt sich mein beginnendes Farbenspiel an und kommentiert trocken: „Viel zu viel Farbe. Arbeite mit Wasser. Mit viel Wasser!“
Das saß! Ich hatte es doch nur gut gemeint, wollte ein farbintensives Bild entstehen lassen. Vor allem aber wollte ich vor ihren Augen nicht versagen. Ich wollte es richtig machen …
2015-01-19Ich atme tief durch und mache mir bewusst, dass das gerade keine vernichtende Kritik, sondern ein wohlwollender Rat von jemandem war, der es wissen muss – und versuche ihn umzusetzen. Am Ende der Mal-Session bin ich dankbar: Das Bild ist gelungen und mittlerweile ziert es sogar unsere Wohnzimmerwand.
Ein paar Wochen später muss ich wieder an den Rat meiner Freundin denken, während ich ein Bild male – selbstverständlich mit ausreichend Wasser. Und ich frage mich, inwieweit mein bisheriger Umgang mit Farbe zu einem gewissen Grad meinen Lebensstil widerspiegelt. Lebe ich nicht auch bisweilen gemäß dem Motto „Viel hilft viel“? Ich muss an das ein oder andere ältere Bild denken, dass zwar farbintensiv, aber gleichzeitig auch ein wenig leblos war. Fast starr, wie eine Maske. Und ich muss an die 80-20-Regel denken, die besagt, dass man 80 % der Arbeit mit gerade mal 20 % Energieaufwand erledigt bekommt, während man für die restlichen 20 %, die es für Perfektion braucht, 80 % der Energie bedarf. Dabei ist Perfektion meist gar nicht gefragt; 80 % wären absolut ausreichend. Und doch strebe ich regelmäßig die 100 %-Marke an … oder versuche mich sogar an einem Ding der Unmöglichkeit: dem Erreichen der 110 %-Grenze.

Zum Weiterdenken:
Stell dir vor, du würdest dich öfter mal mit den vergleichsweise leicht zu erreichenden 80 % zufriedengeben: Was könntest du alles mit der verbleibenden Zeit und Energie anfangen?

Die vergangenen zwei Monate habe ich an einem Ort verbracht, den eine Freundin liebevoll den „Lerntunnel“ nennt. Viele Stunden habe ich über aufgeschlagenen Büchern verbracht, habe gelesen, Dinge angestrichen, Notizen gemacht, Wissen in mich aufgesaugt. Parallel dazu habe ich mich mit dem Thema Mut auseinandergesetzt: Was entfacht Mut, was bremst ihn, wo will ich selbst mutiger werden? Mitten in diese Phase hinein erklang das „Sie haben eine Nachricht“-Signal meines Handys. Es war eine kleine Erinnerung einer Bekannten, die schrieb: Vergiss nicht, zwischendurch auch mal zu genießen!
1AllgemeinGenussGenießen – wie geht das überhaupt? Forscher sind sich uneinig, ob Genussfähigkeit etwas ist, das angeboren ist oder aber erst erlernt werden muss. Klar hingegen ist, dass man das Genießen verlernen kann. Dinge wie Hektik, Eile und Stress gelten als genussfeindliche Faktoren – zu Recht! Studien besagen, dass in Deutschland etwa 25 % aller Erwachsenen nicht oder nur eingeschränkt genussfähig sind. Gerade auch im Rahmen einer depressiven Episode ist das ein großes Thema. Grund genug, die Blog-Beiträge im September dem Genuss zu widmen!

Nachgefragt:
Welchen Stellenwert hat Genuss in deinem Leben – und warum?

Der August ist mein Prüfungsmonat. Eine Tatsache, die mir eher Panik- als Jubelschreie entlockt. Vor der dritten von vier Prüfungen war es besonders schlimm: Mein Blick war felsenfest auf das fixiert, was ich noch nicht gelesen bzw. gelernt hatte. Und mein Gehirn war so freundlich, mich an all die Prüfungen zu erinnern, in denen ich in der Vergangenheit versagt hatte. In dieser gedanklichen Abwärtsspirale gefangen, erreichte mich selbst ein noch so nett gemeintes „Mach dir keinen Kopf, das wird schon!“ nicht mehr. Im Gegenteil: Solche Aussagen drückten den Startknopf, der meine extrem gut verinnerlichte „Ich kann dir mindestens 100 gute Gründe nennen, warum es trotzdem schiefgehen wird“-Argumentation in Gang setzte.
Am Tag vor der besagten Prüfung traf ich mich mit einer lieben Bekannten. Ihr klagte ich in aller Ausführlichkeit mein Leid: nächtelang nicht gut geschlafen, Angst vor Blackout, tagsüber renne ich rum wie ein aufgescheuchtes Huhn … Als ich gerade mal eine Millisekunde die Klagelitanei unterbrach, um Luft zu holen, witterte sie ihre Chance. Sie sah mich an und ihr Blick besagte, dass ich mir mit dem Luftholen Zeit lassen könne – jetzt sei sie an der Reihe. Dann legte sie los: ruhig und klar. Was folgte, waren keine pauschalen Ermutigungsversuche à la „Das klappt schon!“ Sie spielte auch nicht die Bedeutung der bevorstehenden Prüfung herunter. Stattdessen spiegelte sie mir, was sie wahrnahm: Sie erinnerte mich an die vergangenen Monate, in denen ich viel gelernt hatte. Sie attestierte mir, dass ich den Inhalt verstanden habe. Etappensiege in Form von kleineren Prüfungen im Vorfeld wurden mir vor Augen gemalt. Ehrlich, wie sie war, benannte sie aber auch meine mich selbst kleinmachenden Aussagen und die sicher nicht sonderlich förderliche Panikmache, die ich betrieb. In all dem war sie herzlich und ehrlich – und dadurch eine enorme Ermutigung. Sie hat mich mit ihren Worten bewegt, war im besten Sinne des Wortes ein WORTBEWEGER.
erMUTigungDiese Situation hat mir noch einmal vor Augen geführt: Echte Ermutigung ist nicht pauschal, sondern konkret, herzlich, ehrlich. Ermutigung tut gut – und wir alle brauchen sie bisweilen!

Mach mal:
Überleg dir, wen du heute ermutigen kannst: nicht pauschal, sondern ganz konkret, individuell, persönlich, handfest. Und dann tu es!

Mal ganz direkt gefragt: Ist es nicht egoistisch, sich Zeit für sich zu nehmen? Ich behaupte, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, ist alles andere als egoistisch und definitiv nichts für Angsthasen, denn …

  1. Wer sich selbst besser kennenlernen will, muss Zeit investieren. Und das regelmäßig. Sich diese Zeit im oftmals turbulenten Alltag freizukämpfen, erfordert Mut.
  2. Wer eine Reise zu sich selbst antritt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit an irgendeinem Punkt mit destruktiven Denk- und Verhaltensmustern konfrontiert. Das tut weh und erfordert Stärke, sich dem zu stellen.
  3. Neues zu lernen ist vergleichbar mit einem Weg, auf dem man zwei Schritte vorwärts und einen zurück macht: Es gibt Rückschläge, man zieht falsche Schlüsse. Aber ganz ehrlich: Lieber zwei Schritte vor und einen zurück als gar nicht vorwärts kommen!
  4. Es braucht Mut, Neues dauerhaft ins Leben zu integrieren. Denn dafür muss man Farbe bekennen: Das will ich ab sofort (nicht mehr)! So etwas stößt nicht immer auf Begeisterung. Gerade deshalb ist es wichtig, sich Unterstützung zu holen.

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Ich bin der festen Überzeugung, dass es sich lohnt, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen: Wer sich und seine Bedürfnisse kennt, diese artikulieren kann und für ihre Umsetzung einsteht, tut sich selbst etwas Gutes. Wir leben in einer Zeit, in der man sich primär über Leistung definiert: Immer höher, schneller, weiter. Das geht eine Zeit lang gut, aber dann fängt der Körper an, Signale zu senden. Nur werden sie oft übersehen bzw. schlicht und ergreifend ignoriert: Keine Zeit, keine Lust. Doch irgendwann rächt sich der Körper bzw. die Psyche: Stichwort Burnout, psychosomatische Beschwerden etc.

Überleg mal:
Beides ist wahr: Eine Reise kostet, aber sie bereichert auch. Welcher Aspekt ist dir persönlich am wichtigsten? Und welchen Preis bist du bereit, für dein Bleiben oder Losgehen zu zahlen?

Nächsten Monat:
Über den Wert von Träumen und den Mut zu handeln