Eine in vieler Hinsicht intensive Woche liegt hinter mir. Meine ToDo-Liste für heute war lang, aber ich ziemlich groggy und reif fürs Sofa. Keine gut Kombination! Den Garten wollte ich auf Vordermann bringen. Was sollen schießlich die Nachbarn (und Klienten) denken, wenn das Unkraut langsam aber sicher die Oberhand gewinnt? So fing ich an, im Garten zu wuseln. Irgendwie lustlos und oberflächlich. Wieso den Löwenzahn ausstechen? Den oberen Teil, der ihn enttarnt als solchen enttarnt, abzurupfen geht doch viel einfacher und vor allem schneller. Dann sieht alles auch gleich weniger verwildert aus. Aber dann musste ich an die Geschichte von Herrn Rech denken. Und an die Frage, welchen Preis ich zu zahlen bereit bin, um ein Lob (oder zumindest kein abfälliges Kopfschütteln) meiner Mitmenschen zu erhalten. Mir schwirrt der Satz “Wer einen Garten hat, muss sich auch drum kümmern!” im Kopf herum. Und ich denke mir, dass der Satz “Wer einen Körper hat, muss sich auch drum kümmern!” mindestens genauso wahr ist. In diesem Sinne entscheide ich mich heute, dem Unkraut noch ein paar Lebenstage zu schenken und den Staubmäusen unter dem Sofa eine letzte Chance einzuräumen, um von selbst zu verschwinden. Und ich? Ich gönne mir jetzt eine Runde Bewegung und danach eine große Tasse Milchkaffee. Und heute Abend Erholung auf dem Sofa mit allem, was so dazu gehört. In diesem Sinne: Euch allen ein super gutes Wochenende mit euch selbst gegenüber wohlwollenden Entscheidungen!

Eine meiner Lieblingsgeschichten handelt von einem Gartenbesitzer und seinem Nachbarn. Nennen wir sie Herr Verantwortlich und Herr Unverantwortlich.
Herr Verantwortlich ist ein Mann, der seinen Garten liebt und sich gut um ihn kümmerte. Eines schönen Sommertages fällt sein Blick auf den Garten seines Nachbarn Herrn Unverantwortlich. Die Sonne steht hoch am Himmel und Herr Verantwortlich hat gerade den Rasensprenger ausgeschaltet. Er weiß aus Erfahrung: An solch heißen Tagen braucht sogar der robusteste Rasen eine extra Portion Zuwendung. Ein kurzer Blick auf den Rasen von Herrn Unverantwortlich macht ihm deutlich, dass dieser es mit der Zuwendung offensichtlich nicht ganz so genau nimmt. Vermutlich hat er gerade viel auf der Arbeit zu tun … Kurzentschlossen greift Herr Verantwortlich zum Rasensprenger und richtet diesen so aus, dass das Wasser nun das Nachbargrundstück trifft. Mit dem guten Gefühl, seinem Nachbarn geholfen zu haben, dreht er schließlich das Wasser ab und geht zurück ins Haus.
Auch an den kommenden Tagen ist es heiß. Also greift Herr Verantwortlich erneut zum Rasensprenger und sorgt dafür, dass der Rasen von Herrn Unverantwortlich durch die Sonne keinen Schaden nimmt. Es ist ein heißer Sommer. Von Tag zu Tag wird der Griff zum Rasensprenger selbstverständlicher. Im Laufe der Zeit wird der Rasen von Herrn Unverantwortlich wird immer grüner, während Herrn Verantwortlich nicht mehr genug Energie bleibt, seinen eigenen Rasen zu pflegen.
P1140957Herr Unverantwortlich kommt abends oft erst spät von der Arbeit nach Hause – und er ist glücklich. Er sieht seinen robusten Rasen, der ganz ohne sein Zutun wächst und gedeiht, während der seines Nachbarn von Tag zu Tag brauner wird. Herr Unverantwortlich ist glücklich, Herr Verantwortlich hingegen wird von zusehends ärgerlicher. Bis ihm schließlich der Kragen platzt. Eines Abends sieht er Herrn Unverantwortlich ganz entspannt auf der Terrasse sitzen. Er geht zum Gartenzaun und schnauzt ihn an: „Es ist eine Unverschämtheit, wie Sie Ihren Garten vernachlässigen!“ Mit diesen Worten dreht er sich um, stampft wütend und erschöpft über seinen verbrannten Rasen zurück in sein Haus und knallt die Tür hinter sich zu. Herr Unverantwortlich starrt ihm kopfschüttelnd hinterher und murmelt: „Der sollte sich lieber mal um seinen eigenen Garten kümmern!“ Dann lehnt er sich zurück, wohl wissend, dass das Grün seines Rasens Beweis genug ist, wer von ihnen der bessere Gärtner ist.
(angelehnt an eine Passage aus „Nein sagen ohne Schuldgefühle“ von Cloud/Townsend)

Frühjahrsputz, das bedeutet auch ausmisten. Für mich ein Wort, das absolut positiv belegt ist – darum miste ich sehr regelmäßig über das ganze Jahr verteilt aus. Denn ganz gleich ob Kleidung, Bücher, Musik oder andere Dinge: Vieles liegt nur rum. Die Folge: Wer nie aussortiert, braucht im Laufe der Jahre immer mehr Platz. Platz für ein neues Bücherregal, Platz für einen größeren Kleiderschrank etc. Ein weiterer Effekt: Man verliert den Überblick über das, was man hat. So durchstöbert manch einer das Bücherregal nach einem guten Buch, wird aber von den Massen erschlagen … im Sinne von den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen.
Ich will nicht verschweigen, dass Ausmisten zu Trennungsschmerz führen kann. Aber den kann man minimieren, beispielsweise indem man die aussortierten Dinge verschenkt (an Freunde, Mutter-Kind-Heime, Sozialkaufhäuser, Bücherzellen etc.), sie vertauscht (z. B. über tauschticket.de), sie zu Geld macht (Flohmarkt, eBay etc.). Was einem wirklich lieb und teuer ist, gehört natürlich nicht aussortiert – es geht ja nicht darum, das Zuhause auf Teufel komm raus leer zu kriegen! Übrigens: Viele Dinge kann man auch aufpeppen und so in neuem Glanz erstrahlen lassen! Für Ideen einfach mal in Büchern zum Thema Upcycling stöbern oder aber nach dem entsprechenden Suchbegriff googlen!

Vor über einem Jahr hatte ich das Vergnügen, eines meiner Lieblingsworte kennenzulernen: das Wort „Handlungsoptionen“. Ich erinnere mich noch genau: Es war ein Samstag, so gegen neun Uhr morgens. An diesem Vormittag sollte bei einer Weiterbildung, die ich besuchte, eine Prüfung geschrieben werden. Das Problem war nur, dass man dem Dozenten versehentlich den falschen Schlüssel ausgehändigt hatte. So standen wir nun also vor verschlossener Tür. Der Dozent, ein recht lockerer Typ, tigerte ein oder zwei Minuten den Gang auf und ab, verschwand kurz und kehrte dann zu uns Teilnehmern zurück. Ich fragte ihn, ob er angesichts der Situation noch immer entspannt sei, was er prompt mit Ja beantwortete. Seine Begründung: „Ich habe Handlungsoptionen. Von daher alles gut soweit.“
Seit diesem Samstag gehört das Wort „Handlungsoptionen“ nicht nur zu meinen Lieblingswörtern, sondern auch zu meinem aktiven Wortschatz. Was mir daran so gut gefällt? Das Wort hält mir vor Augen, dass es mehr gibt als schwarz und weiß, richtig und falsch. Es fordert mich heraus, nach Alternativen Ausschau zu halten, was mich wiederum flexibel macht und meinen Handlungsspielraum erweitert.
P1150189Wir schreiben heute den 04. Mai. Das Jahr 2015 ist mittlerweile stolze vier Monate alt. Ein guter Teil der Energie, die man zu Beginn des Jahres noch hatte, ist verbraucht. Die meisten guten Vorsätze sind bereits begraben. Statt täglich Sport an der frischen Luft gibt es Fernsehen im ungelüfteten Wohnzimmer. Statt vitaminreicher Ernährung hat man ein Abo beim Fastfood-Laden um die Ecke inne. Das sind Klischees und überspitzte noch dazu. Trotzdem dürfte es für einige von uns recht ernüchternd sein, das angestrebte Ideal mit dem realen Ist-Zustand abzugleichen. Also den Kopf in den Sand stecken? Aufgeben, weil es ja eh nicht klappt?
Ich lade dich ein, den Mai für einen Frühjahrsputz der etwas anderen Art zu nutzen. Wir starten – welch Überraschung – mit der Entsorgung von wenig hilfreichen „so oder gar nicht“-Denkmustern und dem Suchen nach nützlichen Handlungsoptionen. Bist du dabei?

Wer die TV-Krimiserie „Monk“ kennt, kennt wahrscheinlich auch die Aussage „Es ist ein Segen – und ein Fluch!“ Die Rede ist von Adrian Monks diversen psychischen Störungen. Neben unzähligen Phobien ist da vor allem seine Zwangsstörung zu nennen. Natürlich ist diese hinderlich für seinen Alltag, sodass er neben psychotherapeutischer Hilfe zusätzlich noch auf die Unterstützung seiner persönlichen Assistentin angewiesen ist. Ihre Aufgabe ist es, alles Angstmachende bestmöglich von Monk fernzuhalten. Auf der anderen Seite ist es gerade seine Störung, die dazu führt, dass er sofort bemerkt, wenn etwas nicht in Ordnung ist: Durch seinen Hang zur Ordnung und zu klaren Strukturen erweckt all das seine Aufmerksamkeit, was diesem System zuwider ist. Diese „Macke“ beschert ihm eine überdurchschnittlich hohe Aufklärungsrate, weshalb ihn die Polizei von San Francisco gerne als freien Berater hinzuzieht.
Ich finde es spannend zu sehen, wie im Fall von Adrian Monk etwas vermeintlich Negatives dennoch einen positiven Nebeneffekt haben kann. Natürlich bin ich deshalb nicht erpicht darauf, im Laufe meines Lebens an einer Zwangsstörung zu erkranken. Genauso wenig würde ich jemandem mit einer Zwangsstörung dazu raten, nicht daran zu arbeiten, um den Leidensdruck zu minimieren. Aber diese – zugegeben fiktive – Geschichte ermutigt mich, nach dem Guten im Negativen zu suchen. Dabei kommt mir eine Frau in den Sinn, die schwere depressive Episoden hinter sich hat und nun viel von ihrer Zeit und Energie investiert, um andere Menschen mit der gleichen Diagnose zu unterstützen, Aufklärungsarbeit leistet, Vorurteile abzubauen versucht.

Und du?
Segen und Fluch – wo wünschst du dir, das Gute im Hinderlichen wahrnehmen zu können?