Wer schon einmal geflogen ist, kennt den Teil der Sicherheitsbelehrung, in dem es heißt, dass man im Fall eines Druckabfalls in der Kabine erst sich selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen soll, bevor man mitreisenden Kindern hilft.
Lange Zeit fand ich diese Anweisung total … wie soll ich sagen? … bescheuert. Ja, ich glaube, das trifft es ganz gut. Wie kann jemand ernsthaft verlangen, erst an sich selbst zu denken, bevor man anderen hilft? Noch dazu Kindern! Herzlos, so dachte ich.
Manchmal braucht es länger, bis man versteht – so auch im Fall der Sauerstoffmasken und mir. Irgendwann verstand ich, dass es weder bescheuert noch herzlos ist, sondern absolut sinnvoll. Denn wenn wirklich an Bord etwas schiefgeht, braucht ein Kind vielleicht mehr Hilfe als nur, dass ich ihm helfe, die Sauerstoffmaske aufzusetzen. Wenn ich aber bewusstlos werde, weil ich mir selbst zu spät die Maske aufgesetzt habe, kann ich diese Hilfe nicht mehr leisten. Dann war ich nicht selbstlos, weil ich bewusstlos geworden bin statt des Kindes, sondern lebe unüberlegt mein Helfersyndrom aus, indem ich nur erste Hilfe leiste anstatt ganze Hilfe.
Das alles mag sehr drastisch, dramatisierend und arg überzeichnet klingen. Wann passiert so etwas schon mal und wann steckt dann auch wirklich ein echter Notfall dahinter? (Ich hoffe zumindest, dass es wirklich nur extremst selten passiert!)
Aus einem ganz anderen Lebenskontext kommt mir diese Situation jedoch äußerst bekannt vor: wenn Menschen andere immer für wichtiger als sich selbst halten. Klingt ehrenwert und gut und richtig. Und hey, ich bin absolut dabei und helfe sehr gerne. Jedoch wird es kritisch, wenn es immer heißt “die anderen zuerst”. Wenn man immer nur für andere da ist, aber nie oder nicht ausreichend oft genug für sich selbst. Wenn man seine Energietanks nicht füllt oder, um im Bild zu bleiben, die eigene Sauerstoffmaske nicht aufsetzt. Dann laufen die Energietanks leer, man brennt aus.
Was ich toll fände, wäre solch eine Sauerstoffmaske als Erinnerung. Die würde ich irgendwo hinhängen, wo ich sie immer wieder sehe. Sie würde mich dran erinnern, dass es nicht egoistisch ist, auf sich aufzupassen. Wenn jemand zufällig eine rumliegen hat: Immer her damit! Ansonsten werde ich mir etwas anderes überlegen. Und vielleicht machst du das ja auch: dir eine Erinnerungshilfe suchen, denn: Du bist wichtig!
In diesem Sinne: Pass gut auf dich auf!

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