Die neuen Termine für meine VHS-Angebote im Herbst sind online. Außerdem biete ich ab sofort Stunden in kreativer Achtsamkeit für Einzelpersonen und Gruppen bis max. 4 Personen in meiner Praxis.

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Termine

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Im Herbst letzten Jahres habe ich eine befreundete Künstlerin besucht. Wir haben uns mit alten T-Shirts, Pinsel und Farbe bewaffnet und gemeinsam gemalt. Ich steckte den Pinsel in die Farbe und machte mich an die Grundierung. Meine Freundin guckt sich mein beginnendes Farbenspiel an und kommentiert trocken: „Viel zu viel Farbe. Arbeite mit Wasser. Mit viel Wasser!“
Das saß! Ich hatte es doch nur gut gemeint, wollte ein farbintensives Bild entstehen lassen. Vor allem aber wollte ich vor ihren Augen nicht versagen. Ich wollte es richtig machen …
2015-01-19Ich atme tief durch und mache mir bewusst, dass das gerade keine vernichtende Kritik, sondern ein wohlwollender Rat von jemandem war, der es wissen muss – und versuche ihn umzusetzen. Am Ende der Mal-Session bin ich dankbar: Das Bild ist gelungen und mittlerweile ziert es sogar unsere Wohnzimmerwand.
Ein paar Wochen später muss ich wieder an den Rat meiner Freundin denken, während ich ein Bild male – selbstverständlich mit ausreichend Wasser. Und ich frage mich, inwieweit mein bisheriger Umgang mit Farbe zu einem gewissen Grad meinen Lebensstil widerspiegelt. Lebe ich nicht auch bisweilen gemäß dem Motto „Viel hilft viel“? Ich muss an das ein oder andere ältere Bild denken, dass zwar farbintensiv, aber gleichzeitig auch ein wenig leblos war. Fast starr, wie eine Maske. Und ich muss an die 80-20-Regel denken, die besagt, dass man 80 % der Arbeit mit gerade mal 20 % Energieaufwand erledigt bekommt, während man für die restlichen 20 %, die es für Perfektion braucht, 80 % der Energie bedarf. Dabei ist Perfektion meist gar nicht gefragt; 80 % wären absolut ausreichend. Und doch strebe ich regelmäßig die 100 %-Marke an … oder versuche mich sogar an einem Ding der Unmöglichkeit: dem Erreichen der 110 %-Grenze.

Zum Weiterdenken:
Stell dir vor, du würdest dich öfter mal mit den vergleichsweise leicht zu erreichenden 80 % zufriedengeben: Was könntest du alles mit der verbleibenden Zeit und Energie anfangen?

Wie ich male, so bin ich – stimmt das? Dieser Gedanke kam mir in den Sinn, als ich kürzlich wieder mit Pinsel und Farbe aktiv war. Die Aussage trifft sicher nicht auf jeden Menschen zu. Aber ich für meinen Teil kann bestätigen, dass es deutlich erkennbare Parallelen zwischen meinen Bildern und mir als Person gibt: in den Farbpaletten, die ich bevorzugt nutze (warme oder kalte Farben, grell oder gedeckt), in der Art, wie ich male (geplant, strukturiert, frei oder chaotisch), in der Größe der Leinwand, mit der ich mich wohlfühle (klein, groß oder mittel) etc.
2015-01-12Das fällt mir allerdings erst dann richtig auf, wenn ich Dinge – gezwungenermaßen oder auch freiwillig – anders mache als normal: Wenn ich mich beim Kauf der Leinwände vergreife und erst zu Hause merke, dass ich eine größere Leinwand als normal erstanden habe. Oder wenn ich ein Bild mit anderen Farben als sonst male. In diesen Momenten ist es spannend, in eine Art Zuschauer-Rolle zu schlüpfen und mich selbst zu beobachten. Dabei geht es nicht um erzwungene, künstliche Deutungen, sondern darum, hinzugucken, in sich reinzufühlen, innere Reaktionen bewusst wahrzunehmen, Fragen zu stellen und vielleicht am Ende doch die ein oder anderen Schlüsse daraus zu ziehen. Und so Bilder sprechen zu lassen.

Beobachte mal:
Auch deine Kleidung weiß Geschichten zu erzählen: Geschichten darüber, wie du dich selbst wahrnimmst; Geschichten darüber, wie andere Menschen dich wahrnehmen sollen; Geschichten über Gefühle, Bedürfnisse und vieles mehr. Spannend im Zusammenhang mit Kleidung ist auch die Frage, wie sie dich fühlen lässt: selbstbewusst, authentisch, verkleidet, unsichtbar …

2015-01-05Ich bin ein kreativer Mensch. Nicht in dem Sinne, dass ich große Kunstwerke erschaffe, für die Kunstkenner aus aller Welt mir die Bude einrennen. Meine Kreativität zeigt sich im Alltag: in kleinen und größeren Basteleien sowie in meiner naiv-unprofessionellen, aber dafür meist recht farbenfrohen Malerei. Ohne diese Dinge wäre ich nur ein halber Mensch.
Das mit der Malerei fing vor gut zehn Jahren an. Ich hatte gerade mein Studium beendet und Freunde schenkten mir zum bestandenen Examen einen Satz Acrylfarben und ein paar kleinere Leinwände. Die Farben wurden ein paar Mal benutzt, vor allem aber wurden sie umgezogen: von Hessen nach Thüringen, von dort nach Schleswig-Holstein, dann weiter nach NRW, nur um schlussendlich doch wieder in Schleswig-Holstein zu landen. Und schließlich ausgepackt zu werden! Ich fing wieder an zu malen. Keine Menschen, Landschaften, Tiere – nichts Gegenständliches. Stattdessen male ich, was in mir ist. Dazu braucht es keinerlei Wissen um Proportionen, sondern lediglich Farbe, Pinsel, Leinwand, Zeit und vor allem die innere Bereitschaft, in sich reinzuspüren.
Meine Bilder nenne ich gerne Seelenbilder. Sie sind Ausdruck dessen, was mich im Moment des Malens bewegt. Ich komme bei mir an, finde Ruhe. Wenn das Bild fertig ist, bin auch ich meistens „durch“: Eine Frage hat sich geklärt, Gefühle haben sich sortiert und ich kann einen Punkt setzen.
Manche dieser Bilder landen an den Wänden unseres Hauses, die meisten jedoch werden erst einmal zur Seite gelegt – teilweise um sie aufzubewahren, teilweise aber auch, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zu übermalen. Denn wie gesagt: Sie sind nicht für Ausstellungen gemacht, sondern als eine Art Psychohygiene, als Medizin, wenn man so will. Es ist eine wohlschmeckende, wirksame, farbenfrohe, lebendig machende Medizin. Sie schafft es, Dinge nach außen zu bringen, die sonst womöglich auf ewig in mir verborgen blieben: Gefühle, Bedürfnisse, Wünsche, Ängste.

Buchtipp:
„Der Gefühls- und Bedürfnisnavigator: Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen“ von Gerlinde R. Fritsch, Jungfermann-Verlag